Witwe: 'Ihm wurde das Leben genommen'

Wird Pilnacek-Tod zum Krimi? Tonbänder bringen Sobotka weiter in Bedrängnis

Politik
Bundesministerium für Finanzen, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons

Die Worte von Pilnaceks Witwe sorgten beim Requiem am Samstag für Aufregung: "Christian hat sich nicht das Leben genommen. Ihm wurde das Leben genommen." Die nun öffentlich gewordenen Tonbänder bringen Wolfgang Sobotka, den mächtigen ÖVP-Parlamentspräsidenten, unter Druck. Auf ihnen behauptet Pilnacek im Sommer, dass Sobotka ihm schwere Vorwürfe gemacht habe. Man habe sich seitens der ÖVP illegale Interventionen von Pilnacek erwartet, derer er im angeblichen Glauben an die Rechtsstaatlichkeit nicht nachgekommen sei. "Der Status" konnte im Zuge seiner Recherchen weitere brisante Hintergründe ermitteln. So soll Sobotkas Mitarbeiterin die letzte Person gewesen sein, die Christian Pilnacek vor seinem Tod sah.

Kurz stellte als erster Suizid-Behauptung auf

Nach wie vor liegt kein Obduktionsergebnis zu Christian Pilnacek vor. Doch für die ÖVP und allen voran Sebastian Kurz war bereits wenige Stunden nach Christian Pilnaceks dramatischem Ableben klar: Es handelt sich um Suizid. Das verkündete Kurz im Zuge seines zweiten Prozesstages zu seiner mutmaßlichen Falschaussage im Ibiza-U-Ausschuss gegenüber Medien. Als erster. Er habe noch in Pilnaceks Todesnacht mit ihm telefoniert und war damit einer der letzten Menschen, die mit ihm sprachen.

Doch eine andere Person aus ÖVP-Kreisen stand Pilnacek noch näher und soll tatsächlich die letzte Person gewesen sein, die Pilnacek sah. Zumindest soweit wir den Sachverhalt bisher rekonstruieren können.

Abgeholt von Sobotka-Mitarbeiterin - dann verschwand Pilnacek

Anna P. ist Sobotkas Organisationsassistentin, ÖVP-Vizebürgermeisterin einer nö. Gemeinde und war Pilnaceks Lebensgefährtin. Dieser soll vor allem in der ÖVP-Damenwelt sehr beliebt und umtriebig gewesen sein und auch einige Zeit mit einer heutigen Ministerin liiert gewesen sein. P. habe Pilnacek abgeholt, nachdem dieser von der Polizei alkoholisiert aus dem Straßenverkehr gezogen wurde und seinen Führerschein in der Todesnacht abgeben musste. Gemeinsam hätten Anna P. und Christian Pilnacek zum gemeinsamen Wohnsitz fahren wollen.

Doch das scheiterte letztlich, die Geliebte erreichte diesen nur noch ohne den vor allem seit seinem Tod hochgelobten Juristen. Angeblich, so die kolportierte Version, habe sich während der Nach-Hause-Fahrt in den gemeinsamen Wohnsitz bei Krems ein heftiger Streit zwischen den beiden entwickelt, wie Insider gegenüber dem Status berichten. Der Inhalt ist (noch) unbekannt. Pilnacek sei daraufhin aus dem Auto ausgestiegen und hätte den Nachhauseweg zu Fuß durch eine Au angetreten. Stunden später sollen Beamte seinen (entstellten) Leichnam aus der Donau gezogen haben. 

Frau P. schweigt

Der Sobotka-Assistentin kommt damit eine Schlüsselrolle zu. Doch von ihr ist medial nichts zu vernehmen. Während Pilnaceks Witwe, die getrennt von ihm in Graz lebt, klarstellte, dass dieser sich nicht das Leben genommen habe, könnte seine spätere Lebensgefährtin vermutlich mehr zum Verlauf des Abends erklären als jeder andere. Der Status rief bei Frau P. an, doch diese drückte den Anruf weg und forderte uns via SMS auf: "Senden Sie mir eine SMS". Doch auf unsere einfache SMS-Anfrage ob es stimme, dass sie Pilnacek abholte, erhielten wir keine Antwort, Frau P. will offensichtlich schweigen.

Gas-Lobbyist soll brisantes Gespräch mit Pilnacek geführt haben

Wie auch immer der Verlauf der Dinge war, einfach dürfte die Situation für Frau P. nicht sein und auch ihr gilt natürlich unsere Anteilnahme, hat sie doch ihren Lebensgefährten verloren. Gleichzeitig ist sie bei Wolfgang Sobotka beschäftigt, gegen den Pilnacek am 28. Juli in einem Gespräch harte Anschuldigungen kundmachte.

Laut Status-Informationen erklärte er gegenüber einem aus Deutschland stammenden Gas-Lobbyisten (Name ist der Redaktion bekannt) und einer weiteren - uns derzeit noch unbekannten - Person laut Medien: „In jedem Gespräch sagt Sobotka, ,du hast selber versagt, du hast es nie abgedreht’. Das geht nicht. Man lebt in einem Rechtsstaat.“ Und: „Die ÖVP hat mir das zum persönlichen Vorwurf gemacht und gesagt ,du lässt deine Staatsanwälte gegen uns arbeiten’.“ 

Interessant hierbei ist auch, dass sowohl der Gas-Lobbyist als auch Frau P. Kontakte nach Russland unterhalten oder in der Vergangenheit unterhielten, wie Der Status recherchierte. So ist einerseits der Gas-Lobbyist logischerweise mit Russland in Handelsbeziehungen und andererseits Frau P. Mitglied einer russischen Freundschaftsgesellschaft. Abgesehen davon ist unklar, welche Verbindungen Pilnacek zu den beiden Herren im Lokal führten, bei denen er sich viel Frust von der Seele redete. Der Gas-Lobbyist soll in jedem Fall häufiger im Sommer beim Nobelitaliener in der Wiener Innenstadt verkehrt haben, wie Zeugen gegenüber dem Status schildern.

Nachtrag - Korrektur vom 24.11., 12.37 Uhr: Bei dem Mitglied einer russischen Freundschaftsgesellschaft dürfte es sich um eine andere, namensgleiche Person handeln und nicht um Sobotkas Mitarbeiterin Anna P.

Druck auf Sobotka wächst - FPÖ will Deepstate weiter aufdecken

Der Druck auf Sobotka und die ÖVP wächst. In einer heute eilig einberufenen Pressekonferenz versuchte die ÖVP um ein Weiteres die Pietäts-Karte auszuspielen, die sie bereits seit dem Tod Pilnaceks auch mit Hilfe ausgewählter Mainstream-Medien gezielt forciert. Eine wirkliche Erklärung blieb aus, doch Nehammer stehe jedenfalls hinter dem in der ÖVP mächtigen Sobotka, ließ dieser wissen. 

Für 15.30 hat die FPÖ eine Pressekonferenz zum Thema angekündigt. Parteichef Herbert Kickl gibt mit FPÖ-General Christian Hafenecker Aufschluss über weitere Hintergründe zum Fall Pilnacek mit Fokus auf den "schwarzen Filz". Aus der FPÖ heißt es: "Die Sache könnte ein Schlüssel dazu sein, den 'Tiefen Staat' der ÖVP noch weiter freizulegen." Wir bleiben dran!

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