Wenn sich ein Roboter bei einem Roboter um einen Job bewirbt
Bild: Unser Mitteleuropa & KI
Erst schreibt die KI die Stellenanzeige, dann die Bewerbung, danach sortiert sie die Kandidaten und verfasst am Ende sogar die Kundenbeschwerde. Was nach Satire klingt, ist der neue Kreislauf der schönen Scheinwelt.
Ein Beitrag aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa. Autor: Meinrad Müller
Nein, der folgende Beitrag ist keine Satire, genau so läuft es inzwischen ab. Es beginnt alles beim Chef.
Die Firma sucht einen neuen Angestellten; weil der Chef aber keine Zeit und keine Lust hat, schreibt er den Text für das Stellenangebot nicht selbst. Er füttert seine KI mit drei schnellen Wörtern. Die KI baut daraus einen ganz tollen Text. Der strotzt nur so von viel heißer Luft, von großer Leistung und toller Zukunft. Es ist eine Lüge aus dem Computer. Eine Maschine tut so, als wäre die Firma der beste Arbeitsplatz der Welt. Dieses Inserat wird veröffentlicht.
Auf der anderen Seite sitzt der Jobsucher: Er sieht das Stellenangebot im Internet. Statt das alles mühsam zu lesen, scannt er die Anzeige, gibt diese in die KI ein und gibt den Befehl: Schreibe eine noch tollere Bewerbung. Seine künstliche Intelligenz liest den Text ein. Sie sucht nach den wichtigsten Wörtern. Dann schreibt das Programm ganz von alleine die Bewerbung. Dieser Brief glänzt vor Begeisterung. Da steht dann, wie sehr sich der Mann genau auf diese Arbeit freut. Der Bewerber schickt den Brief ab. Er hat selbst kein einziges Wort selbst formuliert.
Das schöne Bild ist weg
Nun landen hunderte solcher Bewerbungen beim Chef. Der hat natürlich erst recht keine Zeit für diesen Berg aus Papier. Also nutzt er wieder eine KI, diese soll nun die Bewerber sortieren. Die KI des Chefs liest nun die Briefe, welche die KI des Bewerbers geschrieben hat. Weil die eine Maschine genau weiß, was die andere Maschine hören will, gibt das System sofort grünes Licht. Es zeigt eine perfekte Note an.
Es ist, als würden beide Seiten vor dem Treffen zu einem Maskenbildner gehen: Sie schminken sich ein perfektes, schönes Gesicht auf. Doch im echten Alltag kommt schnell der große Regen. Die ganze falsche Schminke läuft von den Wangen. Das schöne Bild ist weg. Beide stehen plötzlich im Unterhemd da und starren sich fassungslos an. Sie merken, dass alles nur Show war.
Wie ein schlechter Scherz
Das dicke Ende kommt aber erst beim Kunden: Der neu eingestellte Mitarbeiter hat in Wahrheit natürlich keine Ahnung von der Arbeit; sein ganzes Wissen wurde ja nur auf Grundlage entsprechender Prompts von der KI erfunden. Wenn er im Laden dann auf einen realen Kunden aus Fleisch und Blut trifft, wird dieser sofort merken, dass der Mitarbeiter nichts kann.
Die Folge: Er wird stinksauer und die Firma im Internet schlecht bewerten. Weil der Kunde aber faul ist, lässt er die Wut-Bewertung von einer KI schreiben. Und der Chef der Firma beauftragt wiederum eine KI-Agentur, die schlechte Bewertung zu löschen. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist im wirtschaftlichen Alltag längst die Realität.
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MEINRAD MÜLLER (71), Unternehmer im Ruhestand, kommentiert mit einem zwinkernden Auge Themen der Innen-, Wirtschafts- und Außenpolitik für diverse Blogs in Deutschland. Der gebürtige Bayer greift vor allem Themen auf, die in der Mainstreampresse nicht erwähnt werden.
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