Mini-Plus weit unter Inflationsrate

Nur 1,41% bei Lohnrunde: 'Sozialpartner' packeln, Hackler zahlen Zeche

Wirtschaft
Symbolbilder: Freepik (2); Komposition: Der Status.

Angesichts der angespannten Wirtschaftslage wurde die richtungsweißende Metaller-Lohnrunde mit Spannung erwartet. Doch statt der üblichen harten Verhandlungen gibt's im ersten Jahr des schwarz-roten Revivals eine Einigung binnen eines einzigen Tages - und das gleich für zwei Jahre. Der Abschluss fällt mit 1,41% (ab November) bzw. 1,9% deutlich unter der aktuellen Inflation (4,1%) und sogar noch deutlich unter der auf dem Durchschnitt der letzten 12 Monate basierenden, rollierenden Inflation (2,8%) aus. Damit wird einmal mehr bei arbeitenden Östereichern gespart...

Niedriger Abschluss zeigt Absurditäten auf

"Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!" - Diese altbekannte Phrase dürfe wohl so manchem Hackler nach der Packelei zwischen Wirtschaftsvertretern und Gewerkschaftern über die Lippen wandern. Noch im März tönte Gewerkschafts-Boss Reinhold Binder, der für die SPÖ auch im Parlament sitzt, groß: "Ein Abschluss unter der rollierenden Inflation ist nicht denkbar! Ein Teuerungsausgleich ist in Zeiten wie diesen trotzdem das Wichtigste und notwendig." Doch dann preschte zuletzt ÖVP-Kanzler Christian Stocker mit der Forderung vor, doch eher auf Lohnrunden von rund 2% an Gehaltsplus setzen zu wollen und rannte damit bei schwarzen Wirtschaftsbossen offene Türen ein.

Der Kompromiss zwischen diesen beiden Positionen? Man einigt sich nun beim Metaller-Kollektivvertrag auf eine Lohnrunde, die deutlich niedriger ausfällt, als beide Seiten je zuvor kommunizierten. Im November sollen die Ist-Gehälter im Schnitt lediglich um 1,41% steigen, die 2%-Schwelle erreicht man nur bei Mindestgehältern. Und für's nächste Jahr schnürte man bereits ein Paket, dass es auch dann nur 1,9% werden sollen - ganz egal, wie hoch die Inflation dann sein wird. Im August stieg die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat übrigens auf 4,1%, wobei alle Ausgabengruppen zum Anstiegen beitrugen und v.a. Dienstleistungen, Energie & Genussmittel fast um 5% teurer wurden. 

Rote Umfaller inszenieren sich als Helden

Auch bei anderen Standpunkten ist man in der neuen schwarz-roten Packelei offenbar situationselastisch, auch hier spielt Binder wieder eine interessante Rolle. Noch vor zwei Jahren prägte er den "Spruch des Jahres", als er anlässlich der KV-Verhandlungen der Metallindustrie sagte: "Mit die Einmalzahlungen können's scheißen gehen". Nun hat man offenbar volle Hosen. Und mit denen's ist bekanntlich gut stinken, also verzichteten die Gewerkschafter für die KV-Verhandlungen erstmals auf eine konkrete Forderung zum Gehaltsplus. Oder wie Binder den "sozialpartnerschaftlichen" Griff ins Klo formuliert: Es sei wichtig, gemeinsam "mit Vernunft und Sicherheit in die Zukunft zu schreiten."

Die noch zu roten Oppositionszeiten so verdammten Einmalzahlungen kommen nun übrigens etwa bei Lehrlingen (250 Euro). Weiters soll's für Beschäftigte in der Metallindustrie eine Einmalprämie von 500 Euro pro Jahr zur "Sicherung der Kaufkraft" geben. Bei der Steuer holt's sich's der Fiskus aus der anderen Tasche wieder. Aber bei den Roten ist man sich keiner Schuld bewusst. Im Gegenteil: Die Chefverhandler seitens der Gewerkschaften - neben Binder auch SPÖ-Gewerkschafter Mario Ferrari - behaupten sogar, angebliche Nulllohnrunden verhindern zu haben. Dabei stand die in Wahrheit offenbar gar nicht zur Debatte und die Industriellenvereinigung (IV) jubelt über den "guten Abschluss".

Eure Armut scheint sie anzukotzen

Die arbeitende Bevölkerung trifft solche Nummern gleich mehrfach hart. Durch das politische Versagen, das zu hohen Energiekosten, schlechter Auftragslage und der einzigen schrumpfenden Wirtschaft in der Eurozone führt, müssen sie um ihren Arbeitsplatz fürchten. Nun will man ihnen erzählen, sie sollen gefälligst dankbar sein, dass ihre Lohnrunde nur ein Drittel bis die Hälfte der aktuellen Inflation auffängt. Die vereinbarten Prämien sind zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig - aber oft für die Einordnung von Gehaltsanteilen in höhere Steuerklassen gerade genug. Im Geschäft zahlen sie die CO2-Steuer doppelt & dreifach und selbst für heimische Produkte mehr als im Ausland!

Die ÖVP-Wirtschaftskreise, die auch Normalarbeitszeit und Pensionsalter erhöhen wollen, setzten sich ohne Gegenwehr durch. In den Verhandlungen, aber auch mit dem Narrativ, dass angeblich die "hohen Lohnrunden" der vergangenen Jahre an allem Schuld seien. Dabei waren selbst diese teils massiv unter der zweistelligen Rekordinflation, die unser Land zeitweise heimsuchte. Wessen Gehalt sehr wohl auf Inflationsniveau angepasst wird: Etwa jenes der roten & schwarzen Landeskaiser. Und mutmaßlich auch das der Beamten, wo man ein Jahr im Voraus ein Lohnplus von 3,5% zusichert und sich nun schwertut, das Paket aufzuschnüren... 

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