Mehr Aufträge für Deutschlands Industrie: Ein Aufschwung, der keiner ist
Bild: Magnific
Die deutsche Industrie erholt sich und CDU-Kanzler Friedrich Merz hat endlich die Wende geschafft? Immerhin haben die Auftragseingänge der deutschen Industrie im Mai um 1,9 Prozent zugelegt. Doch die Meldung ist eine gefährliche Illusion, denn hinter den Zahlen stehen weder ein Wirtschaftsaufschwung noch mehr Wohlstand, sondern nur steuergeldfinanzierte Milliardenaufträge für die Aufrüstung.
Die deutsche Industrie ist weiter auf Talfahrt. Porsche will 4.000 weitere Mitarbeiter entlassen, bei VW kostet die Krise mehr als 100.000 Arbeitsplätze und mehrere Werke in Deutschland sollen geschlossen werden. Und die Pleitewelle rast weiter durchs Land. Matratzenhersteller, Baumärkte, Traditionsbrauereien, Weltmarktführer im Maschinenbau, sie alle geben auf - im ersten Halbjahr 2026 gab es in Deutschland ganze 12.900 Unternehmensinsolvenzen, ein Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Stand seit 2013. Und die Schadenssumme aus den Insolvenzen betrug ganze 28,5 Milliarden Euro, zudem waren rund 165.000 Arbeitsplätze betroffen.
Panzer statt Wohlstand
Dass nun die Auftragseingänge der Industrie zunehmen, laut dem Statistischem Bundesamt um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat, mag sich im ersten Moment wie ein Hoffnungsschimmer anhören, ist jedoch bei genauerem Hinsehen in weiteres Indiz für das Scheitern der Bundesregierung. Denn Destatis schreibt in der Auswertung: "Die positive Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe im Mai 2026 ist wesentlich auf den deutlichen Anstieg im Sonstigen Fahrzeugbau (Flugzeuge, Schiffe, Züge, Militärfahrzeuge) zurückzuführen. Hier lagen die Neuaufträge aufgrund mehrerer Großaufträge um 85,0 % höher als im Vormonat." Also verschaffen Panzer und militärisches Gerät der Statistik einen Aufschwung. Irgendwie kommt es einem bekannt vor, dass durch massive Aufrüstung ein Wirtschaftsaufschwung simuliert wird.
Alle Branchen anderen schwächeln
Etwas zulegen konnte zwar auch der Maschinenbau mit einem Plus von 3,7 Prozent und der Bereich Herstellung von elektrischen Ausrüstungen mit einem Plus von 5,7 Prozent, aber dies dürfte mit eben jenen militärischen Großaufträgen zu tun haben, die mit Steuergeld finanziert werden und kaum einen wirtschaftlichen Mehrwert bringen. So kam eine Studie bereits im vergangenen Jahr zu dem Ergebnis, dass auf jeden für Aufrüstung ausgegebenen Euro höchstens ein zusätzlicher wirtschaftlicher Nutzen von 50 Cent entfällt, der das BIP erhöht – möglicherweise geht der Effekt aber auch gegen Null. Würde man das Geld in die öffentliche Infrastruktur investieren, könnte hingegen mit einem Fiskalmultiplikator von 2 gerechnet werden, sprich mit bis zu 2 Euro zusätzlicher Wertschöpfung für die Volkswirtschaft. Beim Ausbau von Betreuungseinrichtungen, wie Kindergärten oder Schulen wäre sogar eine Verdreifachung jedes eingesetzten Euros möglich - Der Status berichtete.
Und in anderen Branchen war eine Verbesserung der Auftragslage nicht zu bemerken, im Gegenteil: Bei der Automobilindustrie sanken sie um weitere 3,8 Prozent, im Bereich der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen sogar um ganze 7,8 Prozent. Nachhaltig und im Sinne der Bürger ist der "Aufschwung" somit keineswegs.
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