Irre EU-Kühlvorschriften: Deutsche Bahn streicht Pommes aus Bordbistro
Symbolbilder: Magnific (2); ICE-Zug: Matti Blume, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Komposition: Der Status.
Es wird täglich verrückter in diesem zerbröselnden Land: Die deutsche Bahn opfert den Komfort den Kosten. Ab sofort gibt es keine Pommes mehr im ICE-Bordbistro. Die Frustration und Unzufriedenheit der Kunden über Verspätungen und Zugausfälle soll scheinbar noch weiter gesteigert werden...
Redaktionell bearbeiteter Beitrag aus unserer Kooperation mit JouWatch
Pommes fliegen mangels Kühlung raus
Der Grund ist absolut bizarr: Offiziell liegt es an der EU-F-Gase-Verordnung, die den Einsatz vieler Kältemittel in den Tiefkühlanlagen einschränkt. Weil die Kosten einer Umrüstung für den dysfunktionalen Staatskonzern wohl zu teuer sind, streicht man die Pommes Frites dauerhaft aus dem Sortiment; Currywurst und andere Speisen gibts ab sofort nur noch ohne Pommes Fries. Die beliebte Currywurst mit rund 600.000 verkauften Portionen pro Jahr wird ab sofort nur noch „nackt“ gereicht – oder mit Kartoffelecken (“Wedges“) für 5,90 Euro. Die Bahn schafft die Tiefkühlung weitgehend ab. Nach der Sommersaison folgt auch noch die Eiscreme.
Die Deutsche Bahn streicht die Pommes zur Currywurst aus dem Bordbistro, weil aufgrund der EU-F-Gase-Verordnung die für die Tiefkühlung notwendigen Kältemittel nicht mehr verwendet werden dürfen. Man kann sich das alles nicht mehr ausdenken. https://t.co/8OyZG4tofK
— Julian Reichelt (@jreichelt) June 20, 2026
Mangelverherrlichung par excellence
Das muss wohl dieser „Wohlstand des Weniger“ sein: Was vom Bahnmanagement allen Ernstes als pragmatische Anpassung an Klimaschutzvorgaben verkauft wird, ist in Wahrheit ein weiterer Tiefschlag für die Fahrgäste. Statt rechtzeitig in moderne, umweltfreundliche Kühltechnik zu investieren – möglich mit natürlichen Kältemitteln, wie es in Neufahrzeugen bereits geschieht –, wählt die DB den billigsten Ausweg: Weniger Auswahl, weniger Attraktivität – dafür der Glorienschein des Klimaverzichts für verärgerte Gäste.
Dass auch in der Bordgastronomie der Züge (sofern diese überhaupt fahren) immer weiter verknappte Angebot als „zuverlässiger und weniger komplex“ gepriesen wird, erinnert an bester Mangelverherrlichung, wie man sie früher nur aus der realsozialistischen DDR kannte, was im Westen dereinst in einer Mischung aus Belustigung und Mitgefühl mit den deutschen Brüdern wahrgenommen wurde.
Angebot immer weiter ausgedünnt
Tatsächlich bedeutet das für Reisende schlicht und einfach noch ein Grund weniger, das Bistro überhaupt aufzusuchen – zumal das Angebot auch bisher alles andere als ein kulinarisches Highlight geschweige denn Aushängeschild für DB war. Wie die “Frankfurter Allgemeine Zeitung“ schreibt, belegen Recherchen, dass an Bord nichts frisch zubereitet oder frittiert wird. Alles ist industriell vorgefertigtes Convenience-Food, das lediglich erhitzt wird. Die ehemaligen Pommes stammten aus der Tiefkühltruhe, speziell für die Mikrowelle optimiert. Für Currywurst mit Beilage zahlte man über 10 Euro – Preise, bei denen Discounter-Alternativen deutlich günstiger und oft besser sind.
Staatsnaher Betrieb hochsubventioniert
Die Bahn meldet stolz, die nun angebotene Alternative zu Pommes – die “Wedges” – verkauften sich „nahezu doppelt so gut“. Ein absoluter Hohn: Wenn die Alternative fehlt, greift man natürlich zu dem, was übrig bleibt. Die Sortimentsreduktion ist freilich Teil einer ganzen Serie von Rückschritten in der DB-Bordgastronomie: Schon 2025 verschwand das frisch gezapfte Bier zugunsten von Flaschenbieren. Es ist immer dasselbe Muster: Logistikprobleme und Kosten als Begründung, während echte Investitionen in Personal, Ausstattung oder Frische ausbleiben.
Für einen staatlich dominierten Konzern mit Milliardensubventionen ist das blamabel. Die Fahrgäste zahlen nicht nur hohe Ticketpreise, sondern sollen auch noch für ein immer ausgedünnteres Angebot drauflegen. Die Pommes waren für viele Bürger damit ein kleines Stück Alltagskomfort auf langen Strecken. Ihr Verschwinden ist symptomatisch für ein Management, das Regulierungen als Vorwand für weitere Einsparungen nutzt, statt sie als Anlass für echte Verbesserungen zu sehen.
Kunden über Mini-Speisekarte sauer
Im Netz ist die Reaktion entsprechend harsch: Viele unzufriedene Kunden sprechen von Bürokratie-Wahnsinn oder schlichter Kundenferne. Da braucht sich die Bahn und die Politik nicht zu wundern, wenn immer weniger Menschen Lust haben, Zug zu fahren oder an Bord das Bistro zu frequentieren. Die DB ist auch hier Abbild des ganzen Landes. (TPL)
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