Der 'Bonzen'-Eisberg reicht tief

Bis zu 102% mehr: So ungeniert sahnen WKO-Gagenkaiser ab

Wirtschaft
WKO-Schild: Janos Korom Dr., Flickr, CC BY-SA 2.0; Mahrer: Karl Gruber, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Geldkoffer: Freepik; Komposition: Der Status.

Die einhellige Aufregung über die fürstliche Gehaltserhöhung von 4,2% für rund 5.800 Mitarbeiter der Wirtschaftskammer, die bei allen Normalsterblichen auf "Mäßigung" bei den Lohnrunden pocht, war nur die Spitze des Eisberges. Denn nun stellt sich heraus, dass die Landesdirektoren und ihre Stellvertreter sich fast durch die Bank eine Erhöhung im zweistelligen Prozentbereich gönnten. WKO-Chef Harald Mahrer (ÖVP) steht wegen astronomisch hoher Mehrfachbezüge in der Kritik - und versucht sich in Beschwichtigung.

Fürstliche WKO-Spitzengehälter explodieren

1,41% Gehaltsplus für Beschäftigten in der Metallindustrie, die sich mit Schwerstarbeit wortwörtlich den Buckel krumm hackeln - und 4,2% für die proverbialen "Sesselfurzer" in der mit Zwangsbeiträgen finanzierten Wirtschaftskammer. Schon dieses Missverhältnis stieß zahlreichen Österreichern diverser politischer Lager auf. Doch nun stellte sich heraus: Die Situation ist noch himmelschreiender. Denn selbst die "normalen" WKO-Mitarbeiter werden im eigenen Haus übervorteilt, denn die Direktoren und Vize-Direktoren gönnten sich  in diesem Jahr teilweise utopisch hohe Erhöhungen ihrer ohnehin bereits fürstlichen Bezüge.

In Wien und Niederösterreich erreicht man die absoluten Spitzenwerte der Länderkammern. Dort verdient der Präsident nun 14.075,82 Euro (+21% bzw. +51%), der Vize 7.579,30 Euro (+62% bzw. +102%). Auch in Salzburg (10.394,99 Euro/+49%), Tirol (10.394,40 Euro/+49%), der Steiermark und im Burgenland (je 10.827,55 Euro/+55%) verdient der WKO-Boss künftig monatlich im fünfstelligen Bereich, in Oberösterreich (9.853,07 Euro/41%) schrammt man an dieser Marke. Am "billigsten" bleiben Kärnten und Vorarlberg mit je 6.976,50 Euro, was im ersteren Fall keine Erhöhung und im zweiteren Fall die "bescheidenste" Anhebung (+15%) bedeutet.

Mahrer verdient mehr als Bundespräsident

Beachtlich ist freilich auch das interne Gefälle: Die Vergütungen für den Vizeposten steigen zwar auch in den meisten anderen Bundesländern um bis 63%, befinden sich aber noch eher halbwegs "im Rahmen" - mit Gehältern zwischen 2.325,40 Euro (Vorarlberg, Kärnten) bis 4.926,54 Euro (Oberösterreich, Steiermark), während der Rest dazwischen liegt (Salzburg: 3.464,04 Euro; Tirol: 3.464,80 Euro; Burgenland: 3.789,65 Euro). Aber an der Spitze der "Gehaltshackordnung" steht natürlich die Bundes-Wirtschaftskammer rund um ÖVP-Multifunktionär Harald Mahrer, der allein für diese Tätigkeit stolze 15.158,60 Euro erhält.

Dieses Gehaltsplus um 21% bedeutet einen Anstieg um rund 2.600 Euro - also in etwa um das Mediangehalt eines unselbständig Angestellten in Österreich, der sich in "Mäßigung" üben soll, während die Inflation "davonrennt". Doch es wäre, wenn es seine einzige öffentliche Einkommensquelle wäre: Schließlich erhält er auch als Nationalbank-Präsident eine Gage von 88.000 Euro im Jahr und Geld für seine Tätigkeit als Wirtschaftsbund-Chef. Im Monat kommt er laut eigenen Angaben somit auf rund 28.500 Euro. Damit verdient er sogar mehr als der Bundespräsident, bei dessen Monatsbrutto von 26.701 Euro ohnehin viele Bürger schon den Kopf schütteln. 

Scharfe Kritik von FPÖ & Grünen

Während der Rechnungshof nun zumindest Mahrers Mehrfachbezüge aus Steuergeld prüfen will, wächst die Politik der politischen Mitbewerber. So kritisierte etwa FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz diese "exorbitanten Gehaltssprünge", deren Rückabwicklung er fordert: "Harald Mahrer ist der größte Gagenkaiser der WKO. [...] In manchen Bundesländern und Sparten wurden Gehältern beinahe verdoppelt. Hier erleben wir einmal mehr die klassische ÖVP-Politik: Den Menschen, die wenig haben, das Geld auch noch wegnehmen, aber sich selbst die Taschen vollstopfen.“

Für Schnedlitz ist Mahrer rücktrittsreif und die WKO-Zwangsmitgliedschaft zu beenden, denn: "Eine Standesvertretung, die sich mehr um die Gehälter ihrer Top-Funktionäre als um die Unterstützung ihrer Mitglieder kümmert, muss von Grund auf reformiert werden." Kritik kam zudem auch von der grünen Wirtschaftssprecherin Elisabeth Götze: "Spüren die sich eigentlich noch? [...] Wer Sparsamkeit bei allen anderen einfordert, von dem würde man erwarten, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Was Multi-Verdiener Mahrer und die WKO da machen, ist aber genau das Gegenteil und schadet dem ohnehin angekratzten Ruf der Kammer in der Öffentlichkeit."

Mahrers absurde Rechtfertigungen

Der ORF gibt sich indes "gewohnt neutral" - und erwähnt in jenem Artikel, in dem man Mahrer eine breite Bühne zur Rechtfertigung einräumt, ausschließlich die politische Kritik der Grünen, nicht aber jene der FPÖ. Dort darf sich der topverdienende schwarze WKO-Boss, Ex-Staatssekretär und Ex-Wirtschaftsminister, der zu Spitzenzeiten gar sieben Top-Posten nebeneinander ausübte, als Geläuterter präsentieren. Man habe "Fehler" gemacht, insbesondere im Bereich der Kommunikation und einer "falschen Einschätzung der Entwicklung". Er verstehe die Kritik ja ohnehin - und positioniert sich als guter Hirte, der möchte, das man sich an ihm statt an den Mitarbeitern abareite... 

Aber die astronomischen Erhöhungen verteidigt er trotzdem: Es habe ja über Jahre keinen Inflationsausgleich gegeben, und bei den Landeskammer-Chefs gäbe es eine "Systemumstellung", wo man ein "intransparentes System mit Zuschlägen" abgeschafft & erneuert hätte. Sprich: Die neuen WKO-Chefgehälter schauen nur deshalb so ordinär hoch aus, weil man Teile der bisher schon ordinär hohen Funktionärsgehälter gegenüber der Öffentlichkeit kreativ verschleierte. Wie man das der Supermarkt-Kassierin erklären will, die gemäß dem bisherigen Trend fürchten muss, womöglich weit unter der Inflation entschädigt zu werden, steht auf einem anderen Blatt. 

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