Abwärtsspirale geht immer weiter...

Auch Chemie am Boden: Deutsche Industrie ohne Zukunftsaussichten

Wirtschaft
Bild: Freepik

Die Stimmung in der deutschen Chemiebranche ist wirklich mies. So zeigt eine aktuelle Befragung, dass die meisten Chemieunternehmen die Geschäftssituation in Deutschland als schlecht einschätzen und für die Zukunft noch schlechtere Zeiten erwarten. Zugleich zeigt sich, dass Investitionen, Produktion und Arbeitsplätzen von Deutschland ins Ausland wandern.

Die Krise in der deutschen Industrie, sei es beim Automobilbau, deren Zuliefererindustrie, der Stahlindustrie oder auch der Chemieindustrie, setzt sich rasant fort. Eine Befragung des Münchner ifo-Institutes, zur Stimmung in der deutschen Chemieindustrie zeigt einen historischen Tiefpunkt. Beim monatlich erhobenen Barometer für das Geschäftsklima zeigt sich im März 2026, dass es von Minus 16,7 Punkten im Februar auf minus 25 Punkte weiter fiel - negative Zähler bedeuten, dass die Unternehmen die Lage als schlecht einschätzen.

Miese Erwartungen an Zukunft

Aber auch bei ihrer derzeitigen Geschäftssituation sind die Unternehmen der Chemiebranche deutlich pessimistischer als noch im Vormonat. Lag im Februar der Wert noch bei minus 21,2 Punkten, waren es im März bereits minus 31,9 Punkte. Und auch die Aussichten für die kommenden Monate verschlechterten sich spürbar: Der entsprechende Indikator fiel von minus 12,1 auf minus 17,9 Punkte. Gleichzeitig brachen die Beschäftigungserwartungen mit -32,1 Punkten auf ein historisches Tief ein.

Für ifo-Branchenexpertin Anna Wolf ist klar: "Die Folgen der Kriegshandlungen im Nahen Osten treffen die ohnehin angeschlagene Chemiebranche mit voller Wucht." Dabei war aber schon vor dem Iran-Krieg die Industrie am Boden. 

Kosten für Energie und CO2-Abgabe

Denn die deutsche Chemieindustrie ist seit geraumer Zeit kaum mehr wettbewerbsfähig, was sich laut ifo-Institut in einem "ausgeprägtem Auftragsmangel" widerspiegelt. Dieses ist vor allem den immer weiter gestiegenen Kosten für Rohöl, Rohstoffe und Energie zu verdanken. Denn allein die weltweit nahezu einmalige CO2-Steuer und der europäische Handel mit Emissionszertifikaten sorgen dafür, dass der Kostendruck immer weiter steigt und man gegenüber den Industrien anderer Länder ins Hintertreffen gerät.

"Die Unternehmen können die schwierigen Rahmenbedingungen kaum beeinflussen; ihnen bleibt daher nur der Abbau von Arbeitsplätzen als Handlungsspielraum", sagt Wolf. Und diese Entwicklung war seit geraumer Zeit absehbar, setzt sich aber immer rasanter fort. Bereits im 2. Quartal 2023 brach der Betriebsgewinn des deutschen Chemiekonzerns BASF um 76 Prozent ein - Der Status berichtete.

Werksschließungen und Abwanderung

Bereits 2024 war dann klar, am BASF-Stammsitz Ludwigshafen werden elf Fabriken und 14 Teilanlagen, weil sie aufgrund der hohen Energiepreise, vor allem für Erdgas, in Deutschland nicht mehr wettbewerbsfähig sind, geschlossen. Der Leiter des Ludwighafener BASF-Werks Uwe Liebelt rechnete bei seiner Rede beim MRN-Wirtschaftsforum mit der Wirtschaftspolitik der letzten Jahre ab: "Die Rahmenbedingungen werden kontinuierlich schlechter. Der Standort Deutschland wird zunehmend unattraktiv" - Der Status berichtete.

Und die Werke wandern ins Ausland ab, allein China und die USA werben um Unternehmen mit günstigen Energiepreisen und Subventionen, wie Der Status ebenfalls bereits 2023 berichtete. So eröffnete die BASF Ende März ein neues, vier Quadratkilometer großes Chemiewerk in Zhanjiang in China - Kostenpunkt 8,7 Milliarden Euro Investitionen. Und für die Region in China bedeutet es rund 2.000 neue Arbeitsplätze, während in Deutschland die Deindustialisierung voranschreitet und tausende Arbeitsplätze wegfallen.

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