Strategie des US-Imperialismus: Im Selbstzerstörungsmodus
Symbolbild: KI-generiert (ChatGPT)
Der gegenwärtige Imperialismus erscheint weniger als strategisches Projekt denn als Selbstzerstörungsprozess. Was sich im Irak, Iran und darüber hinaus zeigt, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das seine Widersprüche nicht mehr kontrollieren kann.
Ein redaktionell bearbeiteter Beitrag aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa
Die Strategie des Imperialismus unserer Tage scheint der Selbstzerstörungsmodus zu sein. Als augenscheinliches Beispiel wäre da ganz aktuell der Irak-Krieg zu nennen, der wohl historisch betrachtet kaum als Fehler der US-Politik gesehen werden kann und wird.
Materielle Analyse des Imperialismus
Auch wenn man dem viel zitierten Pathos nicht viel abgewinnen kann, muss man erkennen, was augenblicklich im Weltgeschehen und dem Irak-Krieg im Speziellen vor sich geht. Selbiger ist kein Fehler, sondern vielmehr das logische Ergebnis der US-Politik, wie sie sich seit Jahrzehnten präsentiert.
Analysiert man den Imperialismus der Gegenwart nicht auf moralischer sondern vielmehr auf materieller Ebenen, muss man erkennen, dass dieses System an einem Punkt angelangt ist, an dem es nur noch zwischen Rückzug und Eskalation wählen kann. Washington hat sich, wenig überraschend, eben für Eskalation entschieden. Der Angriff auf den Iran ist kein Zeichen von Stärke, sondern vielmehr von Verzweiflung.
Die USA versuchen einmal mehr, ihren relativen Niedergang aufzuhalten, wie üblich mit Gewalt. Das Problem dabei scheint jedoch zu sein, dass Gewalt keine ökonomische Basis ersetzen kann, auch wenn dadurch die Rüstungsindustrie kurzfristig boomt.
Bereits Lenin hatte das vor über 100 Jahren auf den Punkt gebracht, Imperialismus ist das Stadium, in dem die ökonomischen Widersprüche nach außen exportiert werden. Aktuell sieht man offenbar die Endphase dieses Prozesses. Der Nahe Osten ist dabei vom Nebenschauplatz ins Zentrum gerückt.
Energie, Transportwege, Kontrolle über strategische Knotenpunkte, ist kein Geopolitik-Spiel mehr, sondern nackte Klassenpolitik im Weltmaßstab. Wer momentan die Straße von Hormus kontrolliert, kontrolliert Preise, Industrien, ganze Volkswirtschaften. Offenbar genau deshalb wird ebendort gezündelt.
Das System brennt
Diesmal brennt allerdings nicht nur die Peripherie, sondern vielmehr das System selbst.
China reagiert darauf freilich nicht aus moralischer Empörung, sondern aus ökonomischem Kalkül. Wenn das größte Gasfeld der Welt angegriffen wird, wenn Handelsrouten destabilisiert werden, dann ist das lange kein Konflikt mehr, sondern ein direkter Angriff auf die globale Reproduktion des Kapitals.
Peking sieht das fraglos klar, hier wird nicht nur Krieg geführt, hier wird die Weltwirtschaft geopfert, um eine bröckelnde Hegemonie zu retten. Russland hat offenbar eine andere, aber ergänzende Lektion daraus mitgenommen, US-Diplomatie ist nicht mehr Mittel zur Stabilisierung, sondern Teil der Kriegsführung. Verhandlungen werden in dieser Strategie, wie auch schon im Ukraine-Konflikt, zur taktischen Orientierungspause, nicht jedoch zur Lösungsfindung eingesetzt. Wer dies einmal erkannt hat, verhandelt demzufolge anders, oder eben gar nicht mehr. Das Ergebnis davon ist genau das Gegenteil dessen, was Washington wollte. Statt Russland von China zu trennen, schweißt der US-Imperialismus beide noch enger zusammen. Nicht aus Sympathie heraus, sondern vielmehr aus einer Notwendigkeit.
USA als unberechenbare Supermacht
Der gemeinsame Nenner ist simpel, der Schutz vor einem System, das unberechenbar geworden ist. Eine Supermacht, die bereit ist, die Weltwirtschaft massiv zu beschädigen, um ihre eigene Position zu retten, ist kein Partner mehr, sie wird zum Risiko. Europa sitzt genau dazwischen wie ein abhängiger Zulieferer, der plötzlich erkennt, dass die Lieferketten politisch sind. Die Energieunabhängigkeit entpuppt sich somit einmal mehr als teure Illusion. Deindustrialisierung ist erneut kein Schlagwort mehr, sondern bittere Realität.
Fabriken schließen nicht wegen Strukturwandels, sondern weil Energiepreise durch die Decke gehen. Die bittere Pointe dabei, dieselben Eliten, die jahrelang jede Annäherung an Russland verteufelt hatten, beginnen plötzlich umzudenken. Nicht etwa aus Einsicht, sondern vielmehr aus Zwang. Der Markt diktiert, was Ideologie vorher verboten hatte.
Der Kern der Sache ist somit, dass der Imperialismus seine eigenen Widersprüche nicht zu lösen im Stande ist. Er kann diese nur verschieben, verschärfen oder, wie eben augenblicklich militärisch entladen. Jeder dieser Schritte beschleunigt jedoch den Verfall.
Betrachtet man die Geschichte also näher, wird ein Muster klar erkennbar. Systeme gehen nicht unter, weil sie zu schwach sind, sie gehen unter, weil sie ihre Macht nicht mehr rational einzusetzen in der Lage sind und damit beginnen ihre eigene Grundlage zu zerstören. Eben genau das passiert momentan, er Iran-Krieg ist kein isoliertes Ereignis, er ist vielmehr ein Symptom. Ein Symptom dafür, dass das amerikanische Jahrhundert historisch gesehen nicht einfach zu Ende geht, es implodiert. Und diese Implosion zieht die Weltwirtschaft, die Bündnisse und ganze Regionen mit in den Abgrund.
Die entscheidende Frage ist also nicht, ob die USA verlieren, die entscheidende Frage ist vielmehr, wie viel wird noch mitgerissen, bevor es soweit ist? Wer heute noch von Stabilität unter US-Führung spricht, hat entweder nichts verstanden oder aber ein massives Interesse daran, diesen Status quo zu erhalten.
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