NATO-Bündnisfall möglich

Russische Drohnen in Polen: Eskalationsmaschinerie läuft an

Welt
Bild: National Police of Ukraine, Abgeschossene Shahed-Drohne in der Ukraine 2024, Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Russische Shahed-Drohnen dringen in polnischen Luftraum ein, Polen beantragt Beratungen nach NATO-Artikel 4. Doch vieles deutet darauf hin, dass kein Angriff beabsichtigt war. Eine Eskalation dürfte gefährlich und überzogen sein.

Russische Drohnen in polnischem Luftraum

In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch sind laut Angaben der polnischen Regierung 19 russische Drohnen iranischer Bauart, sogenannte Shahed-Drohnen ("Märtyrer-Drohnen") in den polnischen Luftraum eingedrungen. Sie waren Teil einer größeren Offensive in der Ukraine, es ist zurzeit unklar, ob sie gezielt nach Polen gesteuert worden sind oder ob dies ein Versehen war. Zeitweise wurden Flughäfen im östlichen Teil Polens geschlossen, mittlerweile wurde die Sperrung aufgehoben. Der polnische Premierminister Donald Tusk beantragt nun ein Verfahren nach Artikel 4 des NATO-Vertrags, was den Bündnisfall auslösen würde. Verletzt wurde niemand.

Wahrscheinlich keine absichtliche Provokation

Anstatt zu versuchen, diese Krise diplomatisch zu lösen, wird auf Eskalationskurs gegangen. Höchst fahrlässig, denn: Die meisten der Drohnen waren aus Belarus nach Polen geflogen, und auch Belarus selbst ließ verlautbaren, Drohnen abgeschossen zu haben. Die Regierung in Minks verkündete, dass Stör- oder Abfangmanöver der Ukraine und Russlands dafür gesorgt hätten, dass die Drohnen von ihrer Flugbahn abgekommen seien. Dies würde bedeuten, dass nie ein Angriff auf Polen beabsichtigt war. Betroffen war die Gegend um Włodawa, ein Ort im Dreiländereck von Polen, Belarus und der Ukraine, voller Seen und Sümpfe, von dichten Wäldern durchzogen. Die Grenzen dort liegen dicht beieinander, teils befindet sich ein nur ca. 4 km schmaler Streifen von Belarus zwischen Polen und der Ukraine. Diese Woche beginnen auch die alle zwei Jahre stattfindenden russisch-belarusischen Militärübungen "Sapad". Es ist also die wahrscheinlichste Erklärung, dass die Drohnen aufgrund von Gegenattacken oder Wind abgedriftet sind.

Wer bewahrt einen kühlen Kopf?

Zwar sind dies die ersten über NATO-Gebiet abgeschossenen Drohnen, sich aber deswegen für einen NATO-Bündnisfall stark zu machen ist eine gefährliche Geste Polens. Hier wird ein großer Krieg riskiert. Wie zu erwarten rüsten die Mainstream-Medien rhetorisch auf und lassen "Geopolitik-Experten" davon sprechen, dass Russland die Verteidigungsbereitschaft der NATO durch gezielte Provokationen testen wolle. Auch Kaja Kallas, estnische EU-Außenbeauftragte sowie Vizepräsidentin der Europäischen Kommission unter Ursula von der Leyen, bekannt für ihre rabiat antirussische Einstellung, spricht davon, dass Russland eskalieren wolle.

"Letzte Nacht sahen wir in Polen die schwerste Verletzung des europäischen Luftraums durch Russland seit Beginn des Krieges, und Hinweise deuten darauf hin, dass es beabsichtigt, nicht versehentlich war. Ich bin in Kontakt mit @SecGenNATO und @radeksikorski. Die EU steht in voller Solidarität mit Polen."

Man erinnere sich, dass bereits 2022 eine fehlgeleitete ukrainische Rakete in Polen eingeschlagen und zwei Menschen getötet hatte. Es bleibt zu hoffen, dass die Beteiligten zu einer friedlichen Übereinkunft finden können.

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