Energiesicherheit noch gewährleistet?

Qatar Energy: Wichtigster Gaslieferant weltweit stoppt Produktion ab sofort

Welt
Bild: Matthew Smith,Ras Laffan LNG terminal in 2012, CC BY 2.0

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach militärischen Angriffen und Gegenschlägen steht nun auch die globale Energieversorgung unter massivem Druck: Der wichtigste LNG-Produzent der Welt hat seine Produktion eingestellt.

Ein redaktionell bearbeiteter Beitrag aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa

Offenbar ist nunmehr in der ohnehin mehr als angespannten Situation im Nahen Osten ein neues, allerdings befürchtetes Horror-Szenario hinzugekommen.

Bisher lag in erster Linie ein Transportproblem aufgrund der Blockade der Straße von Hormus. Mit dem kompletten Produktionsstopp des wichtigsten Gaslieferanten der Welt per 3. März hat die Angelegenheit einen neuen, dramatischen Höhepunkt erreicht.

Eskalation in Sachen Energielieferung

Aktuell berichtet das Handelsblatt, dass Qatar Energy, der weltweit größte LNG-Konzern, nun seine Produktion vollständig eingestellt hat. Grund dafür sei die massive militärische Eskalation, durch den US-amerikanischen und israelischen Angriff auf den Iran, sowie dessen Vergeltungsschläge in der Region. Die Sicherheit der Förderanlagen wie auch der Mitarbeiter kann nicht mehr gewährleistet werden.

Damit fällt in diesem Moment die wichtigste Säule der globalen Versorgung mit Flüssiggas (LNG) schlagartig weg. Europa hängt nunmehr, dank Russland-Sanktionen, endgültig in den Seilen. Europa ist nun gänzlich von US-LNG-Gas abhängig, das ist bekanntlich bei Weitem das teuerste weltweit.

Die unmittelbaren Auswirkungen für uns sind unter anderem auch, dass die EU-Drehkreuze, wie Niederlande und Belgien als Puffer ausfallen. Die Niederlande und Belgien sind bekanntlich die wichtigsten Import-Tore und Transitländer für die deutsche wie auch die mitteleuropäische Gasversorgung.

In Belgien ist das Terminal in Zeebrugge einer der absoluten Hauptumschlagplätze für katarisches Gas. Ohne diese Schiffe fällt der wichtigste Versorgungsanker für Nordwesteuropa de facto aus.

Die Niederlande verzeichnen ohnehin bereits kritisch niedrige Speicherstände von nur noch 10%. Wenn über die holländischen Terminals kein LNG mehr angelandet wird, bleibt freilich auch der Transit in die deutschen Netze aus. Die deutschen Speicher sind bekanntlich ebenfalls bereits auf einem historischen Tiefstand. Die Niederlande stehen somit nun vor einer riesigen Herausforderung.

Verteilungskampf auf EU-Binnenmarkt vorhersehbar

Innerhalb der Europäischen Union droht nun also ein beispielloser Verteilungskampf um die verbleibenden, drastisch verknappten Gasmengen auf dem Weltmarkt. Die viel beschworenen europäischen Solidaritätsmechanismen werden somit wohl auf die historisch härteste Probe bislang gestellt sein. Die Großhandelspreise an den europäischen Energiebörsen (TTF) reagieren bereits mit extremen Preissprüngen von 40% nach oben.

Die Abhängigkeit Europas von instabilen Regionen zeigt in diesen Stunden also ihre volle Verwundbarkeit. Die Situation auf den Energiemärkten ist ab sofort hochgradig volatil. Die Warnstufen für die kritische Infrastruktur in Deutschland dürften in Kürze verschärft werden.

Die Lage erfordert höchste Wachsamkeit, sowohl für die Industrie als auch für die private Krisenvorsorge.


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