Nadelöhr im Golfkrieg: Ist es Wasser, nicht Öl?
Bild: Starsend, Modern Water's containerised forward osmosis desalination plant, located at Al Khaluf in Oman, CC BY-SA 3.0
Ein neuer Konflikt im Golf droht eine kaum beachtete, aber existenzielle Front zu eröffnen: die Wasserversorgung. Während Öl im Fokus steht, geraten Entsalzungsanlagen als kritische Infrastruktur ins Visier. Mit potenziell verheerenden Folgen.
Ein redaktionell bearbeiteter Beitrag aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa
Die USA überquert offenbar den Rubikon im Konflikt am Golf. Es beginnt sich abzuzeichnen, dass Wasser, nicht Öl, der wahre Preis aber auch der tatsächliche Fluch dieses gesteuerten Konfliktes geworden ist.
Entsalzungsanlagen als Lebensader gefährdet
Hunderte Entsalzungsanlagen säumen die Küste des Persischen Golfs und sind damit für Millionen von Menschen ein essentieller Überlebensfaktor. Die Gefahr des eskalierenden Krieges im Iran birgt nunmehr auch eine massive Gefahr für die Wasserversorgung der gesamten Region mit sich.
Unter anderem hatte ein US-Angriff auf eine Entsalzungsanlage auf der Qeshm-Insel im Iran die Wasserversorgung für 30 Dörfer vernichtet, ein gefährlicher Präzedenzfall. Fast 44 % der weltweiten Entsalzungskapazität konzentrieren sich auf nachstehende sechs Staaten des Golf-Kooperationsrats (GCC). Ohne diese Anlagen können diverse Großstädte nicht überleben.
In Kuwait liefert die Entsalzung etwa 90 Prozent des Trinkwassers. In Bahrain sind es ebenfalls etwa 90 Prozent, im Oman etwa 86 Prozent, in Saudi-Arabien zirka 70 Prozent und in den Vereinigten Arabische Emirate sind es rund 40 Prozent. Ein bereits 2008 von WikiLeaks veröffentlichter Beitrag warnte, dass eine einzelne Entsalzungsanlage über 90 Prozent des Wassers in Riad liefert und dass die Stadt innerhalb einer Woche evakuiert werden müsste, falls diese Wasserversorgung zerstört werden würde.
Rote Linien und humanitäre Katastrophen
Sobald eine Seite die Wasserinfrastruktur zerstören sollte, würde damit eine rote Linie überschritten, warnte Kaveh Madani, der Direktor der UN-Universität für Wasser, Umwelt und Gesundheit. Angriffe auf Entsalzungsanlagen können genauso gefährlich sein wie Angriffe auf Brennstoffsysteme, Ölraffinerien oder Kernkraftanlagen, warnten dazu diverse Experten.
Die Bedrohung geht weit über direkte militärische Maßnahmen hinaus, berichtete auch das Magazin Foreign Policy, „ein Schnitt von Strom, Treibstoff, Transport, Kommunikation oder Chemikalien könnte bedeuten, dass sauberes Wasser austrocknet, ohne dass ein einziges Kraftwerk bombardiert werden müsste“.
Kriegsbedingte Sabotage, Cyberangriffe, aber auch Verunreinigungen könnten die Wasserinfrastruktur massiv schädigen. Wassersysteme würden im gesamten Netz zusammenbrechen, nicht nur an isolierten Orten. Pumpen würden versagen, die Chlorierung würde unregelmäßig funktionieren, daher die Abwasserbehandlung verschlechtert oder gar unmöglich werden.
Apokalypse im Golf?
Auch Krankenhäuser würden eine zuverlässige sterile Wasserversorgung verlieren. Menschen müssten beginnen, unhygienisches Wasser auf unsichere Weise zu speichern. Eine massive humanitäre Krise würde die zwangsläufige Folge davon sein.
Die US-Angriffe auf iranische Entsalzungsanlagen werden das Land allerdings nicht in die Knie zwingen können. Der Iran verfügt über etwa 75 Entsalzungsanlagen, diese liefern nur jedoch nur 3 Prozent des gesamten Trinkwasserbedarfs des Landes, der Großteil des Wasserbedarf des Landes stammt aus Flüssen, Staudämmen und unzähligen tiefen Brunnen. Statt eines erhofften iranischen Zusammenbruchs könnten die USA und Israel bald einen verwüsteten Persischen Golf erleben, falls der Krieg das fragile Wassersystem der Region stören oder zerstören sollte.
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