Ein 'Who's Next' der Interventionspolitik

Handelskrieg mit China: Planen die USA bald Angriff auf Kolumbien?

Welt
Hintergrund: Freepik (2); Trump: Gage Skidmore, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; Petro: Departamento Nacional de Planeación, Flickr, CC BY 2.0; Kompositon: Der Status.

Präsident Trump hat nach dem Militärschlag gegen Venezuela vom 3. Jänner bereits einen möglichen weiteren Kandidaten für eine militärische Intervention der USA genannt, nämlich Kolumbien. Es lohnt ein Blick in die Handelsbilanzen dieser Staaten, um die Hintergründe zu erklären, wieso ein Angriff auch auf Kolumbien - gerade im Wettstreit mit China & Co. - im Interesse der US-Regierung und ihrem Streben nach unhinterfragter Vorherrschaft in der "westlichen Hemisphäre" sein könnte.

Gastbeitrag von Dr. Dr. Heinz-Dietmar Schimanko

Venezuela: Scherben der Misswirtschaft

Venezuela erstreckt sich über eine Fläche von 912.050 km² in Südamerika. Der Staat hatte im Jahr 2021 eine Bevölkerung von ca. 28,4 Millionen Einwohnern. Der Politologe Einar H. Dyvik schreibt: "Venezuela, einst eines der reichsten Länder Südamerikas, erlebt derzeit eine der schwersten sozioökonomischen Krisen der westlichen Hemisphäre. Die wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen Venezuelas sind eng miteinander verflochten. Das Land rangiert aufgrund anhaltender Hyperinflation, Arbeitslosigkeit und Mangel an lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen regelmäßig ganz oben auf dem globalen Misery Index. Darüber hinaus gehörte Venezuela auch 2023 zu den 20 Ländern mit der höchsten Mordrate pro Kopf."

Demgegenüber stehe sein Rohstoffreichtum: "Venezuela verfügt über die weltweit größten Rohölreserven, doch die Produktion ist dramatisch zurückgegangen: Von 2,86 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2015 auf 850.000 im Jahr 2023. Ölexporte sind nach wie vor der Grundpfeiler der venezolanischen Wirtschaft, doch operative Ineffizienzen, Misswirtschaft und internationale Sanktionen haben die Produktion eingeschränkt." Demnach haben die Chavinisten Venezuela heruntergewirtschaftet: Real existierender Marxismus in Reinform. Da kann die US-Regierung also quasi gleich Entwicklungshilfe leisten. 

Importe: China auf der Überholspur

Die Handelsbilanz des Landes war 2024 ausgewogen und wegen der Erdölexporte mit 0,2 Mrd. US-DOllar leicht positiv. Die wichtigsten Importpartner Venezuelas sind folgende: 

  • China - 35%
  • Vereinigte Staaten - 24%
  • Brasilien - 12%
  • Kolumbien - 7%
  • Türkei - 4%

Quelle: statista.com

Bei den wichtigsten Exportpartnern Venezuelas ergibt sich ein anderes Bild: 

  • Vereinigte Staaten - 50%
  • China - 10%
  • Spanien - 9%
  • Brasilien - 6%
  • Türkei - 5%

Quelle: statista.com

Es erfolgen derzeit also 5 % der Exporte Venezuelas in die USA, aber nur 24% der Importe Venezuelas stammen aus den USA. Unternehmen Venezuelas kaufen also Waren aus den USA im Umfang von weniger als 50% von dem, was sie an Waren in die USA verkaufen. Bereits 35% der von Venezuela importierten Waren stammen aus China. Venezuela wird damit zusehends zum chinesischen Absatzmarkt.

Ähnliche Außenhandelslage in Kolumbien

Kolumbien erstreckt sich über eine Fläche von 1.138.910 km² in Südamerika. Der Staat hatte im Jahr 2024 eine Bevölkerung von ca. 52,7 Millionen Einwohnern. Kolumbien ist die viertgrößte Volkswirtschaft in Südamerika. Die Handelsbilanz ist negativ, im Jahr 2024 in der Größenordnung von ungefähr 14,54 Mrd US-Dollar. Die wichtigsten Importpartner Kolumbiens sind folgende: 

  • Vereinigte Staaten - 26%
  • China - 22%
  • Brasilien - 6%
  • Mexiko - 5%
  • Deutschland - 4%

Quelle: statista.com

Wie bei Venezuela - aber in noch deutlicherem Ausmaß - ergibt sich bei den wichtigsten Exportpartnern Kolumbiens ein anderes Bild: 

  • Vereinigte Staaten  27%
  • Panama - 9%
  • Indien - 5%
  • China - 5%
  • Niederlande - 4%

Quelle: statista.com

Kolumbiens Unternehmen exportieren also hauptsächlich in die USA, importieren aber immer mehr Waren aus China. Die Handelsbilanz zwischen Kolumbien und den USA ist halbwegs ausgeglichen mit einem Handelsbilanzdefizit Kolumbiens im Jahr 2024 von USD 1,7 Mrd. Gegenüber China hat Kolumbien ein Handelsbilanzdefizit, das im Jahr 2024 USD 13,6 Mrd. betrug (cf. Daniel Workman, Colombia’s Top Trading Partners, World's Top Exports). 

Chinas Strategie: Vasallentum über Schulden?

Wie der bekannte Historiker Niall Ferguson konstatiert, der u.a. als Spezialist für globale Wirtschafts- & Finanzgeschichte sowie für die Rothschild-Familiengeschichte gilt, besteht bei Projekten, die China in einzelnen Staaten durchführt, eine Systematik: Nämlich dem betreffenden Staat großzügige Fristen einzuräumen für die Bezahlung oder die Durchführung von Gegengeschäften, und sich damit eine mit der chinesischen Außenpolitik konforme Haltung des betreffenden Staats zu erkaufen. Es könnte auch beim Handel die Strategie Chinas sein, sich so bei ihm verschuldete Staaten gefügig zu machen. 

Letztlich bestehe der "kalte Krieg" zwischen den USA und China auch im Kampf um Märkte (cf. Passagen ab 29:25 and 49:00):

Drogenhandel als Argumentationshilfe

Einen Anlassfall zu einem allfälligen militärischen Eingreifen der USA in Kolumbien finden diese wiederum laut Dyvik in umfangreichen kriminellen Aktivitäten, die auch zum Nachteil der US-Bevölkerung erfolgen: "Kolumbien hat weiterhin mit den Folgen seiner Rolle im globalen Drogenhandel zu kämpfen. Obwohl der Kokaanbau in einigen Regionen aufgrund von Friedensabkommen und Vernichtungsprogrammen zurückgegangen ist, bleibt das Land der weltweit größte Kokainproduzent. Die Drogenhandelsorganisationen haben sich an diese Veränderungen angepasst, und die Fläche, die für den illegalen Koka-Anbau genutzt wird, ist von Jahr zu Jahr gestiegen."

Wenn die US-Regierung eine militärische Aktion in Kolumbien durchführt und dann auch die dortige Regierung kontrolliert, kann sie das primär mit dem Kampf gegen die dortige Produktion von Rauschgift und den von dort ausgehenden Handel von Rauschgift in die USA begründen, wenn sie diesen Kampf dabei auch wirklich führt. Soweit ist sie gerechtfertigt. Eine aufschlussreiche Einordnung der möglichen Kategorisierung des kolumbianischen Präsidenten Petro als Drogenkriminellen lieferte der erfahrene US-Politkommentator Bill O'Reilly unlängst in einem "NewsNation"-Interview.

Die fraglichen Passagen finden sich ab ca. 3:35min sowie ab ca. 7:03min:

Erdöl-Wettstreit mit "Gegnern der USA"

Die Zurückdrängung der Chinesen aus den dortigen Märkten zu Gunsten von US-Anbietern lässt sich bei dieser Gelegenheit dann auch gleich bewerkstelligen. Und die von der US-Regierung in Lateinamerika (mit)verfolgten wirtschaftlichen Interessen werden seitens der US-Regierung nicht sonderlich kaschiert. So hat US-Außenminister Marco Rubio zu Venezuela bereits klar gesagt, daß die US-Regierung die venezolanischen Erdölquellen nicht den "Gegnern der USA" überlassen werden, und dabei klar China, Russland und den Iran genannt.

Hier im NBC-Interview mit Rubio ist die maßgebliche Passage ab 10:44min zu sehen:

So hat Rubio auch (bezogen auf Europa) von "unfairen chinesischen Handelspraktiken" gesprochen und von der Gefahr einer Überflutung mit billigen chinesischen Waren, wodurch die industrielle Basis gefährdet werde. Und Rubio warnte auch eindringlich: "Don't play games with president Trump!" - Spielt keine Spielchen mit Präsident Trump. 

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