Sind das rote 'soziale Standards'?

Jobinserat für 1.060 Euro: Billiglohn-Skandal um Doskozils teure Pflege-Filipinos?

Soziales
Pflegerin: Magnific; Geldhand: KI-generiert: Grok; Doskozil: Arne Müseler / arne-mueseler.com]arne-mueseler.com, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 DE; Komposition: Der Status.

Das Manila-Millionendesaster rund um die Anwerbung von 50 philippinischen Pflegekräfte für das Burgenland droht, sich zum handfesten politischen Skandal auszuweiten. Denn während der Steuerzahler dafür mit fast 2 Mio. Euro zur Kasse gebeten wurde, weisen erste Indizien auf den Verdacht hin, dass die eingeflogenen Gastarbeiter womöglich zu einem Hungerlohn unter der Armutsgrenze schuften müssen. Erhärtet sich der Verdacht, wäre es gerade für ein SPÖ-regiertes Land eine Image-Katastrophe der Sonderklasse.

Teures Projekt, billige Gastarbeiter?

Von der Ankunft der Filipino-Pfleger über deren Praxistag bis hin zur Jubelmeldung über ihre letztliche Beschäftigung im burgenländischen Pflegealltag ließ Hans-Peter Doskozil (SPÖ) sein Prestigeprojekt propagandistisch begleiten. Für kritische mediale Betrachtung blieb keine Zeit und so brauchte es eine FPÖ-Anfrage an die "Sozialen Dienste Burgenland", damit herauskam, dass es sich beim "Manila-Experiment" um einen für den Steuerzahler teuren Spaß handelte: Knapp 1,8 Mio. Euro kostete das Projekt die Allgemeinheit. Bei Detailfragen versteckte man sich aber hinter "sensiblen Geschäftsdaten" und Vergleichszahlen zu Ausbildungskosten heimischer Fachkräfte hat man keine auf Lager.

Der Status berichtete unlängst ausführlich über diesen Schiefstand, wobei auch Fragen rund um die Anwerbe-Modalitäten auftauchten. So wurde die ganze Nummer über die "LRC Manpower Services Internationale", eine philippinische Arbeitsvermittlungsagentur, abgewickelt. Und dort wird es nun spannend: Denn auf dem Portal "workabroad.ph" finden sich nun genau solche LRC-Jobanzeigen für (Kranken-) Pfleger in Bad Tatzmannsdorf zur Beschäftigung bei den "Sozialen Diensten Burgenland". Sowohl eine Annonce aus dem Jänner 2024 als auch ein aktuell im Juni 2026 laufendes Jobinserat weisen dabei als veranschlagtes Gehalt schlappe 1.060 Euro aus.

Filipino-Pfleger zum Lehrlingspreis?

Um diesen Lohn sollen sie anspruchsvolle Tätigkeiten ausüben: Lückenlose Krankenakten unterhalten, Arzneien sachkundig verabreichen und allfällige Nebenwirkungen überwachen, unterstützende Pflegehilfen verschreiben, Gesundheitsdaten aufnehmen, Symptome und Veränderungen des Patientenzustands dokumentieren. Erwartet wird eine zweijährige einschlägige Berufserfahrung, deutsche Sprachkenntnisse auf B2-Niveau sowie die positive Ablegung der philippinischen Krankenpflegerprüfung. Das Hauptproblem: Sollte es sich bei diesem Angebot tatsächlich um einen Vollzeit-Lohn für Fachkrankenpfleger handeln, wäre dies ein in Österreich mutmaßlich sittenwidriger Dumpinglohn.

Denn laut allen Kollektivverträgen der Republik beträgt das Mindestgehalt sogar für blutige Berufsanfänger und auch bei Pflegehelfern über 2.000 Euro pro Monat, bei Fachkräften & ausgelernten Krankenpflegern ist es naturgemäß deutlich höher. Selbst für Pflegeassistenz-Lehrlinge im 2. Lehrjahr gilt ein Mindestlohn von 1.063 bis 1.228 Euro. Nutzt man also den Umweg über eine philippinische Arbeitsvermittlung, um ausländische Pfleger in einer rechtlichen Grauzone zum Hungerlohn auszubeuten? Die Alternative, dass es ein aliquoter Teilzeitlohn ist, böte freilich nur eine marginal günstiger Optik. Denn in diesem Fall flöge man Halbtagspfleger um Steuermillionen rund 10.000 Kilometer weit ein... 

Agentur wirbt mit "attraktiven Löhnen"

Doch an dieser Stelle hören die Absurditäten noch nicht auf, denn auffällig ist eben, dass sowohl die Annonce vor 2,5 Jahren als auch das noch laufende Job-Angebot um denselben Lohn angepriesen wurden. Dabei ließ Doskozil doch unmittelbar nach dem Auslaufen der ersten Anzeige groß verlautbaren, dass seine Landesregierung die Gehälter für Pflege- und Gesundheitspersonal erhöhe. Die Rede war damals von "bis zu 420 Euro brutto" mehr pro Monat. Am Ende des ORF-Artikels wurde die Anwerbung von Pflegekräften in Indien und auf den Philippinen sogar positiv erwähnt. Doch die angepriesene "Wertschätzung" der roten Regierungsmannschaft sprach sich wohl nicht bis ins Ausland durch...

Ebenso spannend mutet ein Facebook-Reel der "LRC Manpower" an, welcher das Projekt in Österreich als Erfolgsgeschichte verkauft. Im zugehörigen Video ist sogar ein Screenshot des ORF-Artikels zur Anwerbung der philippinischen Pfleger imBurgenland eingeblendet. Zu lesen ist zudem: "Die erste Gruppe von Pflegern die wir nach Österreich geschickt haben, genießen jetzt hohe Löhne, ausgezeichnete Benefits und einen Daueraufenthalt." Auch in anderen Posts wirbt die Agentur mit "attraktiven Gehältern". Ein Gehalt, zwei Welten: Aus der philippinischen Warte mag das sogar stimmen, denn der dortige durchschnittliche Pflegerlohn von 32.336 Pesos beträgt umgerechnet nur rund 458 Euro.

FPÖ: Manila-Projekt "riecht nach Lohndumping"

Die freundlich lächelnde Filipina-Pflegerin verdient also womöglich gegenüber ihren Landsfrauen das doppelte, gegenüber Österreicherinnen in Pflegeberufen aber nur die Hälfte. Entsprechend scharf fält die Kritik des FPÖ-Landtagsmandatars & Pflegesprechers Mario Jaksch auf: "Das von der Doskozil-SPÖ gefeierte Pilotprojekt zur Anwerbung von 50 philippinischen Pflegekräften riecht massiv nach Lohn- und Sozialdumping. Neue Recherchen rund um das Manila-Experiment des Systems-Doskozil sorgen für massive Zweifel an den von der Landesregierung gepriesenen sozialen Standards."

Das Inserat der Vermittlungsagentur für ausgebildete Krankenschwestern stehe dabei im Widerspruch zum genannten niedrigen Monatsgehalt: "Wenn diese Angaben stimmen, steht der Verdacht einer ungeheuren Ausbeutung ausgebildeter Pflegekräfte im Raum." Dies wiege umso schwerer, da Doskozil & Co. ständig von Fairness, Mindestlöhnen und sozialen Standards sprächen. Bemerkenswert sei freilich, dass trotz der befürchteten Dumpinglöhne fast 1,8 Mio. Euro an Steuergeld ins Projekt flossen, während die zuständige Landesgesellschaft jede detaillierte Kostenaufsellung verweigere und sich bei zentralen plötzlich für unzuständig erkläre.

Pfeift SPÖ heimlich auf "soziale Standards"? 

Jaksch hebt auch hervor, dass es sich laut Inserat nicht einmal um Pflegehilfskräfte, sondern fertig ausgebildete Pflegefachkräfte handle: "Daher stellt sich die Frage, wie ein derart niedriges Gehalt mit den öffentlichen Versprechungen der SPÖ zusammenpasst. Wer sich öffentlich als Vorkämpfer für soziale Standards inszeniert, muss diese Maßstäbe auch bei eigenen Projekten einhalten." Man dürfe da bei den "eigenen Manila-Projekten nicht plötzlich wegschauen". Die FPÖ fordert die vollständige Offenlegung sämtlicher Verträge, Gehaltsvereinbarungen & Vermittlungskosten. Allerdings: Kennt der rote Apparat im Burgenland die brisanten Details überhaupt - oder will er sie nicht kennen?

Die Burgenländer hätten jedenfalls, so Jaksch, "ein Recht darauf, zu erfahren, wohin die 1,8 Millionen Euro tatsächlich geflossen sind und welche Bedingungen hinter Doskozils Manila-Millionendesaster wirklich standen". Und gewissermaßen wäre es natürlich auch im Interesse von Doskozil & Co., offen zu kommunizieren. Vielleicht gibt es ja eine gute Erklärung, aber solange sich Regierung & die "Sozialen Dienste" hinter Datenschutz und "Geheimhaltung" verstecken, lassen sich Verdachtsmomente nicht aus dem Weg räumen. Die nächste Wahl kommt bestimmt - und die Gefahr, dass dann eine der allerletzten roten Hochburgen der Republik fällt, ist real.

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