Hackeln bis zum Umfallen: NEOS fordern späteres Pensionsalter
Symbolbilder: Magnific (2); Komposition: Der Status.
Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich steht plötzlich eine empfindliche Erhöhung des Pensionsalters durch Koppelung selbiger an die Lebenserwartung im Raum - zumindest wenn es nach den NEOS geht. Scharfe Kritik an den Plänen, welche die kleinste Regierungspartei vorausschickt, kommt von der FPÖ.
NEOS wollen spätere Pension
NEOS-Sozialsprecher Johannes Gasser will eine "offene Debatte über eine weitere Pensionsreform" anstoßen und brachte dabei die Idee ins Spiel, dass sich der Pensionsantritt mit steigender Lebenserwartung ebenfalls nach hinten verschiebt. Nachdem ein solches System bereits in Schweden existiert, sind es ähnliche Pläne der schwarz-roten Koalition beim deutschen Nachbarn (Der Status berichtete), die nach pinker Vorstellung auch in Österreich die Diskussion auch in Österreich anheizen sollen.
Vielleicht kalkulieren die NEOS dabei ja auch damit, dass sie anders als ihre beiden Koalitionspartner - deren Wählerschaft im Schnitt immer älter wird - bei Senioren kaum Stimmen kriegen. Ob man die Jugend mit der Aussicht einkochen kann, dass sie künftig vielleicht 50 oder 55 Jahre lang arbeiten müssen, um dann irgendwann - so sie nicht vorher durch Krankheiten dahinsiechen - mit 70 oder 75 Jahre in Rente gehen zu können, steht allerdings ohnehin auf einem anderen Blatt...
FPÖ-Kritik an sozialer Kälte
Aber ganz aus heiterem Himmel stößt man ein solches Thema nicht an - und das liegt wohl auch daran, dass die Koalition beim Pensionsthema bislang nicht einig wurde, außer natürlich dabei, bei Menschen, die ihr Lebtag lang hart arbeiteten, den Sparstift anzusetzen. Immer wieder testeten Institutionen aus dem ÖVP-Vorfeld die Stimmung mit Forderungen, das gesetzliche Pensionsalter mittelfristig auf 68 oder 70 Jahre raufzusetzen. Die SPÖ wiederum kann sich für die Idee nicht sonderlich erwärmen.
Eine klare Absage an diese Pläne kommt indes von der oppositionellen FPÖ, die in allen Umfragen haushoch führt und an der 40%-Marke kratzt. Deren Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch sprach von einem "sozialkalten Anschlag auf unsere hart arbeitenden Bürger". Der Applaus u.a. der Industriellenvereinigung für den pinken Vorschlag zeige zudem, dass es nicht um die Zukunftssicherung des Pensionssystems gehe, sondern "um die Zerstörung des Sozialstaats nach dem Vorbild des Turbokapitalismus."
Buckel krumm hackeln - bis ins Grab?
Wenn jemand 45 Jahre lang arbeitet, sei dies keine Frage der Ideologe, sondern ein "verdientes Recht, in den Ruhestand einzutreten". Schon heute könnten viele Menschen in unserem Land aufgrund ihrer Knochenjobs nicht mehr gesund bis zum gesetzlichen Pensionsalter arbeiten: "Fragen Sie einmal eine Pflegerin, einen Bauarbeiter oder eine Verkäuferin, was sie von der Idee halten, noch länger arbeiten zu müssen."
Die Forderung sei eine "bodenlose Frechheit und eine Verhöhung hunderttausender Österreicher", zudem sei die Debatte "an Zynismus kaum zu überbieten", weil die Regierung sich nicht ausreichend um die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze, einen echten Schutz für ältere Arbeitnehmer oder bessere Bedingungen für eine freiwillige Verlängerung der Erwerbstätigkeit über das bisherige gesetzliche Antrittsalter hinaus kümmere.
Hauptsache Geld für alle Welt...
Außerdem hinterfrage Belakowitsch einmal mehr die schwarz-rot-pinken Prioritäten: "Während man Milliarden für fragwürdige Auslandsprojekte, eine explodierende Asylindustrie und den aufgeblähten Brüsseler Wasserkopf ausgibt, soll bei den eigenen Leuten, bei den Pensionisten, der Sparstift angesetzt werden. Das ist ein Verrat an der unserer Bevölkerung. Dass diese Forderung gerade von den pinken Minderleistern kommt, die unser hart verdientes Steuergeld mit offenen Armen an die ukrainische Front und um die halbe Welt verschickt, grenzt fast an einen ‚Treppenwitz, dem der Schmäh abhandengekommen ist.'"
Eine sichere und gerechte Pension sei keine Gnade, sondern ein erworbenes Recht. Es brauche eine Politik, die die Sorgen der eigenen Bevölkerung ernst nimmt, anstatt die Menschen "für die elitären Fantasien einer abgehobenen Politikerkaste bluten zu lassen". Die freiheitliche Sozialsprecherin und Vize-Klubchefin bekräftigte in ihrer Aussendung zudem, dass es einen "solchen Angriff auf unserer Pensionssystem" mit Ihrer Partei unter einem künftigen Volkskanzler Herbert Kickl "niemals geben" werde.
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