Strategische Reserven aufgebraucht...

Wirtschaftsboss warnt: Ölpreisexplosion und Mangellage stehen bevor

Politik
Symbolbild: KI-generiert (ChatGPT)

Die Folgen des Iran-Krieges werden erst in den kommenden Wochen richtig durchschlagen. Dabei dürften die Rohölpreise durch die Decke gehen, aufgrund der immer knapperen Lagerbestände, mit deren Freigabe bisher die Folgen noch abgefedert wurden. Doch Neil Chapman, ranghoher Manager beim US-Energiekonzern ExxonMobil, warnt nun bei einer Veranstaltung vor den noch kommenden Verwerfungen.

Wann genau der Kipppunkt erreicht sein wird, wollte sich der Senior Vice President von ExxonMobil, Neil Chapman, auf der Bernstein-Konferenz in New York nicht festlegen, als er vor den niedrigen Lagerbeständen an Rohöl und dessen Produkten warnte. "Wir nähern uns beispiellosen Lagerbeständen. Ich meine wirklich, wirklich niedrige Bestände. Man kann darüber diskutieren, ob diese wirklich niedrigen Bestände in zwei oder drei Wochen erreicht werden. Sobald man diesen Punkt erreicht hat, werden die Preise in die Höhe schießen", so Chapman, der präzisiert: "Ich weiß nicht, ob es zwei bis drei Wochen oder drei bis vier Wochen sind. Was ich eigentlich sagen will, ist: Sobald man die Mindestvorratsmengen und die historisch niedrigen Lagerbestände erreicht hat, gibt es nur noch einen Weg. Das ist die Situation." 

Preise von über 160 Dollar pro Barrel

Und dieser Weg, so Chapman, seien massive Preisanstiege für Rohöl. In den kommenden Wochen könnte dieser dann auf bis zu 160 Dollar pro Barrel oder auch mehr steigen. Dass der große Preissprung bisher ausblieb, immerhin stiegen durch das Iran-Abenteuer die Rohölpreise von einem Niveau von etwa 75 US-Dollar pro Barrel vor dem US-israelischen Überfall auf einen Monatsdurchschnitt von rund 117 Dollar im April und knapp 103 Dollar im Mai - je nachdem, wie Nachrichten über Waffenruhe und Friedensverhandlungen den Markt beeinflussten - noch moderat. Und derzeit werden Juli-Kontrakte der Nordseesorte Brent mit rund 94 US-Dollar gehandelt.  Doch dies wurde teuer erkauft, denn die Preise blieben relativ niedrig, weil verschiedene Länder strategische Erdölreserven freigegeben hätten, so Chapmans Einschätzung.

Größte Ölkrise der Geschichte

"Die kommerziellen Lagerbestände an Rohöl und Flüssigkeiten – also Erdöl, Benzin, Diesel und Kerosin – sind alle aufgebraucht. Und der Abbau dieser Lagerbestände hat die Auswirkungen gemildert oder ausgeglichen", erklärte Chapman, doch dies "kann nicht ewig so weitergehen". Denn auch die Internationale Energieagentur IEA spricht von der größten Unterbrechung der Ölversorgung in der Geschichte. Durch die Sperrung der Straße von Hormus seien dabei inzwischen mehr als eine Milliarde Barrel Öl verlorengegangen - von Gas ganz zu schweigen. Hinzu kommt, dass die Mitgliedsländer der IEA bereits im März rund 400 Millionen Barrel aus ihren strategischen Reserven freigegeben haben.

Allein die USA haben 172 Millionen Barrel Öl aus der Reserve freigegeben, die dadurch auf den niedrigsten Stand seit 40 Jahren gesunken ist. Eine einsetzende Preisexplosion würde dann zwar zu einem Rückgang der Nachfrage führen – doch der Preis würde sich anschließend auf einem sehr hohen Niveau einpendeln. Denn selbst eine zeitnahe Öffnung der Straße von Hormus kann, aufgrund der Schäden im Nahen Osten die bisherigen Verluste nicht ausgleichen, zumal die Reparatur der Infrastruktur schon Milliarden kosten dürfte. 

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