Aufrüsten gegen Messer-Verletzungen

Wie im Krieg: Wegen Messerattacken Erste-Hilfe-Gürtel für Polizei?

Politik
Bild: U.S. Navy photo by Chief Mass Communication Specialist Michael Ard, Public Domain, Wikimedia Commons

Die zunehmenden Messerattacken lassen Rufe nach neuer Ausrüstung für die Polizei laut werden. Neben Tasern, die eine nichttödliche Alternative zu Schusswaffen darstellen, wird auch neue Erste-Hilfe-Ausrüstung gefordert. Eine solche, wie sie das Militär im Kampfeinsätzen bereits nutzt, um schwere Verletzungen vor Ort bis zum Eintreffen von Rettungskräften schneller behandeln zu können.

Zuletzt sorgte der Fall eines Afghanen in Baden-Württemberg unter den unzähligen und mittlerweile zum Alltag in Deutschland gehörenden Messer-Vorfällen wieder für Aufregung. Der Asylbewerber hatte zwei Polizisten, die ihn auf Anweisung der Staatsanwaltschaft Ulm zur Vollstreckung einer Freiheitsstrafe wegen eines Körperverletzungsdeliktes abholen sollten, unvermittelt mit einem Messer angegriffen und einen der Beamten schwer - aber zum Glück nicht lebensbedrohlich - verletzt. Der Afghane wurde von den Beamten angeschossen und verstarb noch am Ort des Geschehens - Der Status berichtete.

Im Krieg erprobt, auf deutsche Straßen n

Für die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) in Baden-Württemberg ist nach dem Vorfall klar, dass sich etwas ändern muss. So erklärte Ralf Kusterer, Vorsitzender der deutschen Polizeigewerkschaft Baden-Württemberg: "Immer mehr und mehr werden wir Opfer von Gewalt. Wieder ein Messer." Auch gegen die Untätigkeit der Politik teilt Kusterer aus. "Wir sind die politischen Bestürzungs-, Beileidsbekundungen und Genesungswünsche leid. Wann wendet sich der Innenminister den Problemen zu – denjenigen, die Messer mit sich führen?", so Kusterer. Aber seine Forderungen gehen noch weiter. Wie die dpa und auch die Bild berichten, verlangte Kusterer wenige Tage nach dem Vorfall neue Ausrüstung für die Polizei. 

Erste-Hilfe-Kits vom Militär

So fordert er, dass die Polizei mit Erste-Hilfe-Gürteln bzw. Individual First Aid Kits ausgerüstet wird, die die Beamten bei sich tragen sollen. "Die Ausrüstung dieser Kits ermöglicht eine schnelle und effektive Reaktion auf schwere Verletzungen, um in den entscheidenden ersten Minuten lebensrettende Maßnahmen einzuleiten, bis professionelle Hilfe vor Ort ist", erklärt der Polizei-Gewerkschafter. Denn die Erste-Hilfe-Ausrüstung in den Polizeiwägen ist teilweise zu weit entfernt oder enthält, wie nach Messerangriffen, nicht die notwendigen Hilfsmittel. "Bei dem starken Anstieg der Messer-Angriffe müssen wir unsere Polizeiteams so ausstatten, dass sie selbst bis zum Eintreffen von Rettungskräften sich oder anderen helfen können. Dabei muss man manche Dinge am Mann und an der Frau tragen, weil man nicht immer Zugriff auf Gegenstände hat, die im Polizeifahrzeug liegen", so Kusterer, der etwa vorschlägt, dass die Beamten auch mit Tourniquets ausgestattet werden.

Gute Erfahrungen im Krieg

Dabei handelt es sich um Abbindesysteme, um massive Blutverluste nach Verletzungen zu verhindern - beim vielen Armeen gehören sie zur Standardausrüstung, um die Überlebenschancen von schwerverletzten Soldaten zu erhöhen. Im Irak- und Afghanistankrieg konnte damit die Letalitätsrate deutlich gesenkt werden. Laut Innenministerium ist die Polizei dahingehend schon gut ausgestattet. Vor allem operativ tätigen Polizeivollzugsbeamten hätten derartige Ausrüstung, die auch die von Kusterer erwähnten Tourniquets und ähnliches enthalten. "Im Übrigen ist die Polizei aktuell schon dabei, weitere Beschaffungen durchzuführen", heißt es weiter. 

+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++

Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!

Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten