Wegen Plagiat: Voigt-Doktortitel weg - Rücktritt? Fehlanzeige!
Nach anderthalb Jahren hat sich die TU Chemnitz nun dazu durchgerungen, Mario Voigt (CDU) den Doktortitel wegen mutmaßlichen Plagiaten in seiner Dissertation abzuerkennen. Doch an die bisher gängige Praxis, in einem solchen Fall persönliche Konsequenzen zu ziehen und den Rücktrittsforderungen Folge zu leisten, denkt Thüringens Ministerpräsident nicht. Im Gegenteil: Er hat wenig Einsicht und will nun sogar die Uni verklagen.
"Plagiatsjäger" deckte 46 Unsauberkeiten auf
Das ist eine veritable politische Bombe: Der Erweiterte Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät der TU Chemnitz beschloss am Mittwoch einstimmig die - allerdings noch ichtr rechtskräftige - Aberkennung der Doktorwürde für Voigt. Vorausgegangen waren bereits im August 2024 schwerwiegende Vorwürfe von "Plagiatsjäger" Stefan Weber. Demnach hätte Voigt an 46 Stellen plagiiert. Teilweise wurden Primärquellen nicht sauber kenntlich gemacht, teilweise ganze Passagen aus Sekundärquellen fast wortgleich übernommen, mutmaßlich ohne die zitierten Primärquellen selbst zugrunde zu legen.
Nach dem vernichtenden Gutachten des renommierten Kommunikationswissenschaftlers passierte zuerst einmal wenig - denn die Uni ließ sich mit der Prüfung des Plagiats außerordentlich lange Zeit. Daher rechneten viele kritische Stimmen schon gar nicht mehr mit einem Ergebnis, aber offenbar war man in Chemnitz bloß gründlich. Man setzte zuerst einen weiteren, eigenen externen Gutachter ein - und wertete schließlich selbständig sämtliche vorhandenen Quellen aus. Dabei kam man dann sogar zu einem anderen Schluss als der Zweitgutachter, der die Beanstandungen für nicht maßgeblich genug gilt - und entzog Voigt den Doktortitel dennoch.
Das sind mal Schlagzeilen heute!#Voigt#Plagiat#Doktortitel#Aberkennung
— „Plagiatsjäger“ (@SprachPhilo) January 28, 2026
Auf Basis meines Gutachtens!https://t.co/5c9TWyx8Wb pic.twitter.com/d0rWgK5Sk3
Voigt will "nur" wenig betrogen haben
Doch anders als Unionskollegen wie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg oder Ex-Bildungsministerin Anette Schavan, die nach Überführung des akademischen Plagiats zurücktraten, denkt Voigt gar nicht daran, die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Er sieht sich nämlich vielmehr als Opfer und hält die Entscheidung für "nicht nachvollziehbar". Er wendet ein, dass der "wissenschaftliche Kern" seiner Doktorarbeit über den US-Wahlkampf zwischen Bush & Kerry von den Vorwürfen nicht betroffen sei.
Außerdem, so eines seiner Argumente, wären ja "nur" 2,58% der Worte betroffen. Also ganz nach dem Prinzip: Ein bisserl betrügen wird schon noch drin sein. Die "Bild" macht dem CDU-Ministerpräsidenten in ihrem Artikel zur Causa bereits die Mauer und zitiert ellenlang dessen Vorwürfe gegen die Uni und das Plagiatsverfahren gegen seine Person. Immerhin will Voigt bis zur Entscheidung über seien Klage seinen Doktortitel vorerst nicht weiter zu führen.
Thüringens CDU-Ministerpräsident Mario Voigt hält an seinem Amt fest, obwohl die TU Chemnitz entschieden hat, ihm den Doktortitel zu entziehen. „Die Arbeit hier in Thüringen, die wartet nicht und die geht morgen wieder mit voller Kraft weiter“, sagte er.https://t.co/2xDAZQDDQG pic.twitter.com/y5j96uCcVO
— Apollo News (@apollo_news_de) January 28, 2026
Höcke fordert Rücktritt & Neuwahlen
Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke, der die letzte Landtagswahl mit seiner Partei eigentlich deutlich gewann, ehe sich CDU, BSW & SPD zu einer "Brandmauer"-Koalition ohne Mehrheit verabredeten, ordnete die Geschehnisse aus seiner Sichtweise mit scharfer Kritik an Voigt ein: "Er ist der Lüge, er ist des Betrugs überführt." Er selbst habe bereits in den vergangenen Monaten immer wieder auch auf dessen gebrochene Wahlversprechen hingewiesen: "Ich habe immer gesagt, dass gerade Voigt stets bereit war, jeden Inhalt zu verraten, wenn es um die Machtoption ging."
Bereits dieses Amt habe sich Voigt "inähnlicher Weise erschlichen, wie er sich den Doktortitel erschlichen hat." Voigt habe dem Ansehen sowohl der Universität Chemnitz als auch Thürigens schweren Schaden zugefügt. Höcke erwartet vom Ministerpräsidenten daher, seinen Hut zu nehmen: "Wenn es jemals im Freistaat Thüringen die Notwendigkeit für einen Rücktritt gab, dann haben wir ihn jetzt." Der CDU-Politiker möge nur einmal nicht an sich selbst, sondern an die Thüringer und das Ansehen ihres Landes denken. Dies bedeute konkret: "Treten Sie vom Amt des Ministerpräsidenten zurück und machen Sie den Weg frei für Neuwahlen!"
Mario Voigt hat plagiiert – Was bedeutet das für Thüringen? pic.twitter.com/dZXZycilHO
— Björn Höcke (@BjoernHoecke) January 28, 2026
+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++
Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!
Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende