Das 'Ländle' halt gewählt

Vorarlberg-Wahl: FPÖ verdoppelt, ÖVP trotz historischem Tief vorn

Politik
Foto: Der Status.

Alle Blicke waren nach Vorarlberg gerichtet: Nur zwei Wochen nach der Nationalratswahl hat das westlichste Bundesland einen neuen Landtag gewählt. Dabei setzt sich der Bundestrend fort: ÖVP & Grüne müssen kräftig Federn lassen, die FPÖ kann deutliche Zugewinne einfahren, die SPÖ tritt auf der Stelle, die NEOS profitieren kaum. Zwar behauptet die ÖVP klarer als angenommen den ersten Platz, dies ist dennoch gleichbedeutend mit ihrem schlechtesten Ergebnis aller Zeiten in einem schwarzen Kernland.

Historisches Wahlergebnis im "Ländle"

Um 13 Uhr schlossen die letzten Wahllokale, eine Stunde später war die erste Hochrechnung da. Die ÖVP kommt angesichts der zweistelligen Verluste bei der Nationalratswahl mit einem blauen Auge davon - 38,9% (minus 4,6%) sind dennoch gleichbedeutend mit dem schlechtesten Ergebnis in einem Bundesland, wo schwarze Wahlsiege mit über 50% über Jahrzehnte die Norm waren. Die FPÖ ist wie im Bund der Hauptprofiteur: 27,6% (plus 13,7%) sind doppelt so viel wie vor fünf Jahren, es könnte damit sogar der bisherige Rekord von 1999 noch knapp übertroffen werden.

Klarer Wahlverlierer in Vorarlberg sind die Grünen, die dort seit 10 Jahren mit der ÖVP regierten. Im Heimatbundesland von Gesundheitsminister Johannes Rauch verlieren sie ein Drittel ihrer Stimmen und stürzen auf 12,5% (-6,4%) ab. Die SPÖ bleibt zum dritten Mal in Folge einstellig (8,9%/-0,4%) und kämpfen erneut mit den NEOS (8,5%/+0,4%) um den vierten Platz. Diese erringen zwar ihr bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl, in ihrer historischen Hochburg hätten sich die Pinken aber wohl auch mehr erwartet. Die Mandatsverteilung sieht voraussichtlich so aus: ÖVP 15, FPÖ 10, Grüne 5, SPÖ 3, NEOS 3.

Politischer Richtungswechsel möglich

Entsprechend interessant ist, für welche Zusammenarbeit sich Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) entscheidet. Mit SPÖ oder NEOS ist keine Zweier-Mehrheit möglich, sehr wohl jedoch wie bisher mit den Grünen. Es wäre allerdings eindeutig eine "Loser-Koalition" jener beiden Parteien, die am meisten Stimmen verloren. Rechnerisch logisch wäre eine Koalition mit dem klaren Wahlgewinner, der FPÖ - die in diesem Fall in ihre vierte Landesregierung einziehen könnte.

Eine solche Zusammenarbeit gab es in Vorarlberg schon mehrmals. Bitschi gilt unter den FPÖ-Landeschefs als einer der "konsensorientierteren", er setzte in seiner Opposition mehr auf sanfte Töne. Dies könnte ihm bei den Verhandlungen mit der ÖVP zugute kommen. Andererseits gingen Beobachter von einem knapperen Rennen um den Wahlsieg und deutlicheren ÖVP-Verlusten aus. Somit konnte zwar der Rückenwind aus dem Bund mitgenommen wurden, aber vielleicht war mehr drin.

Nicht mehr alle Gemeinden schwarz

Zur Stunde sind noch nicht alle Gemeinde-Ergebnisse da, aber diese dürften weniger einseitig als vor fünf Jahren ausfallen, als die ÖVP in sämtlichen 96 Gemeinden die meisten Stimmen errang. Teilweise büßte sie auch in Vorarlberg im ländlichen Raum erneut herb ein, während die FPÖ oftmals zweistellig zulegten. Ein Achtungserfolg ist hierbei sicherlich, dass man in Lustenau, der größten Marktgemeinde Österreichs der Volkspartei den ersten Platz abspenstig machen konnte.

Auch etwa in Fußach, Mäder, Hohenems oder Bürserberg reichte es für den ersten Platz - damit gibt es mittlerweile auch in Vorarlberg in jedem Bezirk mindestens eine "blaue Hochburg". In Dünserberg hingegen reichte ein phänomenales blaues Gemeindeergebnis von 45,3% um zwei Stimmen nicht für die Spitzenposition. Die SPÖ erhielt dort übrigens keine einzige Stimme - ein Schicksal, das die Genossen mindestens auch in Fontanella, Warth und Damüls ereilte. 

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