Machtverlust der USA?

US-Sanktionen egal: Indien will weiter russisches Öl kaufen

Politik
Bild: Никита Прохоров, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Aufgrund ihres Iran-Abenteuers hatten die USA die Sanktionen für russisches Öl ausgesetzt, um den Markt zu beruhigen und die Ölpreise nicht weiter steigen zu lassen. Sollte sich im Nahen Osten jedoch eine Beruhigung der Lage einstellen, dürften die Ausnahmen für russisches Öl enden. Nun macht Indien deutlich: Auch wenn die Sanktionen wieder wirksam werden, werde man sich nicht daran halten. Zuvor hatte auch schon China angekündigt, Teile von US-Sanktionen zu ignorieren.

Die Ausnahmeregelung war Mitte März eingeführt worden und sollte eigentlich nur bis zum 11. April gelten. Doch dann verlängerten die USA trotz gegenteiliger Ankündigungen kurzfristig die Aussetzung der Sanktionen auf russisches Öl um 30 weitere Tage, wobei kolportiert wurde, dass es sich dabei um die vermutlich letzte Verlängerung der Ausnahmeregel handeln dürfte, die aufgrund des stark gestiegenen Ölpreises für Rekordeinnahmen für den Kreml gesorgt hatte - Der Status berichtete hier, hier und hier. Nachdem im Nahen Osten aber die Lage weiterhin angespannt bleibt, haben die USA die Ausnahmeregel nun für weitere 30 Tage verlängert. Und nach den Ausnahmen - die inzwischen für rund drei Monate gelten sollen, wenn sie nicht auch zum vierten Mal verlängert werden - ist nicht unbedingt gleich vor der Ausnahme. Denn wie es scheint, dürften einige Staaten eine Fortsetzung der US-Sanktionen missachten.

Indien will weiter russisches Öl

So erklärte Sujata Sharma, eine stellvertretende Ministerin im indischen Erdölministerium, dass man weiterhin russisches Öl kaufen werde, egal ob es Sanktionen von Seiten der USA oder anderen Staaten gebe. "Was die US-Ausnahmeregelung für Russland betrifft, möchte ich betonen, dass wir schon früher von Russland gekauft haben … Ich meine, auch vor der Ausnahmeregelung, während der Ausnahmeregelung und auch jetzt", erklärte sie auf einer Pressekonferenz, wie unter anderem Reuters berichtet. Dabei führt sie vor allem wirtschaftliche Gründe für den Kauf russischen Öls an. "Es ist im Grunde genommen der wirtschaftliche Sinn, der für uns beim Kauf ausschlaggebend sein sollte", wird sie zitiert. Zudem, so erklärte sie, habe Indien sich vertraglich ausreichende Mengen gesichert, so dass keine Knappheit an Rohöl zu befürchten sei.

Rekordimporte aus Russland

Seit dem von US-Präsidenten Donald Trump und Israels Premier Benjamin Netanjahu losgetretenem Iran-Desaster haben die indischen Importe russischen Öls nahezu Rekordwerte erreicht.  So dürften in den ersten beiden Maiwochen die täglichen Liefermengen laut Daten von Kpler einen Rekordwert von 2,3 Millionen Barrel pro Tag erreicht haben. Für den gesamten Monat dürften es im Durchschnitt rund 1,9 Millionen Barrel pro Tag werden. Durch den Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus waren die Öllieferungen aus dem Nahen Osten nach Indien um 61 Prozent eingebrochen. Dies führte dazu, dass sich die Importe aus Russland verdoppelten. Und dies scheint man nun, ungeachtet der USA beibehalten zu wollen, denn eine sichere und günstige Energieversorgung dürfte Vorrang vor westlichen Sanktionen haben.

Auch China gegen US-Sanktionen

Schon Anfang Mai war auch China als einer der wichtigsten BRICS-Staaten auf Konfrontationskurs mit den USA gegangen. Die chinesische Führung wies  Unternehmen an, die US-Sanktionen gegen den Iran zu ignorieren. Denn im April hatten die USA fünf private chinesische Raffinerien, die mit dem iranischen Ölhandel in Verbindung stehen, mit Sanktionen bedacht, darunter Vermögenssperren und Transaktionsverbote. Bisher hatte China meist US-Sanktionen hingenommen und lediglich protestiert. Man wollte die eigene Wirtschaft nicht schwächen und auch weiterhin Zugang zu dem von den USA dominierten weltweiten Finanzsystem behalten - Der Status berichtete.

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