Übung macht den Meister: Holland testet Kriegsgefangenenlager für Russlandfeldzug
Friedensbemühungen, um den Ukraine-Konflikt endlich zu beenden, scheinen nicht die erste Priorität in Europa zu sein. Stattdessen bereiten sich die Niederlande nun offenbar auf den Russlandfeldzug vor. Dazu testet man auch ein Kriegsgefangenenlager, in dem bis zu 2.000 russische Kriegsgefangene untergebracht werden können. Grund für die Militärübung mit Gefangenenlager: Dies wurde ja seit mehr als dreißig Jahren nicht mehr geübt.
Eine verrückte Welt. Die EU beginnt Beitrittsgespräche mit der Ukraine und die Niederlande üben für den neuen Ostfeldzug. Im Übungsdorf Marnehuizen, eines der größten Häuserkampfobjekte in Europa, herrscht reges Treiben. Auf dem Truppenübungsplatz errichtet die niederländische Armee übungsweise ein Kriegsgefangenenlager, wie die Zeitung AD berichtet. Nun gehören militärische Übungen jedweder Art zwar zur Ausbildungsrealität jeder Armee, um auf Einsatzsituationen vorzubereiten und die Fähigkeiten der Truppe zu verbessern, aber wie die Überschrift bereits zeigt, fühlt man sich in den Niederlanden wohl ganz dem bellizistischen Programm der EU verpflichtet: "Die Landstreitkräfte bereiten sich derzeit auf die Unterbringung von 2.000 Kriegsgefangenen vor: 'Russische Soldaten werden genauso behandelt wie unsere eigenen Soldaten'".
Mehr als dreißig Jahre nicht geübt
Nun geht man daran, längst vergessene Szenarien zu üben. Denn seit mehr als dreißig Jahren hat man sich bei der niederländischen Armee nicht mit der Unterbringung von Kriegsgefangenen beschäftigt. Aber, so schreibt AD, da die Kriegsgefahr zunimmt, bereitet sich die Armee nun auch auf die Aufnahme russischer Kriegsgefangener vor. Und Generalin und Kommandantin Nicole de Wolf vom Operationellen Unterstützungskommando Land erklärt der Zeitung zu der Unterbringung der potenziellen russischen Kriegsgefangenen: "Sie können mit einer Unterkunft rechnen, die mindestens genauso 'luxuriös' ist wie die, in der unsere eigenen Truppen untergebracht sind" - dies ist auch in der Genfer Konvention so geregelt.
Frau General erklärt zum Zweck der Übung weiter, dass das Know-how, welchen Anforderungen ein solches Lager eigentlich genügen muss, ziemlich in Vergessenheit geraten sei, denn bei Einsätzen in Afghanistan wurden oft nicht mehr als zwei oder drei feindliche Kämpfer gefangengenommen, die man problemlos im Basiscamp habe unterbringen können, nun müsse man aber wieder in Szenarien denken, wo es Tausende gefangengenommene Soldaten gebe.
Kameraüberwachung und Gleichbehandlung
Dabei ist man in den Niederlanden durchaus im 21. Jahrhundert angekommen - teilweise zumindest. Denn laut dem Bericht werden Offiziere und Mannschaften gemischt untergebracht, allerdings "derzeit nicht mehr als zwanzig pro Zelt". Eigentlich sieht die Genfer Konvention Sonderregeln für gefangene Offiziere vor, diese dürfen etwa nicht mit einfachen Soldaten untergebracht werden, aber die Niederlande waren schon immer besonders progressiv und um Gleichbehandlung bemüht. Zwar müssten Putins Soldaten auch persönliche Gegenstände wie Mobiltelefone abgeben, aber Briefe an die Heimat seien erlaubt.
Die Abnahme technischen Geräts dürfte dabei allerdings keiner Technikfeindlichkeit entspringen, sondern dem Wesen der neuen niederländischen Kriegsgefangenenlager 2.0. Denn es gibt keine Wachtürme und Wachmannschaften mehr, sondern die Überwachung soll mit hochmodernen Kamerasystemen erfolgen, die sowohl auf Bild als auch auf Ton reagieren. Auch Drohnen werden eingesetzt, um Bilder live zum zentralen Kommandoposten zu senden. "Warum sollte ich Soldaten physisch einen Zaun bewachen lassen, wenn ein einziges Kamerasystem das gesamte Gelände abdeckt? Wenn dort Unruhe zu sehen ist, können wir auch eine Einheit dorthin schicken, die immer einsatzbereit ist", sagt De Wolf.
Bauarbeiter aus Privatwirtschaft
Erbaut wird das Übungslager übrigens nicht von Einheiten der Streitkräfte, sondern von der Privatwirtschaft. Die Arbeiten an dem Übungslager werden derzeit vor allem von Bauarbeitern erledigt, die normalerweise riesige Festivalgelände einrichten. Diese könnten innerhalb einer Woche problemlos Lager für 2.000 Soldaten errichten. Jan Pol von der Infra Capacity Alliance, die private Firmen und das Militär zusammenbringt, macht den Nutzen deutlich, denn immerhin kommen zu großen Festivals oft 55.000 Besucher, und die Unternehmen schaffen dafür die komplette Infrastruktur in nur zwei Wochen. Die Ressourcen dürften dann im Falle eines Falles auch frei sein, denn viele Festivals sind dann im Zweifel ohnehin nicht geplant.
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