Tschüss Europa, Willkommen Asien: LNG-Tanker ändern Kurs
Seit Beginn des Iran-Kriegs haben sich die Gaspreise in Europa verdoppelt. Zwar sind sie noch weit entfernt von den Rekordpreisen nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs 2022, aber es zeichnen sich schon weitere Schwierigkeiten ab. Denn LNG-Tanker, die auf dem Weg nach Europa waren, haben ihren Kurs Richtung Asien geändert. Die dortigen hohen Preise sind zu verlockend. Zugleich könnte die geplante EU-Methanverordnung die Versorgungslage zusätzlich erschweren.
Die Sperrung der Straße von Hormus und die Aussetzung der Produktion von LNG in Katar sorgen nicht nur für steigende Gaspreise, sondern auch für weitere Verwerfungen. Denn durch Blockade der Meerenge, rund ein Fünftel der weltweiten Versorgung läuft durch sie, sind die Preise für LNG in Asien stärker gestiegen als in Europa, denn die asiatischen Länder sind stark von Öl- und Gaslieferungen über die Straße von Hormus abhängig. Wie die Financial Times berichtet, die dazu aktuelle Schiffsverfolgungsdaten analysiert hat, haben mittlerweile mehrere Gastanker, die eigentlich nach Europa steuerten, ihren Kurs geändert und sind stattdessen auf dem Weg nach Asien.
Lieferanten wittern bessere Geschäfte
Laut Kpler sind bereits acht Schiffe nach Asien umgeleitet worden und mehr als zehn weitere gelten als wahrscheinliche Kandidaten. Dabei dürften die Lieferungen vermutlich vor allem nach Taiwan, Südkorea und Japan gehen, die LNG-Lieferungen brauchen, um die ausfallenden Lieferungen aus dem Krisengebiet im Nahen Osten zu kompensieren. Denn Asien ist noch stärker von LNG abhängig als Europa. Anreiz genug, US-Gas aber auch LNG-Transporte aus Nigeria nach Asien umzuleiten.
Laut der FT würde zwar ein Großteil des LNG im Rahmen von Langzeitverträgen und nicht auf dem Spotmarkt verkauft, aber einige Käufer können den endgültigen Bestimmungsort ihrer Einkäufe ändern, und andere Verkäufer sind bereit, Verträge zu brechen, wenn die Preise hoch genug steigen. Auch Russlands Präsident Wladimir Putin hatte angesichts der Energiekrise durch den Iran-Konflikt zuletzt erklärt: "Wenn solche Premium-Käufer auftauchen, dann denke ich, ja, ich bin mir sogar sicher, dass einige traditionelle Lieferanten, wie die Amerikaner und amerikanische Unternehmen, natürlich den europäischen Markt zugunsten höher zahlender Märkte verlassen werden." - Der Status berichtete.
Auffüllung der Gasspeicher schwierig
Je länger der Konflikt dauert, desto härter dürfte der Konkurrenzkampf am Markt werden. Während in Asien, aufgrund von Klimaanlagen im Sommer deutlich mehr LNG benötigt wird, als in Europa, müssen die europäischen Staaten mit Blick auf den kommenden Winter ihre Gasspeicher wieder auffüllen, deren Speicherstände sich auf einem historischen Tiefstand befinden - am 9. März betrug der Füllstand in der EU nur 29,29 Prozent. Für Europa könnte es zudem schwierig werden, dass einige europäische Käufer in Erwartung eines Angebotsüberschusses vor Ausbruch des Krieges keine langfristigen Lieferverträge unterzeichneten, sondern abwarteten, wie die FT berichtet, was sich nun, wenn der Konflikt länger dauert, als teuer erweisen könnte.
EU-Methanverordnung als Problem
Zudem, so erklärt Massimo Di Odoardo, Leiter der Gas- und LNG-Analyse bei der Beratungsfirma Wood Mackenzie, hätten Käufer auch mit dem Kauf von LNG gewartet, weil aufgrund der neuen EU-Gesetzgebung zu Methanemissionen unklar sei, ob ihnen in Zukunft Strafen drohen könnten. Diese Methan-Verordnung der EU sieht vor, dass ab 2027 Erdgas und Kohle usw. nur noch aus Staaten importiert werden darf, deren Dokumentationsverfahren über den Methanausstoß und dessen Reduktion den verpflichtenden Standards in der EU gleichrangig sind. Der Internationale Verband der Öl- und Gasproduzenten (IOGP) warnte zuletzt davor, dass die Verordnung dazu führen könnte, dass 43 Prozent weniger Gas und 87 Prozent weniger Öl importiert werden.
Nicht der erste Knieschuss der EU. Abgesehen von den Russland-Sanktionen, krachte man auch im vergangenen Jahr schon mit Katar aneinander. Wegen des EU-Lieferkettengesetzes, welches Unternehmen ab einer gewissen Größe dazu verpflichtet, die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsstandards entlang ihrer Wertschöpfungskette zu überprüfen, drohte Katar wegen möglicher Strafen und Milliardenverlusten mit einem LNG-Lieferstopp nach Europa. Und auch die USA waren wegen dieser Nachhaltigkeitsregeln wenig angetan und drohten mit einem Lieferstopp.
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