Keine Lust, als Kanonenfutter zu enden...

Trotz 24.000 Dollar Bonus & hohem Sold: Ukrainische Jugend will nicht kämpfen

Politik
Bild: President Of Ukraine, Public Domain, Flickr

Bereits seit geraumer Zeit hat die Ukraine massive Rekrutierungsprobleme und einen Mangel an Soldaten. Daran könnten auch die vielen, eher forsch vorgebrachten Forderungen nach mehr Waffen nichts ändern. Auch Versuche, junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren mit hohen Bonuszahlungen und hohem Sold zu locken, zeigen keinen großen Erfolg.

Jugend will nicht an die Front

Zuletzt hatten die USA Ende vergangenen Jahres die Herabsetzung des Einberufungsalters in der Ukraine auf 18 Jahre verlangt, damit Kiew die Reihen der Armee wieder auffüllen kann. Hatte zunächst das Einberufungsalter bei 27 Jahren gelegen, war es im Laufe des Konflikts auf 25 Jahre herabgesetzt worden, allerdings mit Ausnahmen für Studenten etc., was dazu führte, dass sich allein im Studienjahr 2022/23 die Zahl der männlichen Studenten in der Ukraine um satte 80 Prozent vermehrte. Und das Durchschnittsalter der neuen Inskribenten lag bei Mitte dreißig.

Aber trotz der massiven Rekrutierungsprobleme und des Mangels an Soldaten hatte Ukraine-Machthaber Wolodymyr Selenski den Forderungen der USA bisher eine Absage erteilt. "Wir dürfen den Mangel an Ausrüstung und Ausbildung nicht durch die Jugend der Soldaten kompensieren", so Selenski, der weiter anmerkte, dass man die Jugend der Generationn Z zum Wiederaufbau des Landes benötige. Doch ganz so nötig scheint die Jugend dann doch nicht.

Programm für Rekrutierung der Jungen

So berichtete zuletzt das "Wall Street Journal", dass in der Ukraine im Februar diesen Jahres das Programm mit dem Namen "Vertrag 18-24" gestartet wurde. Dieses soll die noch vom Wehrdienst ausgenommene Generation der 18- bis 24-Jährigen mit finanziellen Angeboten an die Front locken. Für eine einjährige Verpflichtung zum Militär - also an die Front - soll es einen Monatssold von 3.000 Dollar geben, das Sechsfache des nationalen Durchschnitts in der Ukraine. Zudem ein kostenlose Studiengebühren, ermäßigte Zahnbehandlungen und einen Bonus bei der Unterzeichnung von rund 1 Million ukrainischer Hrywnja - umgerechnet rund 24.000 Dollar.

Beworben wird die Rekrutierungskampagne mit "TikTok-Videos, viralen Social-Media-Posts und leuchtenden Plakate, die in den zentralen Straßen der ukrainischen Großstädte aufgestellt sind - allesamt mit einem Hauch von Gen Z", wie das WSJ feststellt. Im März hatte das ukrainische Verteidigungsministerium sogar auf TikTok ein Video veröffentlicht, wo die Frage gestellt wurde, wie viele Cheeseburger von McDonalds man in der Ukraine für 1 Million Hrywnja kaufen könne - immerhin 15.625.

Weniger Rekruten als Cheeseburger

Allerdings dürfte sich die Begeisterung der für den Aufbau benötigten Generation an mehr als 15.000 Cheeseburgern und anderen Vorteilen, wie einer günstigeren Zahnbehandlung oder kostenlosen Studiengebühren, im Austausch für einen Fronteinsatz in Grenzen halten - zumal man ja nicht weiß, ob man die Vergünstigungen später überhaupt in Anspruch nehmen kann. So dürften sich auch seit Beginn des Programms im Februar bisher nur rund 500 Jugendliche gemeldet haben, wie das WSJ weiter berichtet.

"Der bürokratische Aufwand verzögert oft die Aufnahme der Rekruten, und viele bekommen kalte Füße oder brechen unter dem Druck ihrer Eltern ab", so ukrainische Beamte gegenüber der Zeitung. Allerdings sei es noch zu früh, den Erfolg des Programms zu beurteilen. Die Entscheidung die viele junge Ukrainer treffen, scheint jedoch eindeutig. Viele stünden vor der Wahl, "entweder dem Militär beizutreten oder eine berufliche Karriere anzustreben, die durch die Mobilisierung unterbrochen werden könnte, sobald sie 25 Jahre alt sind", so das WSJ, weshalb viele sich stattdessen für die Auswanderung entscheiden würden.

Unmut über Bevorzugung

Aber auch für die Erhöhung der Motivation der dienenden älteren Soldaten dürfte das Programm wenig geeignet sein. Denn schon jetzt hat die Ukraine mit einer stark zunehemenden Zahl an Deserteuren zu kämpfen. Ende vergangenen Jahres wurde deren Zahl auf rund 200.000 Mann geschätzt. Unter anderem habe auch der Dauereinsatz an der Front ohne ausreichende Rotation viele zermürbt. 

Mit einer Spezial-Operation gegen Fahnenflucht versucht Kiew, dagegen vorzugehen und jagt mit Razzien Deserteure und Wehrdienstverweigerer. Zudem kommt es zu Zwangsrekrutierungen auf offener Straße, bei denen die Greiftrupps oft brutal vorgehen - und die zuerst als "russische Propaganda" galten - bis auch der Mainstream derartiges Vorgehen in der Ukraine zugeben musste.  Nun sorgt die  bevorzugte Behandlung der 18- bis 24-Jährigen für weiteren Unmut in der Truppe. 

"Die großzügige Antrittsprämie von 1 Million Griwna hat den Teilnehmern einen spöttischen Spitznamen eingebracht: 'die Millionäre'", berichtet das WSJ weiter, denn viele Soldaten, die seit Kriegsbeginn an der Front seien, verdienen deutlich weniger. Wie etwa ein 24-jähriger Soldat, der nun Major sei und Träger der höchsten militärischen Auszeichung, der dem WSJ erklärt, er habe nur 12.000 Hrynja (rund 288 Dollar) im Monat verdient, als er in den ersten Kriegsmonaten kämpfte.

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