Transatlantiker drehen frei: Chrupalla-Stehkragen angeblich Mullah-Symbol
Flagge: Freepik; Bildzitat: AfD, via X; Komposition: Der Status.
Unzähliche liberal-konservative, westextremistische & transatlantische Kommentatoren gefallen sich in diesen Tagen in Jubelarien auf den Überfall der USA & Israels auf den Iran. Viele von ihnen würden gerne auch die AfD auf die Linie Washingtons bringen - doch die Parteispitze setzt auf Deeskalation & deutsche Interessen. Also bedienen ihre Kritiker absurdeste Verschwörungstheorien - nämlich die Behauptung, AfD-Co-Chef Tino Chrupalla sende mit seiner Kleiderwahl "geheime Zeichen" an die iranische Staatsführung.
AfD-Statement lässt Wogen hochgehen
Alice Weidel & Tino Chrupalla ließen sich von den Kriegstreibern aller Couleur nicht ins Bockshorn jagen. Man erklärte, dass die Eskalation im Nahen Osten nicht im deutschen Interesse sei. Und Chrupalla sollte später noch nachlegen: Trump drohe, entgegen seiner Versprechen, nun als "Kriegspräsident" zu enden. Zudem müsse man angesichts der gesperrten Straße von Hormus über steigende Benzin- & Gaspreise reden. Weiters warnte er vor Asylströmen in Richtung Europa bei anhaltendem Bombardement.
Der transatlantischen Blase, gerade aus dem liberal-konservativen Bereich, schmeckte dies gar nicht. Für "NiUS" & "Apollo News" rückten mehrere Kommentatoren aus, um zu behaupten, die AfD-Spitze höre sich "wie Baerbock" an. Selbst in der patriotischen Oppositionspartei gibt es Stimmen, die mit Washington, aber gegen die Volksmeinung - und die der eigenen Stammwählerschaft - für den Irankrieg trommeln. Laut Mainstream-Medien gab es daher bei der jüngsten Fraktionssitzung angeblich dicke Luft.
Stehkragen angeblich "geheimes Zeichen"
Insbesondere Chrupalla soll sich dabei innerparteiliche Kritik gefallen haben lassen müssen - und das nicht nur wegen seiner staatsmännischen Aussagen, die eben nicht die Interessen der USA & Israels, sondern jene Deutschlands, zur Staatsräson erklären. Denn plötzlich geht es darum, dass Chrupallas Kleidungswahl - ohne Krawatte und mit Stehkragen - beim Erststatement zum Irankrieg vermeintlich ein "geheimes Zeichen" an die iranische Führung sende.
Die Darstellung geht in etwa so: Weil die Mullahs im Iran das öffentlichen Tragen von Krawatten bereits 2000 geächtet hätten, erfreuten sich Stehkragen-Hemden in Teheran und anderen iranischen Städten großer Beliebtheit. Eine Krawatte gelte als Symbol für die westliche Kulturhegemonie, der Verzicht darauf als Widerstandssymbol. In Wahrheit dürfte die Sache vermutlich deutlich banaler sein: Der Stehkragen feiert in den letzten Jahren für Männer & Frauen auch im Westen ein Comeback im Bereich eleganter Mode...
Medial konstruierter Zusammenhang
Spannend ist indes die Genese des Vorwurfs im polit-medialen Raum. Zuerst stellte dies "Focus"-Journalistin Antje Hildebrandt, die u.a. auch Artikel für den "Cicero" verfasste und gerne nach AfD-"Skandalen" sucht, in den Raum. Sie stellte die Stellungnahme der AfD-Chefs als putinfreundlich dar (dabei profitiert Russland vielmehr durch steigende Ölpreise infolge des Angriffs) und gab das Stehkragen-Frame vor: "Diese Alternative zur Krawatte gilt im Iran als Zeichen des Protests gegen den dekadenten Westen".
Die Info über angebliche Streitigkeiten innerhalb der AfD wiederum geht auf einen "Politico"-Podcast zurück. Das US-Medium gehört zum Axel-Springer-Verlag, dieser führt sowohl das transatlantische Bündnis als auch das Eintreten für israelische Interessen in seiner Satzung, die als Leitbild für alle Journalisten zu gelten hat. Vor diesem Hintergrund spielte u.a. die "Bild" einst die irrige Behauptung, man habe zum "Nord Stream"-Anschlag eine Spur, die zu einer "Spezialeinheit Putins" führe....
Man achte auf das kragenlose Hemd, das Co-Parteichef #Chrupalla trägt, als er den Angriff der USA mit seinem Ich-will-Wladimir-nicht-in-den-Rücken-fallen-Statement kommentiert.
— Antje Hildebrandt (@berlinreportage) March 2, 2026
Diese Alternative zur Krawatte gilt im Iran als Zeichen des Protestes gegen den dekadenten Westen. 🍿 pic.twitter.com/ADZq47P6SE
Krawattenlos auch bei Altparteien
Umso absurder ist die ganze Posse, wenn man bedenkt, dass Politiker aller Couleur in den letzten Jahren immer wieder ohne Krawatte und/oder mit Stehkragen auftraten - selbst in der Union, deren Vertreter im Moment am intensivsten dafür trommeln, sich auf die Seite der USA & Israels zu schlagen. Sogar CDU-Kanzler Merz, der mitunter Auslandsreisen mit Pinguin-Schlips unternimmt, eröffnete die Regierungsklausur im Vorjahr ohne Krawatte. Auch Manuel Hagel, der CDU-Spitzenkandidat in Baden-Württemberg, tritt in Medien regelmäßig krawattenlos auf. Einen Stehkragen hatte auch der Janker von CSU-Chef Markus Söder am Unionsparteitag, ebenfalls im Vorjahr.
Bei linken Politikern wiederum ist der Verzicht auf eine dermaßen formelle Garderobe ohnehin oftmals Teil des Selbstverständnisses. Man begehrte jahrzehntelang gegen den Schlips-Zwang im Bundestag auf: Was 1980 mit Ärger für den späteren SPD-Kanzler Gerhard Schröder für einen krawattenlosen Auftritt begann, endete erst 2014 in der Lockerung der Pflicht, nachdem Linken- & Grünen-Politiker sich geweigert hatten, eine anzulegen. Im benachbarten Österreich kam Ex-Grünen-Chef Werner Kogler sogar zur Angelobung als Vizekanzler "oben ohne", sein Parteifreund Wolfgang Mückstein, bekannt als Gesundheitsminister der Impfpflicht, trug dabei darüber hinaus sogar Turnschuhe.
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