Selbsthilfe statt zuschauen?

Staat versagt bei Sicherheit: Bürgerwehr will Kleinstadt schützen

Politik
Bild: Roehrensee, CC BY 4.0, Wikimedia Commons

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit. Tägliche Gewalt auf den Straßen, Messer-Attacken etc. Und auch die Straftäter werden immer jünger. In einer niedersächsischen Kleinstadt trieb es eine "Jugendbande" offenbar besonders wild oder die Bürger haben noch nicht ganz vor der neuen Realität in Deutschland kapituliert. Denn nun gründeten sie eine Bürgerwehr, um dem Treiben Einhalt zu gebieten.

"Jugendbande" terrorisiert Kleinstadt

In letzter Zeit häuften sich Berichte über eine "Jugendbande" in der niedersächsischen Gemeinde Harsefeld, die rund 14.000 Einwohner zählt. Zuerst berichtete das Stader Tagblatt von den Vorfällen. So soll die Gang mit Drogen gedealt und andere Jugendliche bedroht und eingeschüchtert sowie attackiert und zusammengeschlagen haben. Dabei soll durch Tritte und Schläge gegen den Kopf auch der Tod der Opfer in Kauf genommen worden sein. Ein Opfer soll auch am Bahnhof bis an die Gleise geprügelt worden sein.

Von den Taten tauchten auch Videos im Internet auf. Bei den beiden Haupttätern handelt es sich um einen 15-jährigen und einen 16-jährigen Jugendlichen, die der Polizei bereits als Intensivtäter bekannt seien. Bei ihnen wird laut Polizei wegen jeweils 15 Taten ermittelt, unter anderem wegen Körperverletzung, Bedrohung und Raub. Allerdings geht die Polize von einer höheren Dunkelziffer aus.

Bürger nehmen Schutz selbst in die Hand

Zwar, so wird berichtet hätten die Schulen in Harsefeld, das Jugendamt, Sozialarbeiter, Polizei und Behörden ihre Zusammenarbeit intensiviert, um sofort auf neue Geschehnisse reagieren zu können und auch Gesprächsangebote für Täter und Opfer gebe es, wie auch die Aufforderung an die Bürger der Gemeinde, neue Straftaten sofort zu melden, doch einigen Bürgern scheint dies zu wenig. Sie gründeten nun eine Bürgerwehr, die inzwischen durch Harsefeld patroulliert um für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Bei der Polizei schrillen nun die Alarmsignale, allerdings wegen der Bürgerwehr. "Das finden wir ganz gruselig", wird Polizeisprecher Rainer  Bohmbach in der "Bild" zitiert. "Selbst tätig werden ist natürlich auf gar keinen Fall angesagt", erklärt er. Andererseits finden die Bürger in Harsefeld vermutlich gruselig, dass trotz steigender Steuern- und Abgabenlast der Staat nicht mehr in der Lage ist, seinen Aufgaben, wie dem Schutz der Bürger nachzukommen, aber zugleich Selbsthilfe der Bürger verurteilt, anstatt endlich gegen die mutmaßlichen Straftäter hart vorzugehen.

Polizei überfordert und unterbesetzt?

Dabei scheint die Polizei nicht über die notwendigen Ressourcen zu verfügen, um selbst in der Gemeinde ausreichend Präsenz zu zeigen. Denn gegenüber Medien räumt man selbst Personalengpässe ein. "Um hier eine rund-um-die-Uhr-Dienststelle zu installieren, müssten wir einen erheblichen Personalaufwand treiben, den wir nicht haben", so Brombach, der weiter ausführt: "Es ist nicht unsere Aufgabe, am Bahnhof zu stehen mit 10 Kolleginnen und Kollegen und irgendwelche Schüler zu schützen. Wir sind für alle in der Bevölkerung zuständig. Wenn wir gerufen werden, wenn es einen Fall gibt, da sind wir auch da."

Allerdings bedeutet dies, wenn die Polizeiwache in Harsefeld geschlossen ist, eine Anreise für Kollegen aus dem 15 Kilometer entfernten Buxtehude. Und eine Aufstockung ist offenbar auch nicht geplant. So erklärt Wiebke Henning, Leiterin Einsatz- und Streifendienst Polizeikommissariat Buxtehude in Bezug auf Harsefeld: "Bislang haben wir nicht die Notwendigkeit gesehen, dass wir hier einen Einsatzschwerpunkt haben." Die Beamten werden also anderweitig eingesetzt - laut "Bild" für Verkehrskontrollen, wohl um Geld in die Kassen zu spülen.

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