Soziales Pflichtjahr auch für Senioren: Deutsche Rentner an die Front?
Symbolbilder: Freepik (2); Komposition: Der Status.
Solidarität ist derzeit eines der Zauberwörter, um alle erdenklichen politischen Beschlüsse zu rechtfertigen. Etwa, wenn es die Milliardenzahlungen an die Ukraine und die massiven Aufrüstungsbestrebungen in Europa betrifft. Und diese Solidarität sollen nun auch Senioren zeigen, die nach den Vorschlägen des Soziologen Klaus Hurrelmann ebenfalls für ein soziales Pflichtjahr mobil gemacht werden sollen.
Ob es am Sommerloch liegt oder an der Gluthitze des Klimawandels, die zumindest die Wetterkarten regelmäßig tiefrot einfärbt - die Vorschläge und Wortmeldungen, die es teilweise durch den Äther spült, sind an Originalität kaum mehr zu überbieten. Darauf sollte man sich jedoch nicht verlassen, irgendjemand schaffte bisher es noch immer, einen draufzusetzen. So nun auch der Soziologe Klaus Hurrelmann. Seines Zeichens bereits 81 Jahre alt, ließ er in einem Interview mit dem "Spiegel" mit dem Vorschlag aufhorchen, dass auch Rentner ein soziales Pflichtjahr absolvieren sollen. Die Kriegstüchtigkeit könne man schließlich nicht nur der jungen Generation aufbürden.
Bringschuld an die Gesellschaft?
"Mit 65 – oder oft genug schon mit 63 – sind die Leute plötzlich nur noch Privat- und Urlaubsmenschen. Was ist denn das für ein Konzept?", so Hurrelmann im Spiegel. Daher plädiert er auch für einen Pflichtdienst für Senioren am Ende ihres Arbeitslebens. "Wir sollten darüber diskutieren, wie gesellschaftliche Aufgaben wie die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit von allen Generationen getragen werden können. Die junge Generation verhält sich bereits solidarisch", so der Soziologe, der zuvor erklärt hatte, dass man damit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken könnte.
Dies gelinge jedoch nur, "...wenn man die ganze Gesellschaft in die Pflicht nimmt. Von den Jungen zu erwarten, dass sie im Ernstfall allein das Land verteidigen, ist nicht gerecht". Also sollten auch die Alten ihr Scherflein beitragen. Er selbst erklärt im Interview, er empfinde eine "gewisse Bringschuld", da er sein Leben lang als Wissenschaftler tätig war und sein Einkommen daher größtenteils aus Steuergeldern stammte. Solange es ihm möglich sei, möchte er der Gesellschaft etwas zurückgeben.
Länger Arbeiten und früher Sterben
Dabei könnten Kompagnien rüstiger Rentner auch die Rentenkassen entlasten - machte doch schon 1998 das Unwort des Jahres vom "sozialverträglichen Frühableben" die Runde. Damals hatte der Chirurg und Präsident der Bundesärztekammer (BÄK) Karsten Vilmar angesichts der Gesundheitsreform der rot-grünen Regierung sarkastisch erklärt: "Dann müssen die Patienten mit weniger Leistung zufrieden sein, und wir müssen insgesamt überlegen, ob diese Zählebigkeit anhalten kann, oder ob wir das sozialverträgliche Frühableben fördern müssen."
Denn die Reform, so Vilmar, würde zwangsläufig zu einem früheren Tod der Patienten führen. Nun scheint der Staat aufgefordert zu sein, dies selbst aktiv in die Hand zu nehmen, indem man Menschen vor dem Rentenbeginn nochmal zu einem Pflichtdienst - wieso auch nicht bei der Bundeswehr in Uniform - anhalten will.
"Letztes Aufgebot" für Kriegstüchtigkeit
Aber auch wenn es zum Fall der Fälle kommt und Russland in einen Krieg mit der NATO tritt, müssten die Senioren auf ihre alten Tage nochmal ran. Der Chef des Bundesverbands Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung Dirk Engelhardt warnt in der "Bild", sollte Russland ein östliches NATO-Land angreifen, "könnten bis zu 300.000 osteuropäische Fahrer wegfallen, die zurück in die Heimat müssen". Sollten sie denn dem Ruf ihrer Länder folgen und nicht, wie viele andere die Sicherheit in Deutschland dem Kriegseinsatz vorziehen, würden mit einem Schlag bis zu 400.000 LKW-Fahrer in Deutschland fehlen.
Engelhardt macht deutlich, dass dann Hunderttausende Frauen und Rentner einspringen sollen. Aber auch einige Regeln will er abgebaut sehen. So für LKW-Fahrer der alle fünf Jahre zu erfolgende Qualifikationsnachweis. Aber auch LKW-Führerscheine aus Drittstaaten, wie Moldawien oder Usbekistan sollten anerkannt werden. "Können wir im Ernstfall die Lücke von 400.000 Fahrern nicht schließen, können wir weder die Bundeswehr richtig unterstützen noch die Zivilbevölkerung vernünftig versorgen", so der Chef des Bundesverbandes, denn auch zivile LKW-Fahrer müssten im Fall des Falles auch die Front beliefern.
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