Manches kann man nicht erfinden...

Skurril: SPÖ-Ludwig kritisiert Kickl für 'bequemes' Bergklettern

Politik
Ludwig: SPÖ Presse & Kommunikation, url=https://www.flickr.com/photos/sozialdemokratie/52826736426/]Flickr[/url], CC BY-SA 2.0; Kickl: (C) Herbert Kickl/via Facebook; Komposition: Der Status.

In bundesweiten Umfragen steht die SPÖ bei rund 15% - absoluter Negativrekord. Selbst im "Roten Wien" droht laut Umfragen bei der nächsten Landtagswahl das schlechteste Ergebnis der Geschichte in der absoluten Hochburg der Sozialdemokratie. In dieser Gemengelange reitet SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig nun in Medien aus, um vom gemütlichen Rathaussessel aus FPÖ-Chef Herbert Kickl zu kritisieren, weil dieser "bequem" in seiner Freizeit anspruchsvolle Klettersteige meistert...

Kickl erobert Berge und Bürgerherzen

Österreich ist ein Staat, dessen Topografie dermaßen prägnant ist, dass seine Hymne mit "Land der Berge" beginnt. Sämtliche Berechnungsmethoden für den geografischen Mittelpunkt enden zwangsläufig entweder in der Nähe eines Gipfels oder zumindest in einem alpinen Dorf - sogar jener für die Bevölkerung. Im Winter schöpft sich der ganze Stolz des Landes aus den Erfolgen unserer Skirennläufer und im Sommer entfliehen Hunderttausende und Millionen der Hektik des Alltags, indem sie in der Natur und oftmals auch in der einzigartigen heimischen Bergwelt wandern. Egal ob jung oder alt, reich oder arm, dick oder dünn: Viele Österreicher lieben diesen Ausgleich.

Zu den Leuten, die sich an schwierigen Kletterrouten, ausgedehnten Wanderungen, spektakulären Aufstiegen und belohnenden Gipfelsiegen erfreuen, gehört auch FPÖ-Chef Herbert Kickl, dessen Partei haushoch in allen bundesweiten Umfragen führt und sogar bei Landtagswahlen nächstes Jahr traditionelle schwarze Bastionen wie Tirol & Niederösterreich einnehmen könnte. Und für viele Bürger ist gerade auch der Umstand, dass Kickl seinen Sommer lieber beim Klettern in der Heimat als im Nobelclub an der Côte d'Azur verbringt, ein Indiz für seine Bodenständigkeit und Volksnähe. Bei den Genossen hat man dafür allerdings weder Gespür noch Verständnis.

Pfundskerl Ludwig ätzt über Kickl-Kletterei

Denn für die Sozialdemokratie ist ausgerechnet der Arbeiterbub Kickl als Bergsteiger ein ebenso rotes Tuch wie als Politiker. Schon als Antifa-Chaoten mit einer Flex die Kletterhaken einer von Kickl erstbegangenen Route sabotierten und damit lebensgefährliche Bergunfälle völlig unbeteiligter Alpinisten in Kauf nahmen, verharmloste "Kontrast" die Aktion. Das Medium des SPÖ-Parlamentsklubs schrieb: "Es kann also eher von einem Rückbau als einer Zerstörung der Kletterroute gesprochen werden." Nun schießt sich auch der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig auf die Kletterleidenschaft des blauen Widersachers zur Füllung der parlamentarischen Sommerpause ein. 

In einem Interview mit der deutschen "Welt" behauptete Ludwig: "Er hat jedenfalls das bequemere Leben gewählt und nutzt seine Zeit ausgiebig zum Klettern und Wandern. Man hat den Eindruck, er ist mehr in den Bergen als arbeitend für die Menschen tätig." Was als Angriff gedacht ist, könnte allerdings zum Bumerang werden. Denn das Volk sieht hier den wohlgenährten, großstädtischen Bürgermeister einer kränkelnden Partei, der alle Klischees des sprichwörtlichen "Salonbolschewisten" erfüllt - und dort den sportlichen, wagemutigen Bergsteiger einer Partei im Aufstieg. Diesen als zu hassendes Feindbild darzustellen, ist ein schwerer Spagat, der nur misslingen kann.

Rote Pöbelei aus dem Weinkeller?

Entsprechend dankbar nahm FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker die Steilvorlage auf und teilte umgekehrt gegen Ludwig aus: "Was seine Genossen und mutmaßlich auch er in ihrer Freizeit so treiben, haben wir ja in den letzten Wochen ausführlich den Medien entnehmen können: Nämlich im Weinkeller sitzen und dort packeln. Und wie die sozialistische Arbeitsmoral aussieht, hat sein Vorgänger Häupl ja auf den Punkt gebracht: Am Dienstagmittag nach Hause gehen.“ Jener versuche damit ohnehin nur, von der "eigenen tiefen Verstrickung in das rot-schwarze Sumpfsystem" abzulenken, das er offenbar mit dem zurückgetreteten ÖVP-WKO-Präsidenten Ruck jahrelang betrieben habe.

Zumindest ist Ludwig nicht der erste heimische Spitzenpolitiker, der sich mit verunglückter Bildsprache an Kickl abarbeiten will. Denn schon im Vorfeld der Fußball-WM setzte sich Grünen-Chefin Leonore Gewessler mit der Aussage in die Nesseln, dass Kickl "wie ein Hooligan am Spielfeldrand" stehe, um dort "mit Pyrotechnik um sich zu werfen und sich noch daran zu ergötzen, wenn es brennt". Dass sie damit abertausende österreichische Fußballfans der Ultrà-Bewegung, wie sie auch in heimischen Fankurven vorherrscht, mit beschimpfte, fiel der Ober-Grünen dabei wohl nicht einmal selbst auf - Der Status berichtete.

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