Europa zahlt die Zeche

Russland-Sanktionen: Wegen Brüssel wird der Diesel teurer

Politik
Bild: Emilius123, Tankstelle in Beindersheim, Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Steigende Dieselpreise alarmieren Europas Wirtschaft: Energieriese TotalEnergies warnt vor einer dauerhaften Kostenexplosion infolge neuer EU-Sanktionen gegen russisches Öl. Experten sehen Folgen für Versorgungssicherheit und Produktionskosten.

Ein Beitrag aus unserer Kooperation mit Unser-Mitteleuropa

Der Chef von TotalEnergies hatte jüngst davor gewarnt, dass die Kostensteigerungen für Diesel-Kraftstoff anhalten werden, Brüssels achtzehntem Sanktionspaket sei Dank, das wichtige Versorgungswege mit Russland unterbrochen hatte. Die Diesel-Verteuerung aufgrund der jüngsten EU-Sanktionen könnte dauerhaft sein, warnen Branchen-Experten.

Dieselpreise weltweit auf Höhenflug

Die jüngsten Sanktionen der EU, die den Import von Ölprodukten aus russischem Rohöl verbieten, treiben laut dem Chef von TotalEnergies, Europas größtem Ölraffinerieunternehmen, die Dieselpreise weltweit in ungeahnte Höhen. Die EU hatte bekanntlich Mitte Juli ihr 18. Sanktionspaket im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt beschlossen, das die Einfuhr von Ölprodukten aus russischem Rohöl verbietet, selbst wenn diese außerhalb der Union raffiniert worden waren, wie neben europäischen auch russische Medien berichteten. 

Außerdem senkte die EU die Preisobergrenze für russisches Öl auf 47,60 US-Dollar und sanktionierte über 100 Schiffe, die Brüssel als "Schattenflotte" bezeichnet hatte, die russisches Öl transportieren und die Sanktions-Beschränkungen umgehen würden. Die europäischen Diesel-Futures sind in den letzten Wochen stark gestiegen und erreichten zeitweise einen Preis von umgerechnet 110 US-Dollar pro Barrel, da Händler nach dem EU-Verbot auf alternative Lieferanten ausweichen, erläuterte TotalEnergies-CEO Patrick Pouyanne am 25. Juli anlässlich der Bekanntgabe der Unternehmensergebnisse für das zweite Quartal.

Kostenexplosion durch lange Transportwege

"Wir gehen davon aus, dass die Dieselpreise auf dem Weltmarkt dauerhaft erhöht bleiben werden", erklärte Pouyanne Bloomberg gegenüber. "Diesel kommt jetzt aus dem Nahen Osten oder aus weiter entfernten Raffinerien in den USA, was die Kosten erhöht." Er fügte hinzu, dass das Verbot von Kraftstoffen aus russischem Rohöl in ausländischen Raffinerien die Versorgungslage weiter verschärft habe. Die EU verhängte auch Sanktionen gegen die indische Raffinerie Vadinar, die sich teilweise im Besitz des russischen Energiekonzerns Rosneft befindet und ein wichtiger Lieferant von raffiniertem russischem Rohöl für die EU gewesen war.

"Die Menschen haben diese Nachricht aus der EU unterschätzt", sagte Pouyanne, "für mich hat das etwas Strukturelles."

US-amerikanisches Rohöl für die Dieselproduktion ungeeignet

Der Firmenchef wies darauf hin, dass die Abkehr von russischen Lieferungen dazu geführt habe, dass Raffinerien auf leichteres Rohöl zurückgreifen, aus dem weniger Diesel gewonnen werden kann. Viele EU-Anlagen haben das russische Ural-Rohöl durch leichteres US-Rohöl ersetzt, was die Dieselproduktion erschwert. Das jüngste Verbot baut freilich auf früheren Sanktionen auf, die bereits direkte Importe von russischem Rohöl und Kraftstoffen eingeschränkt hatten. Ökonomen warnen, dass dieser Schritt nach hinten losgehen könnte, da die EU weiterhin unter einem strukturellen Mangel an Diesel leidet und stark von Russland, einem ihrer wichtigsten externen Energielieferanten, abhängig ist.

Diesel bildet die Grundlage großer Teile der EU-Wirtschaft, wobei vor dem Ukraine-Konflikt mehr als ein Drittel des Kraftstoffs aus Russland bezogen worden war. Russland hingegen hat die Sanktionen als illegal bezeichnet, sie als "zweischneidiges Schwert“ gebrandmarkt und gewarnt, dass jede neue Runde die Auswirkungen auf die Länder, die sie unterstützen, verschlimmern würde.

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