'Totale Energieblockade' gegen Europa

Russisches Öl für die USA: Aber Selenski greift Europas Energieversorgung an

Politik
Bild: Reinis Inkēns, Saeima, CC BY-SA 4.0, Flickr

Um die steigenden Öl- und Gaspreise zu dämpfen, die durch den eigenen Angriff auf den Iran in die Höhe schnellten, setzen die USA vorerst die Sanktionen gegen russisches Öl aus. Einen Schritt, den die EU wegen der Ukraine kaum mitgehen wird. Kiew verschärft inzwischen die Lage auf dem europäischen Energiemarkt, indem es zuletzt die Turk-Stream-Pipeline angriff, die Gas über die Türkei nach Europa transportiert.

USA gönnen sich jetzt Russen-Öl

"Um die globale Reichweite der bestehenden Lieferungen zu erhöhen, erteilt das Finanzministerium eine vorübergehende Genehmigung, die es Ländern erlaubt, russisches Öl zu kaufen, das derzeit auf See festsitzt", zitiert die New York Times den US-Finanzminister Scott Bessent zur vorübergehenden Aufhebung der Sanktionen gegen russisches Erdöl bis zum 11. April. "Diese eng gefasste, kurzfristige Maßnahme gilt nur für Öl, das sich bereits im Transit befindet, und wird der russischen Regierung, die den Großteil ihrer Energieeinnahmen aus Steuern am Ort der Förderung bezieht, keinen nennenswerten finanziellen Vorteil verschaffen", erklärt Bessent weiter. 

Russland wieder am Weltmarkt

Bisher gehörten Sanktionen gegen russische Energieexporte zum guten Ton bei den westlichen Staaten. Darunter die Preisobergrenze für russisches Öl und hartes Vorgehen gegen Russlands sogenannte "Schattenflotte", mit der die Sanktionen umgangen werden. Auch Indien musste durch die USA Zollerhöhungen hinnehmen, weil es nach Ansicht Washingtons zu viel russisches Öl importierte. Die jetzigen Sanktionserleichterungen stellen einen Wendepunkt in der bisherigen Politik dar und sie könnten, je nach Entwicklung der Lage im Iran auch verlängert werden.

Wie das Centre for Research in Energie and Clean Air (CREA) analysiert, befanden sich im Februar etwa 6,9 Mio. Tonnen (2,3 Mrd. Euro) russischen Rohöls auf See, die keinen Abnehmer hatten. Und die Gewinnmarge für die russischen Transporte dürfte deutlich steigen. Laut CREA stiegen die russischen Einnahmen durch Exporte von fossilen Brennstoffen bereits im Februar 2026 um 7 Prozent auf 492 Millionen Euro im Vergleich zum Vormonat - ohne wesentliche Steigerung der Exportmenge. Zugleich hat sich auch der  Preisabschlag für russisches Rohöl verringert.

Und nun ist Russland mit einem Mal der "Nothelfer" und als globaler Player am Energiemarkt zurück. Die EU hingegen, die die von den USA initiierten Russlandsanktionen voll mittrug und stark gestiegene Energiepreise hinnehmen musste, wird den jetzigen Schritt der USA kaum mitgehen. Man kritisiert die Sanktionslockerungen als "selbstzerstörerisch" und läuft Gefahr, am Ende übrig zu bleiben.

Kiews Anschlag auf Energiesicherheit

Denn nicht nur die Situation im Nahen Osten gefährdet die Energieversorgung und sorgt für massive Preisanstiege, sondern auch die Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenski, der zuletzt in seiner unvergleichlichen und wenig bescheidenen Art von der EU forderte, gefälligst einen "Plan B" zu entwickeln, um Kiew das 90 Milliarden Euro-Geschenk auch trotz des ungarischen und slowakischen Vetos zukommen zu lassen, führt anscheinend auch einen Energiekrieg gegen Europa.

So wurde nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur TASS zuletzt wieder die Turk-Stream und die Blue Stream-Pipelines durch die Ukraine angegriffen. Zwar seien die Drohnen abgefangen wurden, aber über die Pipelines wird Gas in die Türkei transportiert, welches von dort teilweise nach Europa und auf den Balkan weitergeleitet wird. Während der Angriff selbst in der jetzigen Situation die EU kalt ließ, rief sie Ungarn auf den Plan, welches ohnehin wegen der Druschba-Pipeline im Streit mit Kiew liegt. 

Versuch einer "vollständigen Energieblockade"

Ungarn macht deutlich, dass es den Angriff als einen weiteren Versuch der Ukraine betrachtet, die Energieversorgung blockieren. So schreibt Ungarns Außenminister Peter Szijjarto auf X: "Die Ukraine blockiert bereits unsere Öllieferungen, und nun nimmt sie auch unsere Gasversorgung ins Visier. TurkStream ist für Ungarn unverzichtbar. Sollte die Pipeline unterbrochen werden, ist die sichere Gasversorgung Ungarns und mehrerer mittel- und südosteuropäischer Länder gefährdet. Es ist klar, was hier vor sich geht. In einem Monat finden in Ungarn Wahlen statt, und die Ukraine versucht, Ungarn einer vollständigen Energieblockade zu unterwerfen..." 

Bei den ukrainischen Angriffen handelt es sich laut dem russischen Verteidigungsministerium um Versuche, die Gasversorgung europäischer Verbraucher zu stören, so die TASS. Laut Gazprom habe es seit dem 24. Februar insgesamt zwölf Attacken auf die Kompessorstationen Russkaja, Beregovaja und Kasatschja gegeben. Zugleich wurden, so berichtet "Bloomberg", auch der, für Erdölexporte wichtige Knotenpunkt Tichorezk in der südlichen Region Krasnodar von der Ukraine angegriffen und beschädigt.

Ein möglicher Stopp russischer Rohölexporte dürfte den Ölmarkt aufgrund des Konflikts im Nahen Osten zusätzlich unter Druck setzen. Aber während europäische Verbraucher angesichts der Preise den Gürtel immer enger schnallen müssen, bekommt Kiew bekanntlich das Geld geschenkt. Auch wenn es mit der letzten Direktlieferung nicht ganz so glatt ging.

+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++

Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!

Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten