Schwarz-Rot als ausgemachte Sache

RLP-Wahl: CDU vorn, SPD bricht ein, verdoppelte AfD bei Jüngeren stark

Politik
Deutschhaus: Torsten Silz/Landtag RLP, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; RLP-Wappen: Wikimedia Commons (public domain); Wahlurne: Freepik; Komposition: Der Status.

Nur zwei Wochen nach der Wahl im benachbarten Baden-Württemberg folgt in Rheinland-Pfalz der nächste politische Stimmungstest. Das Ergebnis ist eine veritable Klatsche für die SPD, die erstmals seit 40 Jahren hinter die CDU zurückfällt. Die AfD legt massiv zu und erringt ihr bestes Ergebnis bei einer westdeutschen Landeswahl. Auch die Grünen müssen Verluste einstecken, während die FDP aus dem nächsten Landtag fliegt. Auch die "Freien Wähler" & die Linke schafften den Einzug nicht. Interessant sind einige Details zum Wählerverhalten.

Historische Wahlschlappe für die SPD

Nur 25,9% und ein Absturz von 10%: Es ist eine historische Niederlage für die SPD und ihren Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer in einem roten Kernbundesland. Zum ersten Mal überhaupt fielen die Genossen unter die 30%-Marke, die allerdings auch die CDU mit ihrem zweitschlechtesten RLP-Ergebnis aller Zeiten nur knapp übersprang (31,0%). Zum ersten Mal seit der Wahl von 1987 kommt die SPD somit in Rheinland-Pfalz nicht auf den ersten Platz. Dass der Einbruch nicht noch deutlicher ausfiel, lag an rund 14.000 "Leihstimmen" aus dem grünen Lager. 

Große Gewinnerin der Wahl ist hingegen die AfD, die sich auf 19,5% (+11,2%) mehr als verdoppelt. Denn die AfD konnte Wähler von ausnahmslos allen anderen Parteien abwerben, die meisten von CDU & SPD (36.000 bzw. 31.000) und mobilisierte laut "infratest dimap" auch rund 83.000 bisherige Nichtwähler. Ein gebrauchter Tag war es auch für die bislang mitregierenden Grünen, sie erhielten nur noch 7,9% (-1,4%). Die FDP fliegt hochkant nicht nur aus der Regierung, sondern auch aus dem Landtag (2,1%). Die dortige Ampel-Regierung verlor wohl auch durch die schlechte Bewältigung der zerstörerischen Ahrtal-Flut massiv an Zuspruch. 

Beim Staatsfunk erklärt man trotzdem die SPD mal zum "Sieger dieser Wahl"...:

2/3-Mehrheit mit nur 57% der Stimmen?

Weil auch die Linke (4,4%) und die bislang im Mainzer Landtag vertretenen "Freien Wähler" (4,2%) den Einzug verpassten, sind auch in Rheinland-Pfalz künftig nur noch vier Fraktionen auf Landesebene vertreten. Die ARD-"Tagesschau" rechnet auf dieser Basis mit folgender Mandatsverteilung: CDU 39, SPD 32, AfD 24, Grüne 10 - was absurderweise bedeutet, dass eine praktisch als fix geltende schwarz-rote Koalition mit nur knapp 57% der Stimmen trotzdem knapp eine 2/3-Mehrheit der Mandate erränge.

Die AfD hingegen kann auf für sie durchaus einen positiven Wahlausgang zurückblicken: Mit 19,8% erreicht man fast exakt das Ergebnis bei der Bundestagswahl in Rheinland-Pfalz (20,1%) - in Baden-Württemberg büßte man geringfügig mehr ein. Zwar wäre angesichts der seither gestiegenen Umfragelage im Bund auch hier noch Potenzial nach oben. Doch die Demographie könnte auch in diesem Bundesland künftig auf der Seite der patriotischen Opposition sein. 

AfD bei jungen Wählern & Arbeitern stark

Denn bei allen Wählergruppen unter 45 Jahren wurde die AfD stärkste Kraft: Bei Wählern unter 25 bzw. von 25-34 Jahren ist man mit 21% bzw. 20% knapp vor der SPD (19%), bei den 35 bis 44-jährigen hingegen relativ deutlich. In dieser Alterskohorte errang sie starke 27%, ist damit merklich vor der CDU (23%) und SPD (21%). Diese werden wiederum v.a. durch ihre langjährigen Stammwähler im Rentneralter "am Leben gehalten": Bei Rentnern kommt die CDU auf 39%, die SPD auf 35% - und die AfD nur auf 15%. 

Spannend ist in diesem Zusammenhang allerdings der Umstand, dass die Linke den Einzug verfehlte, obwohl sie bei Wählern unter 35 Jahren deutlich zweistellig wäre, womit sich die überdurchschnittlich alte Bevölkerungstruktur in Rheinland-Pfalz bemerkbar macht. Unangefochten ist die AfD übrigens auch bei den Arbeitern: Dort erringt sie unfassbare 39% der Stimmen und ist stärker als SPD (21%) und CDU (15%) kombiniert. 

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