In der Not frisst der Teufel Fliegen...?

Provinzposse in Bayern: AfD-Liberaler will jetzt für FDP kandidieren

Politik
Banner: Freie Demokratische Partei, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0; Meier: (C) Bürgerinfo Landkreis Passau; Sprechblase: Freepik; Komposition: Der Status.

Not macht erfinderisch: Weil die aufstrebende AfD ihn nicht mehr für Kommunalwahlen aufstellen will, kokettiert der Passauer Kreisrat Johann Meier mit einer Kandidatur für die bundesweit völlig abgemeldete FDP. Doch auch wenn man sprichwörtlich einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, wollen die Liberalen den bei der Konkurrenz ausrangierten Politiker selbst nicht. Sie bleiben lieber kandidatenlos und machen sich über die "peinliche Idee" lustig...

Ausrangierter "LibKon" wird erfinderisch

Die AfD führt mittlerweile bundesweit in Umfragen, selbst im tiefschwarzen Bayern ist sie längst mit Abstand zweitstärkste Kraft. Im traditionsbewussten Niederbayern gilt dieser Befund umso deutlicher. Entsprechend hat die patriotische Partei dort kein Problem, ihre Listenplätze mit engagiertem Personal zu besetzen. Naturgemäß geht dies manchmal auch zulasten altgedienter Weggefährten, insbesondere solchen, deren Profil mehr dem Ankommen im Politbetrieb als kerniger Opposition entspricht. Einer dieser Personen aus der Kategorie "selten aufgefallen" ist der Passauer AfD-Kreisrat Johann Meier, der sich.

Der Landwirt, bis 2011 einst selbst CSU-Ortsvorsitzender in seiner Heimatgemeinde, sorgte letztlich nur zweimal für Schlagzeilen. Einmal mit einem Plakat, das das Parteikürzel als "Alles für Deutschland" begriff und ihm - zugegeben absurde - Ermittlungen der Kriminalpolizei einbrachte. Und einmal mit einer zerknirschten "Bestreikung" einer Kreisratsitzung, weil er im Streit über Straßensanierungen mit einem CSU-Politiker so sehr aneinander geriet, dass er 11 Tage später immer noch keine Lust auf Sitzung hatte. Als er vor 5 Jahren für das Landratsamt in Passau kandidierte, landete er mit 8,4% abgeschlagen auf dem 4. Platz hinter den Wahlwerbern von CSU, Freien Wählern & SPD.

Kein Platz mehr: Anbiederung an FDP

Vor Ort setzt man nun auf anderes Personal: Fünf der sechs bisherigen Kreisräte werden für die anstehenden Kommunalwahlen nicht mehr aufgestellt. Meier wittert darin eine Intrige des Landtagsmandatars & Kreisvorsitzenden Ralf Stadler, dem er über die "Passauer Neue Presse" ausrichten lässt. Stadler wiederum gilt als geradliniger, vorfeldnaher patriotischer Politiker, der aus seinem Herz keine Mördergrube macht. Neben scharfer Kritik an der Massenmigration, am Corona-Regime und den Stiefeltruppen des Systems machte er u.a. mit einem Video von sich reden, in dem er einen renitenten Migranten, der einen Zug an der Weiterfahrt hinderte, kurzerhand auf den Bahnsteig beförderte.

In der Erzählung von Meier, dem die Zeitung allzu gerne eine Bühne bereitet, ist Stadler hingegen der böse Intrigant, der seine Widersacher einfach "absägt". Wie dem auch sei: Meier lässt nun nichts unversucht, um trotzdem für den Kreisrat kandidieren zu können. Nach dem Scheitern der Idee einer eigenen Namensliste biedert er sich nun der FDP ab: "Durch mich hätten sie einen Landratskandidaten. Ich denke schon, dass ich der FDP helfen kann." Die Liberalen, die vor ihrem Rauswurf aus dem Bundestag schon 2023 in Bayern aus dem Landtag flogen, verzichteten nämlich in der politischen Bedeutungslosigkeit angekommen auf die Nominierung eigener Kandidaten...

FDP höhnt über "verzweifelten Schritt"

Der liberalkonservative Meier ließ auch durchklingen, dass er sich der Ex-Ampel-Partei verbundener fühlt als seiner bisherigen politischen Heimat: Er trat an den aktuell einzigen FDP-Kreisrat heran und bekundete, wie sehr er sich doch mit den Zielen der FDP identifiziere. Und wähnt sich im gleiche Atemzug als Politprofi vom Kaliber einer Sahra Wagenknecht. Ihn treiben laut eigenen Ansagen auch keine großen Visionen an, sondern er will nach Höherem streben. Und das ist vor allem wortwörtlich zu nehmen: "Mir geht es darum, nochmal als Landratskandidat anzutreten und auf dem Plakat über [CSU-Landrat, Anm. d. Red.] Raimund Kneidinger an der Straßenlaterne zu hängen."

Doch selbst bei der geprügelten Partei will man kein politisches Chamäleon. Das Anbiedern an die Partei, die im Bund unlängst mit SPD & Grünen koalierte, erntet ihm von dieser keinen Katzentisch, sondern Hohn. FDP-Kreisvorsitzender Jan Ernst sprach von einem "verzweifelten Schritt" und einer "sehr peinlichen Idee". Meier habe "scheinbar bereits in der AfD seinen Platz verloren" und die Liberalen "bedauern es nicht, ihm auch diesen Platz bei uns nicht zu gewähren". Er bat, künftig Abstand von solchen Anfragen zu nehmen: "Realsatire sollte den entsprechenden Formaten überlassen werden und nicht im Kreistag stattfinden." Wer den Schaden hat, braucht für Spott eben nicht zu sorgen... 

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