PR-Desaster in Paris: Stocker versteckt sich in 3. Reihe der Kriegstreiber
Hintergrund & Pfeil: Magnific; Screenshot: X; Komposition: Der Status.
So wirklich scheint eine gelungene Außendarstellung nicht das Fachgebiet von Christian Stocker (ÖVP). Denn nicht nur nahm der Bundeskanzler an einem Treffen einer sogenannten "Koalition der Willigen" zur weiteren Aufrüstung der Ukraine teil - sondern man muss ihn auf dem zugehörigen Propagandabild auch noch suchen. Damit schafft er das Kunststück, unser Österreich gleich auf zwei verschiedene Art und Weisen gleichzeitig fragwürdig zu vertreten.
Säbelrasseln bei Manöver in Polen
Die sogenannte "Koalition der Willigen" macht ernst: Mit einem Militärmanöver in Polen zur Unterstützung der Ukraine will man die Muskeln gegenüber dem russischen Bären spielen lassen. Wie der französische Präsident Emmanuel Macron am Rand eines Treffens der Gruppe in Paris erklärte, wolle man zeigen, dass man "entschlossen und glaubwürdig am Boden, in der Luft und auf dem Meer" bereit sei.
Laut Polen-Premier Donald Tusk, dessen Land als Gastgeber der Übung fungieren soll, seien französische und britische Truppen definitiv Teilnehmer. Der Sinn der Aktion soll die Vorbereitung "konkreter Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region" sein. Obwohl man nicht mit einem baldigen Frieden rechne, wolle man Russland so an den Verhandlungstisch zwingen, so die Logik.
Bei Kriegstreibern in der 3. Reihe...
Insgesamt vereinigen sich in der "Koalition der Willigen" zur verstärkten Unterstützung der Ukraine neben EU & NATO auch 34 Länder, die Mehrheit davon auch Mitglied beider Bündnisse. Neben Großbritannien und Frankreich bringt sich auch Deutschland unter CDU-Kanzler Friedrich Merz verstärkt in die Koalition ein. Neu dabei seit Montag sind Moldau und Nordmazedonien. Das immerwährend neutrale Österreich ist kein Mitglied - anders als Zypern und Irland, die militärisch ebenfalls (noch) neutral sind.
Doch dies hielt ÖVP-Kanzler Stocker offenbar nicht davon ab, dennoch am Kriegstreiber-Treffen in Paris teilzunehmen. Dies weist zumindest das von Tusk geteilte Bild aus. Wer genau hinschaut, erkennt den schwarzen Parteichef versteckt in der 3. Reihe, an 10. Position von rechts. Zu erkennen ist neben seiner markanten Glatzenfrisur nur noch die Hälfte seines Kopfes.
Was macht da @_CStocker auf diesem Foto?
— Richard Schmitt (@Schmitt_News) July 14, 2026
Das neutrale Österreich hat sich aus dieser "Koalition der Willigen" komplett rauszuhalten - wir Österreicher wollen nicht unsere Neutralität mit dem Ausbau der Militärhilfe für die #Ukraine und mit Sicherheitsgarantien für die Regierung… https://t.co/NtkDnMOxfl
Neutralität und Ansehen beschädigt?
Dies wirft gleich mehrere Fragen auf. Zum einen die naheliegende: Wieso sollte Österreich, das eines von nur 10 dauernd neutralen Staaten der Welt ist, sich überhaupt an einer derartigen "Koalition der Willigen" zur Unterstützung einer kriegsführenden Partei anschließen? Für rund 80% der Österreicher ist diese Neutralität identitätsstiftend und somit unverrückbar. In allen Altersgruppen sind zwischen 65 und 88% dieser Ansicht. Nicht einmal jeder zehnte Österreicher hält deren Abschaffung für eine gute Idee.
Doch auch für die kleine Minderheit jener, welche die Neutralität als überkommenes Relikt sehen, gibt es genug Anlass, sich über die Stocker-Teilnahme aufzuregen. Denn eine selbstbewusste, aktive Einbringung ins Treiben auf dem geopolitischen Parkett sieht anders aus, als irgendwo im Hintergrund zu stehen. Unter den rund 6.700 Soldaten, die anlässlich des französischen Nationalfeiertags auf den Champs-Elyssee marschierten, befanden sich übrigens auch sagenhafte 23 heimische Garde-Soldaten.
Stocker inszeniert sich dennoch als Macher
Die Sache wäre übrigens nur halb so skurril, wenn es nur das Tusk-Bild gäbe. Doch Stocker selbst versuchte, sich auf seinem eigenen X-Konto als großen Macher zu inszenieren. Er teilte dort nämlich Bilder, die suggerieren, als stünde er in der Mitte des Geschehens.
At the Coalition of the Willing in Paris: Ukraine's security is Europe's security. What is discussed here doesn't just concern Ukraine, it concerns all of us.
— Christian Stocker (@_CStocker) July 13, 2026
Austria is neutral, not indifferent. We stand for dialogue and for a lasting peace in Ukraine. (BK)
© BKA/Schrötter pic.twitter.com/KJm1QPd0QP
Dasselbe Schauspiel lieferte Stocker auch zur Militärparade - ein Bild von sich selbst ganz lässig mit Sonnenbrille in der Mittel des Bildes und eine weitere Einstellung, die rund ein Viertel der Bundesheer-Abordnung zeigt. Es ist wie immer alles eine Frage der Perspektive und der Selbstdarstellung...
Bonne fête nationale, France! 🇫🇷
— Christian Stocker (@_CStocker) July 14, 2026
This year's parade carries a fitting motto: Europe's strategic awakening. We live in turbulent times, and that is exactly why Europe must take responsibility for its own security. Thank you, @EmmanuelMacron, for the invitation to celebrate this… pic.twitter.com/8hA4hqt5BL
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