Nach SPÖ-Rauswurf: Dornauer kritisiert 'linkslinken' Babler-Kurs
Es war der Polit-Aufreger der Woche: Die Tiroler SPÖ warf ihren Ex-Obmann Georg Dornauer aus Partei und Klub. Dieser hatte zuvor einen Antrag auf Rückzahlung der Übergewinne des landesnahen Energieversorgers TIWAG gestellt - eigentlich eine rote Forderung aus Oppositionszeiten. Doch nun opferte man ihn der schwarz-roten Koalitionsräson im Land. Nach dem Schachzug kritisiert Dornauer nun den "linkslinken" Kurs der Gesamtpartei unter Andreas Babler, mit dem die SPÖ inzwischen auf unter 19% in Umfragen absackte.
Ausschlussgrund wirkt wie Realsatire
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen - und der kam diesmal ziemlich dick und sogar von einem Vertreter des Koalitionspartner in Land und Bund. Denn der Tiroler ÖVP-Nationalratsmandatar Franz Hörl kommentierte amüsiert: "Wenn ein Sozialdemokrat eine geladene Waffe in einem unversperrten Porsche liegen lässt, reicht das nicht für einen Parteiausschluss. Wenn ein Sozialdemokrat mit René Benko gemeinsam auf die Jagd geht, reicht das nicht für einen Parteiausschluss. Aber wenn ein Sozialdemokrat eine sozialistische Forderung im Landtag einbringt, dann reicht das augenscheinlich bei der Tiroler SPÖ für einen Ausschluss."
Damit war der - selbst nicht gerade skandalarme - schwarze Politiker in der Deutung des absurden und realsatirisch anmutenden Vorgangs ausnahmsweise derselben Meinung wie das Satireportal "Die Tagespresse". Die rote Klubobfrau im Landtag, Elisabeth Fleischanderl, hatte den Rauswurf am Donnerstag so begründet: "Menschlich mögen wir eine solche Entwicklung bedauern, doch sie ist alternativlos, um unsere gemeinsame Arbeit für Tirol fortsetzen zu können." Und Philipp Wohlgemuth, immerhin Dornauers Nachfolger als roter Landeshauptmann-Vize gab in der folgenden Pressekonferenz gar zu, dies der ÖVP zuliebe zu tun...
Auch in sozialen Medien sorgt der Ausschluss für Aufregung:
Dornauer wurde von der SPÖ ausgeschlossen, weil er für Rückzahlung von "Übergewinnen" eingetreten ist.
— Lukas | 🌐 (@lukasludens) October 3, 2025
Ich glaube der hat nicht verstanden, dass das Geschäftsmodell der SPÖ ist, alles mögliche zu versprechen und in der Regierung dann Posten zu holen und die Steuern zu erhöhen. pic.twitter.com/wW6PHBc5rk
Dornauer-Kritik an "linkslinkem" Kurs
Auch Dornauer meldete sich inzwischen zu Wort - und sparte nicht mit scharfer Kritik in Richtung seiner Genossen. Jenen in seiner Tiroler Heimat richtete er aus: "Sie haben nicht nur den Dornauer ausgeschlossen, sondern auch den Markenkern und unsere Prinzipien verraten. Damit haben sie der Sozialdemokratischen Partei ungleich mehr geschadet als mir." Mit dem Kurs der Bundespartei kann Dornauer sowieso wenig anfangen: "Jene, die derzeit das Regime in der Löwelstraße führen, verfolgen ihren linkslinken Kurs, und das muss man leider zur Kenntnis nehmen." Damit führte Babler die SPÖ ins Allzeit-Umfragetief von 18,7% und in der Kanzlerfrage sogar auf 10%.
Dies findet Dornauer zwar "gelinde gesagt, desaströs" - aber verweist auch darauf, dass der Vizekanzler sich mitsamt seiner Konsorten "leider gut einzementiert" habe. Tatsächlich schienen seit dessen Übernahme des Parteivorsitzes besonders die Babler-Kritiker innerhalb der Partei das Handtuch zu werfen oder urplötzlich über Skandale und Skandälchen zu stolpern. Im Vorjahr legten neben Dornauer selbst in Tirol auch die Chef-Roten in Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark ihr Amt zurück - allesamt Personalien, die nicht gerade als Babler-Fans vor dem Herrn galten. Zuletzt ging mit Kaiser ein weiterer Landeschef, der einst dem Doskozil-Lager zuzurechnen war.
Bablers Kritiker wollen nicht verstummen...
Doch so recht will den Babler-Getreuen die stille Säuberung der Reihen nicht gelingen, denn der Linksruck kehrt in den meisten dieser Bundesländer nicht ein. Mit Lercher in der Steiermark, Fellner in Kärnten und Winkler in Oberösterreich übernahmen durchwegs wieder Leute, die nicht gerade als Babler-Getreue gelten. Dass der neue starke Mann in Kärnten kein Fan der Vranitzky-Doktrin ist und damit auch in der FPÖ "in vielen Ansätzen einen Partner" wähnt, versetzte so manche linksliberale Schreibstube bereits in regelrechte Schnappatmung. In Tirol hingegen will man offenbar vor allem Posten abstauben & Mehrheiten beschaffen...
Und Dornauer dürfte seiner nunmehrigen Ex-Partei weiterhin einiges Kopfzerbrechen bereiten - und das nicht nur als neuerdings "wilder" Abgeordneter im Landtag. Denn formell ist er - Stand Sonntagabend - auch noch Mitglied des SPÖ-Bundesparteivorstandes. Unter Umständen könnte er dieses Amt noch bis zum regulären Parteitag im kommenden Jahr ausüben. Wie ZiB2-Anchor Martin Thür zu vermelden wusste, will Dornauer aber keinen Zugriff mehr auf den Gruppenchat haben. Überhaupt sei es unklar, ob der Ausschluss rechtens ist - schließlich müsste er dafür eine "politische Gefahr" für die Partei darstellen - was er durch einem Antrag entlang des Wahlprogramms wohl kaum tat...
Noch nicht ganz klar ist mir, wie die SPÖ den Ausschluss rechtfertigt. Laut Statut braucht es dafür eine „politische Gefahr“ für die SPÖ. Dornauers Antrag ist aber exakt entlang des Wahlprogramms formuliert. Anfrage ist raus. pic.twitter.com/gSExf9TSVe
— Martin Thür (@MartinThuer) October 5, 2025
+++ Folgt uns auf Telegram: t.me/DerStatus & auf Twitter/X: @derStatus_at +++
Dir gefällt unsere Arbeit? Unterstütze uns jetzt mit deiner Spende, damit wir weiterhin berichten können!
Kontoinhaber: JJMB Media GmbH
IBAN: AT03 1500 0043 9102 6418
BIC: OBKLAT2L
Verwendungszweck: Spende