Schaurige Seilschaften in Bayern

Mit CSU-Sanktus: Linker Aufmarsch vor AfD-Büro an Antifa-Anschlag-Jahrestag

Politik
Blaues Haus: Ulwald, Wikimedia Commons; Antifa: Montecruz Foto, Flickr, CC BY-SA 2.0; Lange Nacht: Demokratisches Perlach/Instagram (Bildzitat); Komposition: Der Status.

Im ominösen "Kampf gegen Rechts" sind den Altparteien die abenteuerlichsten Seilschaften billig. Für Aufregung sorgt nun in München der Umstand, dass ein Linksaußen-Bündnis am Freitag in unmittelbarer Nähe eines AfD-Bürgerbüros unter Schirmherrschaft der CSU-Landtagspräsidentin ein Event zur "Langen Nacht der Demokratie" veranstaltet. Brisant: Es ist auch der Jahrestag eines gefährlichen Antifa-Brandanschlags auf selbiges. Nicht von schlechten Eltern sind auch die Netzwerke rund um das Projekt - denn diese lassen anklingen, dass die Bürgerlichkeit nur eine sorgsam gepflegte Fassade ist.

"Unsere Demokratie" feiert ihre "Werte"

Werte, Demokratie und ganz besonders "demokratische Werte": Eigentlich hehre Worte, die im "freiesten Deutschland aller Zeiten" allerdings längst zu leeren Floskeln der Tugendhuberei geworden sind, mit denen der polit-mediale Komplex sich als Torwächter selbiger präsentieren will. Mithin geht es nur noch um das Festklammern an den eigenen Pfründen und den Ausschluss der kritischen Opposition von jeglicher politischer Teilhabe. Entsprechend verkommt auch die bayernweit unter Schirmherrschaft der Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) veranstaltete "Lange Nacht der Demokratie" inzwischen endgültig zur Farce.

Einst 2018 als Projekt der freistaateigenen Stiftung "Wertebündnis Bayern" ins Leben gerufen, findet diese alle zwei Jahre am 2. Oktober, also direkt vor dem Tag der Deutschen Einheit statt. Zu den Initiativen, die sich daran beteiligen, zählt auch "Demokratisches Perlach". Deren Selbstverständnis macht keinen Hehl daraus, dass die AfD ihrer Ansicht nach nicht Teil "unserer Demokratie" sei. Man ärgert sich, dass die "rechtsextremistische" Partei ein Büro in Perlach eröffnet habe. Man warnt auf Flyern vor "braunem Spuk" und "Naziparolen" und fantasiert sich herbei, dass der Stadtteil alleine durch die Präsenz der stärksten Oppositionspartei "zur Aufmarschzone rechter Kader" würde.

Linker Aufmarsch am Anschlag-Jahrestag

Das Event, zu dem sich u.a. auch die einschlägig bekannten "Omas gegen Rechts", der Migrationsbeirat sowie ein linkes Wohnprojekt angekündigt haben, stößt dem dort wirkenden AfD-Landtagsabgeordneten René Dierkes sauer auf. Auch weil genau 1 Jahr zuvor ein Antifa-Anschlag auf sein Büro stattfand, bei dem in einer Werkstatt im selben Haus ein sechsstelliger Sachschaden entstand, der Tatverdächtige zeigte sich in der Folge wenig reumütig - Der Status berichtete. Dierkes meint hierzu: "Wie zum Hohn findet diese Veranstaltung nicht nur zum Jahrestag des Brandanschlags, sondern auch in derselben Straße, in unmittelbar räumlicher Nähe zu meinem Bürgerbüro 'Blaues Haus' statt."

Dass sich Aigner als "Schirmherrin" hergebe, obwohl derselbe Linksextremist auch ein CSU-Büro am selben Tag angriff, empfindet der AfD-Politiker als geschmacklos. Ein handfester Skandal sei indessen, dass sich "der linksextreme Verein" laut eigener Aussage zur Verhinderung seines Bürgerbüros gegründet habe und sogar städtische Fördergelder erhalte. Das sei somit eine "offene Sabotage" seines Wirkens als demokratische gewählter Abgeordneter, zu dessen Pflichten eben auch die Unterhaltung eines Wahlkreisbüros gehöre. Dass alle anderen Parteien im Landtag im Vorjahr einen AfD-Antrag zur finanziellen Trockenlegung von Antifa-Vereinen stellte, sei ebenso bezeichnend.

Anbandeln mit Antifa-Journalist Andreasch

Dass der unter bürgerlicher Fassade agierende Verein "Demokratisches Perlach", der etwa auch am Tag des Grundgesetzes (!) zur einer Demo für ein AfD-Verbot mobilisierte, ein Naheverhältnis zu Antifa-Kreisen pflegt, ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich - sehr wohl aber auf den zweiten. So veranstaltete der Verein, etwa im Vorjahr ein "Gespräch" mit dem Antifa-Journalisten Robert Andreasch. Dieser fungiert zeitgleich als Mitarbeiter des linksradikalen a.i.d.a.-Archivs als auch als Autor für den öffentlich-rechtlichen BR. Die Kontakte von Andreasch, der zu Corona-Zeiten u.a. auch über "Pandemieleugner_innen" wetterte, zum harten linken Rand sind mannigfaltig.

So trat er mehrfach als Redner bei der vom bayerischen Verfassungsschutz als linksextrem eingestuften Gruppe "antifa_nt", sowie bei einer Antifa-Gruppe in Rosenheim auf. Er teilt immer wieder "Recherchen" einschlägiger Antifa-Portale in sozialen Medien. Im Zeitfenster rund um die Antifa-Proteste gegen die Eröffnung von Dierkes' Büro im August 2024 war Andreasch ebenfalls mitsamt seiner Kamera vor Ort. Wohlwollend mobilisierte er für den linksextremen Aufmarsch. Bei der Frankfurter Buchmesse soll er 2019 den Stand des neurechten "Antaios"-Verlag stundenlang aufdringlich belagert und dessen Inserenten abgelichtet haben.

Mit linken Politikern & deren Vorfeld vernetzt

Auch Altparteien-Politiker sind im Umfeld von "Demokratisches Perlach" tätig, allen voran etwa SPD-Stadträtin Lena Odell, für die sogar eine Vorstandsfunktion im Raum steht. Diese beteiligte sich am 9. Jänner 2025 auch an einer Demo der Initiative gegen das AfD-Büro, das zugehörige Bildmaterial zeigt u.a. auch eine Antifa-Fahne. An anderen Terminen nahm sie an Flyer-Aktionen der Gruppe gegen das Büro der Konkurrenz teil. Zudem wurde laut einem älteren X-Beitrag von Dierkes u.a. auch Barbara Likus (ebenfalls SPD) sowie Christian Smolka und Susanne Kurz (beide Grüne) im Umfeld des linken Vereins verortet.

Enge Beziehungen dürfte "Demokratisches Perlach" zudem zur "Sozialistischen Jugend Deutschlands - Die Falken" unterhalten. Denn die monatlichen Aktiventreffen finden in im Falken-"Jugendcafé" in der Hochhäckerstraße statt. Die "Falken" standen historisch der SPD nahe, sind in München aber deren klare Linksausleger. Erst vor 3 Jahren liefen "Falken" bei 1.-Mai-Demos in der bayerischen Landeshauptstadt u.a. mit einem Banner umher, auf dem zu lesen war: "FALKEN - Freshe Arbeiter*innen Lieben Kommunismus! Enteignen Now!" Skurriles Detail am Rande: Das Jugendcafé richtet sich an die U27-Zielgruppe - manche teilnehmende "Oma gegen Rechts" dürfte 1-2 Semester älter sein... 

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