Linke Heldinnen erfunden: SPÖ verdreht Geschichte wegen Muttertagsgruß
Hintergrund: Magnific; Screenshot: X; Ebner-Eschenbach: KI-generiert auf Basis eines Gemäldes von Karl von Blaas (1873)(gemeinfrei); Komposition: Der Status.
Nachdem FPÖ-Vizeklubobfrau Susanne Fürst einen völlig harmlosen Muttertagsgruß ("Mütter gegen Links") verbreitete, verlor die SPÖ-Politikerin & Frauenring-Chefin Klaudia Frieben völlig die Fassung. In einem beachtlichen Anfall von Geschichtsklitterung behauptete diese nämlich, dass sämtliche Rechte von Frauen auf linke Politikerinnen zurückgehe und suggerierte auch, dass rechte Parteien noch nie etwas für das Wohlergehen von Frauen getan hätten...
Friebens linke Phantom-Heldinnen
Das marxistisch-sozialistische Weltbild verlangt geradezu zwingend, sich zum Befreier aller Unterdrückten und Benachteiligten aufzuspielen. In Wahrheit laufen die Arbeitereiner immer "woker" auftretenden SPÖ längst in Richtung der Freiheitlichen davon, während man sich stattdessen u.a. Migranten als "Ersatz-Entrechtete" erkürt, die allerdings auch nur so lange rote Schützlinge sind, wie sie nicht andere politische Präferenzen haben. Und dann ist da noch die große Erzählung der Emanzipation der Frau, die ohne die Heilsbringer der Sozialdemokratie vermeintlich eine Gesellschaftsstellung wie in Saudi-Arabien innehätten.
Genau dieses Geistesabbild blies Klaudia Frieben - die mitunter auch bei Frauenmorden durch Ausländer stattdessen alle Österreicher entwaffnen will (Der Status berichtete) - am Sonntagabend in den Äther. In Reaktion auf einen Tweet von FPÖ-Powerfrau Susanne Fürst ("Ich wünsche euch einen schönen Muttertag. / Mütter gegen Links ;-)") schrieb sie allen Ernstes: Ohne linke Frauen gäbe es kein Karenz(Kinderbetreuungs)Geld, keinen Mutterschutz, keinen eigenständigen Pensionsanspruch und Frau Fürst hätte nicht studieren können. Weil die Linken den freien Bildungszugang erkämpft haben. Was haben rechte Parteien für Frauen getan? #zornig".
Ohne linke Frauen gäbe es kein Karenz(Kinderbetreuungs)Geld, keinen Mutterschutz, keinen eigenständigen Pensionsanspruch und Frau Fürst hätte nicht studieren können. Weil die Linken den freien Bildungszugang erkämpft haben. Was haben rechte Parteien für Frauen getan? #zornig
— Klaudia Frieben (@klaudia_frieben) May 10, 2026
Mitte-Rechts-Ausbau des Karenzgeldes
Einzig: Dieser Zorn baut auf einem Luftschloss auf, denn er fußt nicht auf geschichtlicher Realität. So gab es das Karenzgeld in Österreich bereits seit 1960. Eingeführt wurde es zwar tatsächlich durch die ÖVP/SPÖ-Koalition unter Julius Raab, allerdings befand sich damals noch keine Frau auf der Regierungsbank. Die erste Ministerin sollte einige Jahre später die ÖVP-Sozialministerin Grete Rehor (ab 1966) sein, die sich als Christgewerkschafterin tatsächlich für "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" einsetzte, als Kriegswitwe selbst Alleinerzieherin war und trotzdem ihrer Tochter das Studium ermöglichte. Die SPÖ unter Kreisky besetzte das Ressort erst 1976 mit einer Frau, nämlich Ingrid Leodolter.
Doch über die Jahre hinweg gab es Kritik am Karenzgeld: Denn es war an ein vorheriges Dienstverhältnis gebunden. Entsprechend hatten z.B. Studentinnen, Bäuerinnen, Selbständige & Hausfrauen keinen Anspruch darauf. Dies änderte sich erst in der ersten schwarz-blauen Regierung. Damals stellte die FPÖ mit Susanne Riess-Passer die bislang weiterhin einzige (!) Vizekanzlerin. Auf Vorschlag der damaligen FPÖ-Sozialministerin Elisabeth Sickl wurde daraus das Kinderbetreuungsgeld, das nun allen Müttern zustand. Endgültig eingeführt wurde es dann unter ihrem Nachfolger Herbert Haupt (ebenfalls FPÖ). Der linksliberale "Standard" agitierte damals übrigens gegen die Ausweitung.
Bürgerliche erkämpften Studium & Mutterschutz
Der eigenständige Pensionsanspruch stammt aus dem Jahr 1955 und hatte mit Sozialminister Karl Maisel einen roten Urheber, allerdings eben einen Mann. Der Mutterschutz wiederum hat in Österreich eine noch längere Tradition - er geht originär auf 1885 zurück. Ab diesem Zeitpunkt mussten auch werkstätige Frauen die ersten vier Wochen nach der Geburt nicht arbeiten, damals eine riesige Errungenschaft. Frauen hatten freilich noch kein aktives - geschweige denn passives - Wahlrecht, und Männer nur ein ungleiches nach Ständen und Kurien gegliedert. Der erste Sozialdemokrat sollte wiederum überhaupt erst 1897 in den Reichsrat einziehen.
Dasselbe gilt daher auch für die Behauptung, dass Frauen ohne den Einsatz "linker Frauen" nie hätten studieren dürfen. Der weibliche Hochschulzugang wurde zwischen 1895-1900 schrittweise eingeführt. Instrumental dafür war u.a. der "Verein für erweiterte Frauenbildung", in dessen Dunstkreis sich mutige Vorkämpferinnen wie Marie von Ebner-Eschenbach, Marianne Hainisch, Ottilie Bondy, Marie Schwarz, Marie Boßhart-Demergel, Marie Glassner, Marie von Najmajer oder Ernestine Thorsch einfanden. Von keiner einzigen dieser Damen ist eine "linke" Biographie bekannt. Schwarz & Hainisch engagierten sich bürgerlich-liberal in der Politik, Ebner-Eschenbach galt als "rebellische Konservative".
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