Ex-Gesundheitsminister erntet Shitstorm

'Können drauf verzichten': Lauterbach ätzt über deutsche Auswanderer

Politik
Symbolbild: Magnific; Screenshot: X; Komposition: Der Status.

Wer nicht den Löwenanteil seines Arbeitslohns an den Staat abdrücken will, den braucht Deutschland nicht: Mit dieser Haltung dürfte Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ziemlich allein dastehen, wie der riesige Shitstorm zeigt, mit dem er über die Auswanderungsgelüste hochqualifizierter junger Deutscher und deutscher Familien höhnte.

Deutschland hat ein Abwanderungsproblem

Deutschland kämpft seit Jahren mit der Abwanderung seiner hochqualifizierten Fachkräfte. Alleine im Vorjahr kehrten 288.579 Deutsche der Bundesrepublik den Rücken - Tendenz steigend. Und allzu oft ist es ein One-Way-Ticket: Die Rückkehr von rund 190.000 Deutschen aus dem Ausland bedeutet ein Wanderungssaldo von minus 97.000 Personen. Auch dieser Trend geht konstant in Richtung Abwanderung, letztmalig gab es 2004 mehr Zuzüge von Deutschen aus dem Ausland als Fortzüge von Deutschen in fremde Gefilde.

Neben beruflichen & familiären Gründen wird dabei auch Unzufriedenheit mit dem Leben in einem immer bürokratischeren Deutschland, in dem man immer seltener seine Meinung sagen kann, oft als eines der Hauptmotive genannt. Auch der Umstand, dass Deutschland ein Hochabgabenland ist, fällt ins Gewicht: Bei einer durchschnittlichen Abgabenlast von knapp 48% liegt man deutlich etwa vor der Schweiz (22,3%) und den USA (30,2%), gemeinsam mit Österreich zwei der drei beliebtesten Zielländer der Emigranten.

"Auf diese Leute können wir verzichten"

Besonders verheerend ist dabei der Umstand, dass deutsche Auswanderer im Schnitt hochqualifiziert sind - laut manchen Erhebungen haben bis zu 72% von ihnen einen tertiären Abschluss irgendeiner Art, verglichen mit 26% in der Gesamtbevölkerung. Deutschland verliert also in hohem Maße seine Akademiker & Handwerksmeister. Außerdem suchen v.a. Familien bzw. Leute im Familiengründungsalter das Weite: Rund 29% der deutschen Auswanderer sind Kinder unter 14 Jahren, gar 36% zwischen 25-44 Jahre alt. Im gleichen Atemzug holt man sich unzählige unterqualifizierte, am Arbeitsmarkt kaum oder nur in den Niedriglohnsektor vermittelbare Migranten in großer Zahl ins Land...

Während sich Experten aus zahlreichen Gebieten seit Jahrzehnten den Kopf zermartern, wie man den "Brain Drain" stoppen kann, scheint einer allerdings gar kein Problem zu haben: Denn SPD-Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach ist offenbar der Meinung, dass man Reisende nicht aufhalten sollte. Auf X schrieb er: "Es ist dieses permanente Schlechtreden was uns am stärksten schadet. Diese ewigen Übertreibungen von jungen Talenten, die mit dem hohen Rentenbeitrag ('schnief') nicht klarkommen und deshalb angeblich auswandern. Auf diese Leute können wir verzichten, falls es sie überhaupt gibt."

Mega-Shitstorm für roten Ex-Minister

Diese Einlassung des roten Spitzenpolitikers zog in der Folge jede Menge Kritik auf sich - beinahe sämtliche rund 3.500 Kommentare binnen eines halben Tages sind negativ und kommen aus allen politischen und gesellschaftlichen Richtungen. Der Grundtenor: Wer als gutbezahlter Politiker mit seinem Handeln dazu beiträgt, dass das Land den Bach runter geht, sollte nicht über jene höhnen, welche das nicht mittragen wollen. Manch ein Kommentator sah sich in der empfundenen Abgehobenheit gar an Erich Honecker in den letzten Tagen der DDR erinnert. 

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