Kälte trotz Klimaerwärmung: Füllstand deutscher Gasspeicher auf Rekordtief
Bild: Freepik
Die aktuelle Kältewelle lässt die Füllstände der deutschen Gasspeicher auf ein neues Rekordtief fallen. Denn in den vergangenen Wochen lag der Verbauch deutlich über den Vorjahreswerten. Laut Bundesnetzagentur bestehe jedoch kein Grund zur Sorge. Allerdings hält die Behörde zu einem sparsamen Verbrauch an.
Frostige Temperaturen halten Mitteleuropa weiter fest in ihrem Griff. Dies macht sich auch an einem gesteigerten Heizbedarf und somit einem höheren Energieverbrauch bemerkbar. Somit waren die deutschen Gasspeicher zum Stichtag 5. Januar 2026 nur noch zu 53 Prozent gefüllt, wie die Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen - der niedrigste Wert seit Beginn der Datenerfassung durch die GIE (Gas Infrastructure Europe) im Jahr 2011. Am Tag darauf waren es bereits nur mehr 51,80 Prozent. Und der Vergleich mit dem Vorjahr macht deutlich: Zum 5. Januar 2025 waren die Gasspeicher mit rund 77 Prozent noch zu mehr als 20 Prozent stärker befüllt.
Kein Grund zur Sorge, aber sparen
Auf der Seite der vom Grünen-Politiker Klaus Müller geführten Bundesnetzagentur heißt es zur aktuellen Lage der Gasversorgung in Deutschland: "Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil. Die Versorgungssicherheit ist gewährleistet. Die Bundesnetzagentur schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung im Augenblick als gering ein. Die Bundesnetzagentur beobachtet und bewertet die Lage fortlaufend." Allerdings weist die Behörde darauf hin, dass "ein sparsamer Gasverbrauch" dennoch wichtig bleibe, "da aufgrund der europäischen Importabhängigkeit bei Erdgas immer Risiken verbleiben" würden. Inwieweit die Risiken zum tragen kommen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls lagen die deutschen Speicherstände deutlich unter dem EU-Durchschnitt, der bei rund 58 Prozent lag.
Warnung vor kaltem Winter
Ob eine angemessene Bevorratung gewährleistet ist, zeigt sich am 1. Februar. Gemäß der Gasspeicherfüllstandsverordnung müssen dann alle Speicheranlagen im Regelfall noch zu 30 Prozent befüllt sein. Für die vier bayerischen Speicheranlagen Bierwang, Breitbrunn, Inzenham-West und Wolfersberg gelten 40 Prozent. Für die Bundesnetzagentur seien diese Ziele realistisch zu erreichen. Etwas skeptischer zeigte sich der Verband der Gasspeicherbetreiber (INES). Schon im November warnte man aufgrund des niedrigen Füllniveaus vor Risiken im Winter. "Die Speicherbefüllung für den Winter 2025/26 reicht für den Fall eines extrem kalten Winters trotz der neuen LNG-Importkapazitäten nicht aus", so damals Geschäftsführer von INES Sebastian Heinermann, der weiter bemängelte, dass die bestehenden politischen Rahmenbedingungen nicht genutzt wurden, um höhere Füllstände sicherzustellen.
Risikoszenarien
Die INES modellierte zudem drei Szenarien, um ein Risikobild zu ermitteln. Bei warmen bis mittleren Temperaturen, wie in den Wintern 2020 oder 2016, könnten die Speichervorgaben eingehalten werden. Bei kalten Temparaturen, wie im Winter 2010 mit zweistelligen Minusgraden über längere Zeiträume, könnten die Gasvorräte an ihre Grenzen kommen. "Die Speicher wären bereits Mitte Januar vollständig entleert", warnte die INES - dieses Szenario dürfte aber kaum eintreten. Allerdings müssen die Speicher vor dem nächsten Winter wieder aufgefüllt werden. Und je weiter sie entleert sind, desto mehr Gas wird benötigt - und dies wird teuer.
Der nächste Winter kommt
Und genau dies stellte die Speicherbetreiber bereits 2025 vor Probleme. Denn gewöhnlich kaufen Händler die Vorräte in den wärmeren Monaten, wenn die Nachfrage und die Preise niedriger sind. Jedoch war der Preis für die Lieferung im vergangenen Sommer im Vergleich immer teurer geworden, so dass die Auffüllung stockte und Rufe nach staatlichen Subventionen laut wurden - Der Status berichtete. Die Befüllungsprobleme führten sogar zu einer Anfrage der Grünen, die fossile Brennstoffe sonst ablehnen, an den deutschen Wirtschaftsminister, in der sie ihre Sorge über die schleppende Füllung der Gasspeicher vorbrachten - Der Status berichtete.
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