Absurde Jubelmeldung

Inflation bei 2 Prozent: Stocker feiert sich für statistische Zahlenspielerei

Politik
Hintergrund: Freepik (2); Freisteller: (C) Alois Endl; Komposition: Der Status.

Nach einer Schnellschätzung der Statistik Austria lag die Inflation im Januar 2026 bei 2 Prozent. Ein Grund für die Verliererampel um ÖVP-Kanzler Christian Stocker, sich auf die Schulter zu klopfen und die eigene Politik zu feiern. Doch für die Bürger ist eine verlangsamung der Teuerung auf hohem Niveau kein Grund zum Aufatmen. Zumal der Inflationsrückung auch auf mathematischen Effekten beruht.

Inflationsrückgang mit Tücken

Laut einer Schnellschätzung der Statistik Austria betrug die Teuerungen im Januar nur 2 Prozent und hat sich somit gegenüber dem Vormonat - da waren es 3,8 Prozent - verlangsamt. "Einer ersten Schätzung zufolge wird die Inflation im Jänner 2026 bei 2,0 % liegen. Damit sinkt die Teuerung in Österreich nach den hohen Inflationsraten des Jahres 2025 wieder auf die Werte der zweiten Jahreshälfte 2024. Dämpfende Effekte gingen von Strom, Gas, Heizöl und Treibstoffen sowie von Industriegütern aus", so die fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, Manuela Lenk.

Der Preisrückgang von 4,9 % im Bereich Energie dämpfte dabei die Inflationsrate um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat Dezember 2025. Grund dafür war unter anderem das Ende des Basiseffekts der mit Jahresbeginn 2025 ausgelaufenen Strompreisbremse, so die Statistik Austria. Zudem verteuerten sich Industriegüter mit +0,8 % nur minimal im Vergleich zum Jänner 2025. Allerdings stiegen die Preise für Dienstleistungen deutlich um 3,8 % an und sind somit weiterhin ein Inflationstreiber. Nahrungsmittel, Tabak und Alkohol verteuerten sich im Jänner  um 2,7 Prozent - auch weniger stark, aber doch spürbar.

Stocker feiert sich

Die Verliererampel zeigt sich über die 2 Prozent Teuerungen erfreut. ÖVP-Kanzler Christian Stocker sprach von einer "Trendwende" und betonte, dies sei "das Ergebnis unserer Arbeit" und "die Wende, die wir brauchen". "Dass wir unser Zwei-Prozent-Inflationsziel erstmals im Jänner erreicht haben und damit rascher, als viele erwartet haben, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Entscheidungen", so der Kanzler. Auch SPÖ-Vizekanzler Andreas Babler ist auf X ganz aus dem Häuschen: "So geht Teuerungsbekämpfung!"

Es scheint fast so, als wäre die Regierung ebenfalls ganz überrascht von dem Ergebnis. Das dürfte sie auch wirklich sein, denn nicht zuletzt hängt die Verlangsamung der Teuerung auf 2 Prozent auch mit einem mathematischen Effekt und weniger mit der Arbeit der Ömpel zusammen.

Basiseffekt und Mathematik

So schreibt ja die Statistik Austria: "Grund dafür war unter anderem das Ende des Basiseffekts der mit Jahresbeginn 2025 ausgelaufenen Strompreisbremse..." Denn die Inflation wird ebenfalls durch das Preisniveau des Vorjahres und nicht nur durch die aktuellen Preisänderungen beeinflusst. Kommt es im Vorjahr zu einem starken Preisanstieg, kann die aktuelle Inflationsrate niedriger oder sogar rückläufig sein, selbst wenn sich die Preise im Vergleich zum Vormonat kaum ändern, so die Statistik Austria.

Durch das Aus für die Strompreisbremse im Januar 2025 kam es zu einem starken Anstieg der Strompreise, der Vergleich mit den vorherigen Preise führte zu einer Verteuerung. Dieser Effekt fällt nun weg, da 2026 die niedrigeren Werte vor 2025 aus der Berechnung herausfallen, weil die Inflation mit den Werten des Vorjahresmonats gemessen wird. Der "Basiseffekt fällt weg", die Inflation sinkt zumindest statistisch. Dies ist allerdings ein rein mathematisches Phänomen und sagt nichts über die tatsächliche aktuelle Teuerung.

2 Prozent keine Leistung der Regierung

Auf genau dieses Phänomen macht auch die freiheitliche Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch aufmerksam, die den Jubel der Regierung in einer Aussendung als "zynische Realitätsverweigerung und billiges Taschenspielertrick-Manöver" bezeichnet. "Dass sich der Kanzler der Verlierer-Koalition nun hinstellt und sich für eine angeblich erfolgreiche Inflationsbekämpfung auf die Schulter klopft, ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten. Die Menschen können sich das Leben nicht mehr leisten, der Wohlstand schmilzt wie Schnee in der Sonne, und der Herr Kanzler feiert einen simplen statistischen Basiseffekt als seinen politischen Sieg. Das ist keine Politik für die Bürger, das ist reine Volksverhöhnung", so Belakowitsch.

Sie weist darauf hin, dass man jetzt nicht diese 2 Prozent habe, weil die Regierung so gut arbeitet, sondern einfach, weil die Preise und somit die Vergleichsbasis 2025 so hoch waren. "Wenn man das heutige Preisniveau mit dem damaligen Teuerungsschock vergleicht, sieht es am Papier vielleicht harmloser aus – an der Supermarktkasse zahlen die Menschen aber immer noch die absoluten Rekordpreise", so die freiheitliche Sozialsprecherin, die zudem darauf aufmerksam macht, dass es sich um keinen Rückgang der Belastung, sondern lediglich um eine Verlangsamung der Verarmung handelt. "Die Preise sinken nicht, sie steigen nur langsamer als im Katastrophenmonat des Vorjahres. Wer das als Erfolg verkauft, hat jeden Bezug zur Lebensrealität der eigenen Bevölkerung verloren", erklärt sie.

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