Hakenkreuze, Hitlergrüße, Korruption: Ukraine-Söldner aus Holland berichtet
Mehrere Jahre war ein Niederländer als Freiwilliger in der Ukraine an der Front. Gegenüber einer niederländischen Zeitung berichtet er nun von seinen Erlebnissen. Dabei geht es um Korruption, Drohungen, Hitlergrüße, Hakenkreuze, ausbleibender Sold, Kriegsverbrechen und Angehörige kolumbianischer Drogenkartelle. Die Ukraine und die Front hat der Niederländer mittlerweile verlassen.
Es sind Zustände, die sonst in den Medien kaum offen vorkommen. Gegenüber der niederländischen Zeitung "De Telegraaf" erhebt ein niederländischer Freiwilliger, der mehrere Jahre in der Ukraine kämpfte, schwere Vorwürfe gegen die ukrainischen Streitkräfte und die ukrainischen Führung. Der unter dem Pseudonym "Hendrik" auftretende 40-jährige ehemalige niederländischen Luftwaffensoldat war nach eigenen Angaben rund dreieinhalb Jahre an verschiedenen Frontabschnitten im Donbass im Einsatz, unterbrochen von Verletzungen und Krankenhausaufenthalten auch in seiner Heimat. Inzwischen hat er der Ukraine den Rücken gekehrt, auch aufgrund der nach wie vor grassiernden Korruption und der schlechten Behandlung der Freiwilligen.
"Das ist eine einzige korrupte Bande"
Ob er noch einmal in die Ukraine zurückkehren wird, weiß er noch nicht, aber wenn, dann sicher nicht aus Liebe zur ukrainischen Regierung. "Das ist eine einzige korrupte Bande. Ich war für die Bürger dort. Die können nichts gegen die Missstände tun", so Hendrik gegenüber De Telegraaf. Aber der Krieg lässt einen so schnell nicht los. Wenn man einmal drinstecke, dann sei ein normales Leben schwierig.
"Man spricht mit alten Kollegen und die sagen: Hey, wir vermissen dich, komm und hilf uns, wir müssen das gemeinsam schaffen. Und dann, obwohl sie dich wie einen Sack Heu behandeln, hatte ich nach fünf Monaten in den Niederlanden doch wieder das Gefühl, dass es noch nicht vorbei war. Ich wollte meine Teamkollegen nicht im Stich lassen, es ging mir nicht so sehr um die Ukraine", schildert er seine Beweggründe, wieso er sich auch zum dritten Mal nach einer Verwundung, die er in den Niederlanden auskurierte, doch wieder auf den Weg an die Front machte. Und das trotz einer ausnehmend schlechten Behandlung.
Behandelt wie Dreck
So erklärt er etwa, dass Ausländer, die für die Ukraine ihren Kopf hinhalten, manchmal schikanös behandelt werden. Er selbst musste unter anderem seine medizinische Behandlung selbst organisieren und bezahlen. "Ein amerikanischer Freund sagte: Ich schaffe es nicht. Dieser Krieg ist in meinem Kopf. Ich muss dort sein, ich muss eine Waffe in der Hand haben für umgerechnet 500 Dollar im Monat, die oft nicht einmal ausgezahlt werden."
Ebenso hörte er immer wieder, dass die Hinterbliebenen von im Krieg gefallenen Ausländern selten oder nie die versprochenen Leistungen erhielten. Nachdem er sich von einer schweren Rückenverletzung in den Niederlanden erholte, berichtet er: "Irgendwann meldeten sie sich bei mir. Ob ich nicht zurückkommen wolle. Zuerst dachte ich: So gehen sie immer mit Ausländern um. Sie lassen dich buchstäblich kaputtgehen, und wenn du wieder fit bist, können sie dich plötzlich wieder gebrauchen. Dabei zahlen sie mir nicht einmal mein Gehalt aus." Dennoch kehrte er wieder an die Front zurück.
Hakenkreuze und Hitlergrüße
Dabei landete er bei der 3. Separate Assault Brigade, die 2022 aus Freiwilligen des Asow-Bataillons hervorging. Er war skeptisch, aber der Kommandant erklärte ihm, dass die Zeit rechtsextremer Umtriebe in der Einheit vorbei seien: "Das ist nicht mehr das Asow von früher. Asow wurde reformiert, gesäubert und neu aufgebaut." Doch später, in Büros der Einheit, zeigte sich ein anderes Bild: Schwarz-rote Fahnen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), Bilder von Stepan Bandera, Hakenkreuze etc..
"Ich wollte mit dieser ganzen Sache nichts mehr zu tun haben. Und ich war nicht der Einzige. Ein paar andere ausländische Jungs waren auch weg, sie hatten Teams gesehen, die jeden Morgen den Hitlergruß machten", resümiert Hendrik in dem Interview.
Koumbianer und Kriegsverbrechen
Schlechte Erlebnisse hatte er ebenfalls mit kolumbianischen Kämpfern für die Ukraine. Weil er spanisch sprach, war er einer kolumbianischen Einheit einer kurzen Zeit zugeteilt. Diese bilden einen Staat im Staat in der ukrainischen Armee - viele stammen auch aus Drogenkartellen. "In der Ukraine gab es wirklich eine Invasion von Kolumbianern. Sie hielten nur untereinander zusammen. Mit anderen Ausländern dort hatten sie nichts zu tun", schildert Hendrik und erklärt, dass es auch immer wieder erschreckende Gerüchte darüber gab, wie brutal vor allem diese kolumbianischen Kämpfer manchmal mit russischen Kriegsgefangenen umgingen.
So war von Kriegsverbrechen, sogar von Folter und Verstümmelung die Rede. So sollen ihm Kolumbianer sogar Fotos von Enthauptungen gezeigt haben. Doch das Intermezzo bei den Kolumbianern währte nur kurz. Als er sich einmal beschwerte, weil Viertel vor sechs Uhr morgens, die Kolumbianer laute Musik abspielten und er darum bat, diese abzuschalten, weil in zwei Stunden Appell sei und er sich ausruhen wollte, eskalierte die Situation. Sie drohten ihm, ihm im Schlaf einen "herzlichen kolumbianischen Empfang" zu bereiten - also ein Messer zwischen die Rippen zu stoßen. Es kam zu einer Schlägerei und Ukrainer mussten die Lage beruhigen. Danach wurde er zu einer anderen Einheit versetzt.
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