GPS-Angriffs-Mär entlarvt: Doch Kriegshetzer wollen schwere Waffen
Flugzeug: Steve Lynes, Flickr; VdL: European People's Party, Flickr (beide CC BY 2.0; Komposition: Der Status.
Nur einen Tag, nachdem die versammelte Medienlandschaft über einen vermeintlichen russischen Angriff auf den Flug von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen berichtete, löst sich der Großteil der Geschichte schon wieder auf. Die üblichen Verdächtigen kümmert das wenig: Sie fordern trotzdem die sofortige Übergabe aller eingefrorenen russischen Vermögenswerte in der EU an die Ukraine sowie die Lieferung schwerer Waffen an das Regime in Kiew.
GPS-Vorfall doch kein halber Anschlag?
Die Geschichte klang abenteuerlich: Der böse Schurkenstaat, der das GPS-Signal des Flugzeugs mit der obersten Politikerin der EU attackiert, die somit quasi um Haaresbreite einem Anschlag entkommt. Die Piloten hätten sogar anhand analoger Karten landen müssen. Doch genau so schnell, wie die Geschichte aufgebauscht war, wurde daraus eine dünne Suppe - so dünn, dass nicht einmal die zuständige bulgarische Regierung überhaupt noch eigene Ermittlungen dazu einleiten möchte.
Denn "Flightradar24" zeigte auf, dass die Sache halb so dramatisch war. Anders als berichtet, kreiste die Maschine nicht eine Stunde lang, sondern brauchte 9 Minuten länger als anberaumt. Das GPS-Signal des Flugzeugs war zudem zu allen Zeiten hervorragend. Und ausgeschmückt: Denn das Protokoll sieht bei Maschinen des Typs Dassault Falcon 900LX den Rückgriff auf andere unabhängige Navigationssysteme, dann auf Funknavigationshilfen vor. Bis zum Landkartenflug müssten also etliche weitere Systeme versagen.
Wer verbreitet hier eigentlich Fake News? Gestern berichten übereinstimmend alle großen Mainstreammedien von einem "Angriff" auf die Kommissionspräsidentin, von GPS Systemen die "gestört" wurden und heute zeigen die Daten des Transponders vom Start bis zur Landung eine gute GPS… pic.twitter.com/DDcFpOTki1
— Petra Steger (@PetraStegerFPOE) September 2, 2025
Übliche Hetzer mit eskalativen Forderungen
Doch die "üblichen Verdächtigen" lassen sich vom Umstand, dass die Sache zumindest teilweise als Räuberpistole entlarvt wurde, nicht lumpen. Denn einschlägige Politiker der Systemparteien nutzen die Gelegenheit längst, um auf die totale Eskalation gegenüber Russland zu setzen. Sie fordern u.a. die sofortige Lieferung von Taurus-Raketen aus Deutschland an die Ukraine oder die Übergabe von über 200 Mrd. Euro an eingefrorenen russischen Vermögen an die Ukraine.
Unter den Vertretern, die sich derart äußerten, befanden sich u.a. auch der NEOS-EU-Mandatar Helmut Brandstätter oder der Michael Gahler, der "CDU-Dino" in Brüssel, der u.a. im Fraktionsvorstand der "Europäischen Volkspartei" sitzt und die "Nord Stream"-Sprengung als "legitimes Ziel" sieht. Beide gelten als Politiker, die eisern auf der Seite Kiews stehen und dabei mitunter exponierte Forderungen zur Demütigung Russlands befürworten.
Ja, wir müssen endlich handeln! Die 210 Milliarden russisches Vermögen sollen der Ukraine übergeben werden. Die Zerstörungen, die putin angerichtet hat, sind weit höher. Ganz abgesehen vom menschlichen Leid. Das @Europarl_EN muss einen Beschluss fassen https://t.co/WRN10iVR3b
— Helmut Brandstätter MdEP (@HBrandstaetter) September 1, 2025
Auch CDU-Wehrpolitiker Roderich Kiesewetter, der schon länger davon träumt, den "Krieg nach Russland zu tragen", setzte sogar noch nach, als die neuen Details bereits bekannt waren und betonte: "Passivität und Zögern werden in Moskau nur als Schwäche wahrgenommen."
Passivität und Zögern werden in Moskau nur als Schwäche wahrgenommen. Deshalb jetzt eingefrorenes RUS Vermögen freigeben, klare EU-Perspektive & z.B. Lieferung von Taurus! 2/2 https://t.co/3fvOHujY4s
— Roderich Kiesewetter🇪🇺🇩🇪🇮🇱🇺🇦 (@RKiesewetter) September 2, 2025
Nur Aufmerksamkeitsheischerei?
Fakt ist jedenfalls: Von der Leyen, die aktuell sämtliche EU-taaten abklappert, die direkt an Russland oder Weißrussland grenzen, suchte die Öffentlichkeit zur Causa zumindest teils selbst, indem ihr üppiger Mediensprecher-Apparat u.a. den angeblichen Einsatz von GPS-Jammern bestätigte. Nun, da die neuesten Details die Geschichte nicht so recht decken wollen, drängt sich ein anderer Verdacht auf: Heischt "Flinten-Uschi" verzweifelt um Aufmerksamkeit, weil ihr Handeln immer öfter auf taube Ohren stößt?
Diesen Verdacht stellte u.a. auch EU-Mandatarin Petra Steger (FPÖ) auf. Sie schrieb auf X: "Wer verbreitet hier eigentlich Fake News? [...] Hat Ursula von der Leyen bewusst die Öffentlichkeit getäuscht um sich wichtig zu machen? Denn Fakt ist: Niemand nimmt die EU Elite noch ernst. Bei Donald Trump musste von der Leyen bei wichtigen Gesprächen den Besprechungsraum verlassen, von ihrer angeblich so weit fortgeschrittenen Aufstellung der EU-Friedenstruppen will niemand etwas wissen. Was für eine Blamage!
Wer verbreitet hier eigentlich Fake News? Gestern berichten übereinstimmend alle großen Mainstreammedien von einem "Angriff" auf die Kommissionspräsidentin, von GPS Systemen die "gestört" wurden und heute zeigen die Daten des Transponders vom Start bis zur Landung eine gute GPS… pic.twitter.com/DDcFpOTki1
— Petra Steger (@PetraStegerFPOE) September 2, 2025
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