Opposition muss draußen bleiben?

Fußball nur für Regime-Treue: Chrupalla darf nicht ins Stadion

Politik
Red Bull Arena: Berlinschneid, Wikimedia Commons; Chrupalla: TC2021, Wikimedia Commons (beide CC BY-SA 4.0; Komposition: Der Status.

Willkommen im "freiesten Deutschland aller Zeiten", wo Fußballclubs mittlerweile in Kartenverkäufe eingreifen, um einen privaten (!) Besuch von Oppositionspolitikern im Stadion zu verhindern. Denn nachdem herauskam, dass AfD-Chef Tino Chrupalla mit Bekannten insgesamt 12 VIP-Tickets für das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen RB Leipzig und Bayern München buchte, wurden die Eintrittskarten nachträglich storniert. Der Politiker sieht einen politisch motivierten Ausschluss, der sächsische Verein dementiert dies.

Plötzliche Stornierung wegen "Überbuchung"

Es ist eine unglaubliche Geschichte, über die "NiUS" berichtet, aber im heutigen Deutschland doch Realität. Vor 9 Tagen buchte zunächst ein mit Chrupalla bekannter und in der Fußball-Szene gut vernetzter Vermittler, zwölf VIP-Karten für das Spiel am Samstagabend in der Red-Bull-Arena. Chrupalla schenkte einem Geschäftsfreund und dessen Partnerin zwei Karten, die übrigen Tickets bezahlten neun weitere Bekannte. Die Karten kamen am Montag an, und Chrupalla konnte sie problemlos registrieren und personalisieren.

Doch am Dienstag folgte dann der herbe Rückschlag: Nachdem Chrupalla, weil er als Schutzperson des Bundeskriminalamts (BKA) gilt, die Sicherheitskräfte über seinen Ausflug informierte und diese die Stadionsicherheit von RB Leipzig zur Organisation der Begleitung kontaktierten, dauerte es weniger als eine Stunde bis zur Stornierung der Karten. Als offiziellen Grund dafür nannte der Verein trotz bezahlter Tickets plötzlich eine "Überbuchung" - eine Begründung, die laut NiUS "zumindest fragwürdig" erscheine.

Politisch motivierter Stadion-Ausschluss?

Laut dem Medium scheine naheliegender, dass die neue Geschäftsführung davon ausgegangen sei, dass es sich bei Chrupalla und seiner Gefolgschaft um eine "AfD-Party" handle und entsprechende Bilder vermeiden wollte. Dies ist freilich nicht der Fall, denn der beabsichtige Stadionbesuch sollte privater Natur sein und mit Freunden aus seiner sächsischen Heimat vonstatten gehen. Auch dies wäre freilich ein absurder Grund, zumal CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer ganz selbstverständlich im Stadion sitzen darf. Zwar will der Verein das Geld rückerstatten, ein alternatives Angebot für die Unannehmlichkeiten trudelte aber entgegen der Ankündigung per Mail bislang nicht ein. 

Chrupalla verwies darauf, dass seine Freunde, die Welt nicht mehr verstünden: "Warum soll es uns unmöglich sein, ein Fußballspiel für teuer erstandene Tickets zu besuchen?" Er hält die Begründung einer "Überbuchung" für eine Schutzbehauptung, glaubt eher an einen Ausschluss aufgrund seiner ungenehmen Weltanschauung. Insbesondere seine Bekannten hätten nun zudem einen Schaden, da sie bereits Hotels in Leipzig gebucht hatten, deren Stornierung nun nicht mehr möglich sei. Andere Stimmen wundern sich über mögliche "Gesinnungsprüfungen im Fußballstadion" oder erinnern an die Absurdität des Vorgangs, weil sich in Sachsen viele AfD-Wähler in der Kurve befänden. 

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