Weg zum gläsernen Bürger

FBI und Palantir: Die Architektur der totalen Überwachung

Politik
Symbolbild: KI-generiert (ChatGPT)

Palantir verknüpft Millionen sensibler Daten zu digitalen Bewegungs- und Beziehungsprofilen für das FBI. Doch was als Sicherheitswerkzeug beginnt, kann schnell und heimlich zum Fundament eines nie dagewesenen Überwachungsapparates werden.

Ein redaktionell bearbeiteter Artikel aus unser Kooperation mit UnserMitteleuropa

Gotham-Netz

Das sogenannte Gotham-Netz trennt keine Daten, die in einzelnen Datensätzen enthalten sind. Anrufe, Geldüberweisungen, Adressen und Verwandte werden zu einer lebendigen Karte, auf der jede Suche alle verbundenen Datensätze abruft, die dem System zugänglich sind. Der Begriff Gotham (in Deutschland oft in Form der Software Palantir Gotham bei der Polizei im Einsatz) beschreibt ein mächtiges Datenanalysesystem. Das grundlegende Prinzip dieser Software ist es, isolierte und unstrukturierte Daten aus unterschiedlichsten Quellen (wie Registern oder Polizeiakten) zusammenzuführen, zu verknüpfen und netzwerkartig zu visualisieren.

Missions-Creep

Das FBI hatte seine Verbindungen zu Palantir, während der Jagd auf bin Laden in den Jahren 2010–2011, bereits intensiviert. Eben genau dieses „Instrument“ wurde später schließlich auf Einwanderungsdurchsetzung und inländische Ermittlungen ausgeweitet. Agenten können dadurch nun in Echtzeit nach Einwanderungsstatus, familiären Beziehungen, Beschäftigungshistorie oder GPS-Bewegungsmustern suchen. Gotham wiederum bezieht Daten aus CIA, FBI, DHS, Verkehrskameras, Studentenvisa-Daten, Bandendatenbanken und privaten Nachrichten.

Palantir gibt an, dass nur Palantir der autorisierte Anbieter dieser Software ist, kein anderer Anbieter darf Wartung oder Schulung anbieten. Das System bleibt eine proprietäre Black Box, weder die Öffentlichkeit noch die Gesetzgeber können daher sehen, wie seine Algorithmen bestimmte Verbindungen markieren, obwohl optionale „Audit-Trails“ verfügbar sein können.

Keine „Ausfahrt“

Sobald also eine Agentur Gotham in ihren Arbeitsablauf integriert hat, wird es technisch unmöglich, es zu entfernen. Palantir hat keinen anderen Anbieter zur Unterstützung autorisiert, und „ohne Software-Updates besteht ein erhöhtes Risiko, dass das System nicht mehr richtig funktioniert oder kompromittiert wird“. Gotham verlagert somit die Ermittlungslogik von vergangenen Verbrechen auf zukünftige Bedrohungen, „präventive Sicherheit“ basierend auf Mustern, nicht jedoch auf Beweisen. Das System kann mittlerweile auf mehr als vier Milliarden einzelne Datensätze zugreifen und auch die Telefonaktivität auf einer Karte in Echtzeit verfolgen.

So stellt man sich also die „Zukunft“ von Verbrechensbekämpfungs-, pardon, Überwachungsstrukturen vor. Noch beunruhigernder wird das Ganze, wenn man sich mit Palantir-Chef Peter Thiel beschäftigt. Dieser ist ein großer Fan des Transhumanismus und des technischen Fortschritts um jeden Preis. Der gläserne Bürger in den Händen einer solchen Personalie, ist also ein masssives Bedrohungspotenzial für jeden der nicht in totalitären Zuständen leben will. 

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