EU beschließt Verbot von Russen-Gas: Preise steigen schon seit Wochen
Symbolbilder: Freepik (3); Komposition: Der Status.
Nun hat sich die EU-Kommission durchgesetzt. Das Importverbot für russisches Gas bis Ende 2027 wurde gegen den Widerstand von Ungarn und der Slowakei beschlossen. Doch ein zentrales Versprechen der EU ist jetzt schon nichts wert. Denn angeblich müssten sich Verbraucher keine Sorgen über steigende Gaspreise machen. Doch der Preis steigt bereits seit Wochen. Und die Gasspeicher leeren sich im Rekordtempo.
Insgesamt 24 der 27 EU-Mitgliedstaaten stimmten in Brüssel für eine Verordnung, wodurch ab 1. November 2027 die Einfuhr von russischem Gas über Pipelines komplett eingestellt werden soll. Langfristige Verträge sollen schrittweise bis zum Stichtag aufgelöst werden, für kurzfristige Importe gelten als Fristen bereits der 25. April 2026 für LNG und zum 17. Juni 2026 für Pipeline-Gas. Zudem enthält der Beschluss auch ein Verbot des Abschlusses neuer Gasverträge mit Russland, welches bereit sechs Wochen nach Inkrafttreten des vereinbarten Gesetzes, voraussichtlich also im Frühjahr, greift.
Gas wird nicht teurer?
Die EU-Kommission betonte im vergangenen Jahr immer wieder, dass das Einfuhrverbot keine Probleme bereiten würde. Für die Versorgungssicherheit bestehe kein Risiko, das es am Markt genug Anbieter gebe und auch die Verbraucher müssen sich keine Sorgen machen, dass die Gaspreise steigen würden.
Doch die Realität ist schneller. Denn seit zwei Wochen schnellen die Gaspreise aufgrund der niedrigen Temperaturen nach oben - und zwar um rund 40 Prozent, womit der Preis für europäisches Erdgas erstmals seit einem halben Jahr über 40 Euro je Megawattstunde (MWh) gestiegen ist. Da die meisten Verbraucher nicht über die fürstlichen Gehälter der EU-Bonzen verfügen, werden sie den Anstieg im eigenen Geldbeutel deutlich spüren.
Brüssels Taschenspielertricks
Ungarn, welches von vornherein Widerstand gegen das Importverbot leistete, hatte bereits im November 2025 eine Klagen vor dem EuGH angekündigt. Denn die Kommission hatte laut dem ungarischen Regierungschefs Viktor Orban eine "rechtswidrige Lösung" gewählt. Um mit dem Importverbot nicht am Einstimmigkeitsprinzip zu scheitern, setzte die Kommission auf einen Trick, um die Maßnahme durchzudrücken und deklarierte sie als handelspolitische Maßnahme.
"Sanktionen erfordern Einstimmigkeit, während für die Handelspolitik eine Mehrheitsentscheidung ausreicht“, kritisiert Orban das Vorgehen - Der Status berichtete. So konnte das Verbot nun auch gegen die Stimmen von etwa Ungarn oder der Slowakei durchgesetzt werden.
Gasspeicher immer leerer
Allerdings sieht das beschlossene Gesetz auch eine Notfallklausel vor. Sollte ein EU-Mitgliedstaat eine Energiekrise ausrufen, kann er eine Ausnahme vom Importverbot bei der EU-Kommission beantragen, diese ist zeitlich begrenzt, aber in diesem Zeitintervall könnten auch über kurzfristige Verträge wieder Gas aus Russland fließen. Die Ausnahme will die Kommission jedoch nur genehmigen, wenn sie "strikt notwendig" sei. Angesichts der derzeitigen Füllstände der Gasspeicher könnte es nicht allzu lange dauern.
Denn mit Stand 24. Januar lag etwa der Füllstand der deutschen Speicher bei rund 37 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch fast 59 Prozent. Das bedeutet zudem, dass die Wiederbefüllung der Speicher für den Winter 2026/27 schwieriger wird, je niedriger die Füllstände sind - und wohl auch teurer. Laut "Bloomberg" würden sich die Gasspeicher so schnell leeren, wie seit fünf Jahren nicht mehr.
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