Es geht nicht ohne: Russen-Gas-Importe in EU auf höchstem Stand seit 2022
Der Ausstieg aus russischem Gas, den die EU verordnet hat, verkommt immer mehr zur Farce. Und es zeigt sich: Es geht einfach nicht ohne. Wenn man die Versorgung gewährleisten will, muss man sich möglichst breit aufstellen und kann aus, welche Gründen auch immer, nicht einfach auf Lieferanten verzichten. Dies zeigt sich auch darin, dass im ersten Quartal 2026 der Import von russischem Gas den höchsten Stand seit Beginn des Ukraine-Krieges erreichte.
Zwar kommt kein günstiges russisches Gas aus Pipelines mehr nach Europa, aber die Rohstoffe des Kreml finden trotzdem ihren Weg in die EU. Allerdings in Form von LNG-Lieferungen, die ja eigentlich dazu dienen sollten, die vermeintliche Abhängigkeit von russischen Energielieferungen zu lösen. Das Institut für Energiewirtschaft und Finanzanalyse (Institute for Energy Economics and Financial Analysis – IEEFA) kam nun bei einer Analyse zu dem Ergebnis, dass es in den ersten Monaten 2026 zu einem Rekordimport von russischem LNG in die EU kam.
Höchster Stand seit 2022
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die russischen Importe in den ersten drei Monaten diesen Jahres um 16 Prozent an, womit insgesamt 6,9 Milliarden Kubikmeter russisches Flüssiggas (LNG) in die EU importiert wurden. Und auch im April waren es im Jahresvergleich um 17 Prozent mehr. Diese Anstiege bedeuten, dass so viel russisches Gas in die EU importiert wurde, wie seit Beginn des Ukraine-Krieges 2022 nicht mehr.
Die russischen Lieferungen gingen dabei hauptsächlich nach Frankreich, Spanien und Belgien - wobei in Belgien auch schon 2024 ein Rekordjahr für russisches LNG war. Damit bleibt Russland der zweitgrößte Lieferant für LNG und liefert ungefähr 14 Prozent des Bedarfs. Auch im Vorjahr lieferte Russland Pipelinegas im Wert von 5,9 Milliarden Euro und LNG für rund 6,7 Milliarden Euro in die EU.
US-Flüssiggas am teuersten
Durch die Krise im Nahen Osten, die von den USA und Israel mit ihrem Überfall auf den Iran ausgelöst wurde, dürfte laut der Analyse vor allem die USA profitieren. Denn durch die ausbleibenden LNG-Importe aus Katar dürften die USA ihre Importe in die EU deutlich ausweiten. So prognostiziert die IEEFA, dass 2026 die LNG-Importe aus den USA zwei Drittel ausmachen dürften und bis 2028 gar auf 80 Prozent steigen, womit die USA Norwegen als größten Gaslieferanten der EU ablösen könnten.
Dabei zeigt sich auch das ganze Debakel der aktuellen EU-Politik. Denn, so das Institut: "Im Durchschnitt ist US-LNG für europäische Abnehmer das teuerste." Und zugleich kommt man zu dem Schluss: "LNG ist zur Achillesferse der europäischen Energiesicherheitsstrategie geworden ist und setzt den Kontinent hohen Gaspreisen und neuen Formen von Versorgungsunterbrechungen aus." Und dennoch setzt Europa weiter voll auf LNG.
Energiewende gescheitert
Und weiter heißt es: "Europa hat zwar keinen Einfluss auf Unterbrechungen der LNG-Versorgung, kann aber die Energieeffizienz steigern und den Ausbau erneuerbarer Energien sowie die Installation von Wärmepumpen beschleunigen, um seine Importabhängigkeit zu verringern." Allerdings bereitet dabei gerade die sogenannte Energiewende weitere Probleme - vor allem in Deutschland.
Denn nach der Abschaltung der Kernkraftwerke hat nun die Bundesregierung den Bau neuer Gaskraftwerke beschlossen, die im - nicht so seltenen Fällen - von Dunkelflauten die Versorgung sicherstellen sollen. Bezahlen dürfen dies einmal mehr die Stromkunden mit einer neuen Umlage, angesichts der hohen Strompreise die nächste Belastung für die Bürger.
Abhängigkeit von USA und Russland
Auch zeigt sich deutlich, dass die EU Anhängigkeiten mit dem Aus für russisches Gas keineswegs beseitigt hat. "Der Krieg im Nahen Osten hat dazu geführt, dass Europa stärker von seinen beiden größten LNG-Lieferanten, den USA und Russland, abhängig ist. Die Energiekrise von 2026 zeigt, dass die europäischen Länder, solange sie sich für eine Abhängigkeit von Gas entscheiden, die damit verbundenen geopolitischen Risiken in Kauf nehmen müssen", so das IEEFA.
Eine Einsicht, die Anfang des Jahres sogar bis in Teile der EU-Kommission durchgesickert war. Damals warnte der Der EU-Energiebeauftragte Dan Jorgensen vor einer neuen Abhängigkeit von den USA: "Wir risikieren, die eine Abhängigkeit durch eine andere zu ersetzen" - Der Status berichtete. Und dass die EU zeitgleich ein langfristiges Importverbot für russiches Gas beschlossen hat, dürfte die Lage kaum entschärfen.
Allerdings hat man, wie auch beim vorerst verschobenen Importverbot für russische Erdölprodukte, eine Notfallklausel eingebaut. Sollte ein EU-Mitgliedstaat eine Energiekrise ausrufen, dann darf doch im Ausnahmefall mit Genehmigung der EU-Kommission Gas aus Russland eingeführt werden.
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