Ende der liberalen Weltordnung: Läuten die USA eine neue Ära der Kriege ein?
Symbolbild: KI-generiert (Grok)
Wir erleben das Ende der liberalen Weltordnung und den Beginn einer neuen Ära der Kriege. Zu dieser Schlussfolgerung kommt der US-Politikwissenschaftler Robert Kagan, der Ehemann der Ex-US-Vize-Außenministerin Victoria Nuland. In einem Artikel in „The Atlantic“ beschreibt er, wie er glaubt, dass die US-Außenpolitik unter Donald Trump die globale Welt verändern wird.
Ein Artikel aus unser Kooperation mit UnserMitteleuropa
Das Ende der liberalen Weltordnung
Demnach werde die neue nationale US-Sicherheitsstrategie effektiv das Ende der liberalen internationalen Ordnung besiegeln, die fast 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg existierte. Laut Kagan wollen also die USA nicht länger als Garant für globale Sicherheit dienen, und sie werden ihre Macht, nutzen diese überholte Ordnung abzubauen: „Die amerikanische Ordnung ist nicht vorbei, weil die Vereinigten Staaten sie nicht aufrechterhalten konnten. Sie ist vorbei, weil die Vereinigten Staaten beschlossen haben, sie nicht mehr aufrechterhalten zu wollen." – so der Autor.
Die Welt nach 1945 war eine Ära stabiler Allianzen, offenen Handels, relativer Sicherheit und begrenzter Machtkonkurrenz zwischen führenden Mächten gewesen. Das Aufgeben dieses Modells, so argumentiert er, würde zu einer Rückkehr zur globalen Machtlogik vor 1945 führen: einer Ära regulärer Kriege zwischen Einflusssphären und Großmächten, in ihrem Versuch, diese Zonen umzuverteilen: „Diese neue Welt wird der Welt vor 1945 sehr ähnlich sein, mit mehr Großmächten und zunehmendem Wettbewerb und Konflikt." – so der Politikwissenschaftler weiter.
Eine Welt von gestern
Als historisches Beispiel nennt er das Europa im 19. und frühen 20. Jahrhundert: Als selbst in Zeiten des Gleichgewichts ständig Konflikte zwischen großen Staaten ausbrachen, vom Krimkrieg bis zum Deutsch-Französischen Krieg. Und: Dieses System sei weitaus brutaler und instabiler als die Nachkriegsordnung 1945: Gab es doch „zwischen 1815 und 1914 in fast jedem Jahrzehnt mindestens einen Krieg zwischen den Großmächten.„Indem nun die USA ihre Rolle als „zentraler Stabilisator“ aufgeben, können die Alliierten in ihrer jetzigen Form auch nicht mehr auf US-Garantien zählen. In dieser neuen Logik wird nun aber Sicherheit zum Handelsinstrument, und Partner werden auf Akteure reduziert – entweder gezwungen, sich zu bewaffnen oder Abkommen mit anderen Machtzentren einzugehen. Und in einer solchen Welt konkurrieren Staaten „offen um Ressourcen, Märkte und strategische Positionen.“
Anlass Grönland
Laut Kagan sind somit auch die US-Forderungen an Grönland als Symptom für eine Rückkehr zu Denkweisen in Einflussbereichen zu bewerten, in denen ein Gebiet in erster Linie ein strategisches Gut ist und die Souveränität kleiner Länder nur innerhalb eines Machtverhältnisses zählt. Der Autor wies aber auch auf die Kosten einer solchen Politik hin: Müssten doch die USA mehr für Verteidigung ausgeben und ständig den Zugang zu dem schützen, was zuvor vom Bündnissystem bereitgestellt wurde: „Offener Zugang zu Ressourcen, Märkten und Basen wird kein Vorteil des Allianzsystems mehr sein. Das muss diskutiert und verteidigt werden."
Darauf wären aber die US-Gesellschaft und -politiker psychologisch unvorbereitet. Indem sie “so sehr an diese allgemein friedliche, wohlhabende und offene Welt gewöhnt sind, dass sie sie als den normalen Zustand der internationalen Angelegenheiten ansehen“ und "sich ihren Zerfall nicht vorstellen können." Wenn die Amerikaner dachten, der Schutz der alten Ordnung sei zu teuer, müssten sie abwarten, was der Preis jener Ordnung sein werde, die sie ersetzen wird, fügt der Autor hinzu.
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