Spitäler-Lobby im Panikmodus: Syrer 'wichtig' für Gesundheitssystem
Bild: rawpix, Freepik
Nachdem CDU-Kanzler Friedrich Merz vor einiger Zeit beim Deutschlandbesuch des derzeitigen Syrien-Machthabers Ahmed al-Scharaa erklärt hatte, dass etwa 80 Prozent der Syrer in ihre Heimat zurückkehren sollen, herrscht Alarmstimmung. Nun prescht gar die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vor und warnt vor Engpässen im Gesundheitssystem. Betrachtet man die Zahlen genauer, handelt es sich um bloßen Alarmismus.
Es war nichts als eine Ankündigung von CDU-Kanzler Friedrich Merz Ende März: 80 Prozent der Syrer sollen in ihre Heimat zurückkehren. Immerhin ist der Bürgerkrieg offiziell beendet, Präsident Baschar al-Assad ist abgesetzt, und nicht wenige Syrer feierten auf deutschen Straßen diesen Machtwechsel. Somit dürften viele Asylgründe wegfallen und einer Repatriierung der syrischen Geflüchteten kaum mehr etwas im Wege stehen - Der Status berichtete. Allerdings ist es mit Merz-Ankündigungen immer so eine Sache, in der Regel sind sie das Papier nicht wert, auf dem sie festgehalten werden, siehe Themen wie Schuldenbremse, Steuererhöhungen etc. Dennoch laufen bereits diverse Lobbys Sturm, um eine umfassende Remigration zu verhindern. So nun auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG).
Angebliche Engpässe bei medizinischer Versorgung
"Syrische Ärzte stellen die größte Gruppe unter den ausländischen Ärzten in Deutschland dar", erklärte nun die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Henriette Neumeyer, gegenüber Medien. Und sie betont, dass diese "damit eine erhebliche Bedeutung für die Gesundheitsversorgung" haben. So hätten Ende 2024 immerhin 5.745 syrische Ärztinnen und Ärzte in deutschen Krankenhäusern gearbeitet, so Neumeyer, und auch rund 2.000 syrische Pflegekräfte. "Würden diese Fachkräfte wieder das Land verlassen, hätte das spürbare Auswirkungen auf die Versorgung", so die Warnung, denn "eine Rückkehr zu forcieren wäre aus Sicht der Gesundheitsversorgung nicht produktiv." Dabei scheint der Alarmismus etwas verfehlt, wenn man sich die nackten Zahlen betrachtet.
Knapp 6.000 Ärzte gegen 500.000 Bürgergeldempfänger
So gab es Ende 2024 in Deutschland 581.000 Ärzte, davon waren 437.000 berufstätig bzw. praktizierend. Syrische Ärzte machen davon etwa ein Prozent aus - ein Anteil, der den Ärztemangel wohl kaum beheben kann, dafür wären schon andere Maßnahmen nötig. Beim Pflegepersonal ist der Anteil der Syrer noch geringer und dürfte sich bei den rund 1,7 Millionen beruflich Pflegenden im Jahr 2023 im Promillebereich bewegen. Müssten diese Ärzte und Pfleger ausreisen, würde sich statistisch bei einer durchschnittlichen Arztdichte von rund einem Arzt pro 194 Einwohnern kaum etwas ändern. Diesen knapp 8.000 Syrern, die als Ärzte oder in der Pflege arbeiten, stehen - mit Stand 28. März 2026 - 930.112 in Deutschland lebende syrische Staatsangehörige entgegen.
Ausreisen müssten nach der Merz-Rechnung dabei rund 700.000, um die angenommene 80-Prozent-Quote zu erfüllen. Dabei hatten zuletzt rund 444.140 syrische Staatsangehörige Anspruch auf Bürgergeld - gingen also keiner Beschäftigung nach. Laut Bundesagentur für Arbeit sind rund 266.100 Syrer sozialversicherungspflichtig beschäftigt, einschließlich Minijobs sind rund 320.000 in Arbeit.
Wer soll Syrien eigentlich aufbauen?
Aber auch eine weitere Frage bleibt unbeantwortet. Denn, wenn alle qualifizierten Syrer in Deutschland oder Europa bleiben, wer soll dann eigentlich Syrien wieder aufbauen und am Laufen halten? Nur weil Europa oder Deutschland nicht in der Lage sind, einen - auch selbstgemachten - Fachkräftemangel zu beheben, entzieht man anderen Ländern die dringend benötigten Fachkräfte und Spezialisten. Dabei drängen sich Gedanken an eine Art Neokolonialismus unweigerlich auf.
Aber auch die Panikmache der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ist durchschaubar. Als würde das Wohl und Wehe des inzwischen maroden deutschen Gesundheitssystems an syrischen Ärzten hängen, die rund 1 Prozent der Gesamtärztezahl ausmachen. Aber das Manöver ist durchschaubar, im Grunde geht es nicht um einige Tausend Fachkräfte, sondern darum, dass einfach alle bleiben sollen, egal ob sie arbeiten, Steuern zahlen oder einfach nur Transferleistungen kassieren.
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