Brüssel brüskiert: Steht Selenski auf Abschussliste der USA?
Arbeiten die USA an der Absetzung von Ukraine-Machthaber Wolodymyr Selenski, um ihn zu ersetzen? Dies wird derzeit jedenfalls gemutmaßt. Und zwar von keinem Geringeren als dem Journalisten und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh. Ihm zufolge dürfte in den kommenden Monaten die Stunde für Selenski geschlagen haben. Als möglichen Nachfolger benennt er den ehemaligen Oberbefehlshaber der Ukraine Walerij Saluschnij.
Der Star-Reporter Seymour Hersh ist kein Unbekannter. Auch wenn der 88-jährige Pulitzerpreisträger nach seinen Nord Stream-Enthüllungen beim Mainstream in Ungnade gefallen ist, so hat er doch noch zahlreiche Kontakte und ist bestens informiert. Auch seine Analysen sind meist objektiv und durch Fakten, nicht durch Wunschdenken getragen. So sagte er etwa den Angriff der USA auf den Iran für das Wochenende von 21. und 22. Juni auf seinem Blog richtig voraus. Nun überraschte er dieser Tage mit dem nächsten Bericht: Washington will Ukraine-Machthaber Wolodymyr Selenski absetzen.
Wenn nicht freiwillig, dann mit den Füßen voran
So bezieht sich Hersh auf Gespräche mit Beamten in Washington, dass für Selenski das Ablaufdatum bald erreicht sein könnte. Der ehemalige Schauspieler stehe auf einer kurzen Liste für das Exil, falls Präsident Trump sich dazu entschließt. Und sollte Selenski sich weigern abzutreten, was ein US-Beamter für wahrscheinlich hält, gibt es andere Mittel und Wege. "Er wird mit Gewalt gehen. Der Ball liegt in seinem Feld", zitiert Hersh den Beamten. Denn in Washington und in der Ukraine seien viele der Meinung, dass der eskalierende Luftkrieg mit Russland so bald wie möglich beendet werden muss, solange es noch eine Chance gibt, eine Einigung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu erzielen. Allerdings gäbe es Anzeichen dafür, dass Selenski erkennt, was im Gange ist. Deshalb habe er gerade auch drei Beamte versetzt oder entlassen: den Verteidigungsminister, den Premierminister und den Botschafter in den Vereinigten Staaten. Wie es also abläuft, hänge auch von der politischen Gewalt in Kiew ab. "Inwieweit die Bevölkerung den Punkt erreicht hat, an dem sie keine andere Wahl mehr hat. Selenski wird nicht freiwillig gehen, sondern mit den Füßen voran", zitiert Hersh.
Machtwechsel mit oder ohne CIA
Zudem gibt es US-Intern gerade eine Debatte, wie der Wechsel an der ukrainischen Spitz am besten zu bewerkstelligen ist. Eine Seite ist der Überzeugung, man solle die Ukrainer die Sache selbst regeln lassen. Andere glauben, dass man die einschalten sollte, um das Ganze durchzuziehen - das erste Mal wäre es ja nicht und die Agency hat mit derartigen Operationen durchaus Erfahrung. Bislang werde diese Politik aber von gesundem Menschenverstand geleitet. Aber einige ungenannte Führer seien ungeduldig, und ohne die CIA einzuschalten, wird es Zeit brauchen - mehr als fünfzig Tage. Von den Selenski-Groupies in Europa erwartet man hingegen keinen Widerspruch. So erklärt Hershs Quelle, dass "niemand in Europa das Landleben und die Wochenenden in Paris opfern wird, um Selenski zu unterstützen. Die Europäer werden alle mitmachen".
General als Angebot für Putin
Als Nachfolger für Selenski soll zudem der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee und jetzige ukrainische Botschafter in England Walerij Saluschnij im Gespräch sein. Dieser war Anfang 2024 von Selenski abgesetzt worden, gegen den Widerstand der USA - Der Status berichtete hier und hier. Der General hatte Selenskis Unwillen erregt, als er im Nobember 2023 in einem Interview mit dem Economist erklärt hatte, dass sich der Krieg in einer Pattsitution befinde. Zudem ist Saluschnij beliebt, hat gute Umfragewerte und verfügt noch über einen direkten Draht zu Walerij Gerasimow, dem Stabschef der russischen Streitkräfte und Putin-Vertrauten, der auch als einer der wenigen vorab wusste, was Saluschnij im Economist über den Krieg sagen würde. Für zukünftige Verhandlungen nicht die schlechteste Basis. Aber die Absetzung Selenskis wäre auch ein gesichtswahrendes Angebot für Putin.
Verachtung für Selenski
So argumentiert Hersh aufgrund seiner Quellen: "Die Botschaft an Putin lautet: Ihr könnt immer noch sagen, dass ihr gewonnen habt, wenn Selenski ersetzt wird. Die russischen Kampfverluste werden in Washington, wie mir gesagt wurde, als Schlüssel zu einem erneuten Drängen auf eine neue Führung in der Ukraine gesehen, um angesichts der Verachtung Putins für Selenski und der Möglichkeit einer weiteren Eskalation endlich ernsthafte Verhandlungen zur Beendigung des Krieges aufzunehmen. Und dabei wird Selenski eben mit seiner unnachgiebigen Haltung und seinem sturen Festhalten an Maximal-Forderungen in den USA zunehmend als Verhandlungshindernis wahrgenommen. Zumal der Ukraine-Machthaber trotz seiner zur Schau gestellten Kompromisslosigkeit keine wirklich Macht hat. "Donald Trump ist Selenskis Lieferant und der Einzige, der den Krieg in der Ukraine am Laufen halten kann. Wer hat die wirkliche Macht? Selenski ist es nicht. Seine einzige Rettungsleine sind die USA", so der Beamte. Und die USA beziehungsweise Trump verlieren offenbar zunehmend die Geduld.
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