Bürokratie-Detail hemmt Heimreise

Weil Pässe fehlen: Faktisch null Abschiebungen syrischer Straftäter

Migration
Symbolbilder: Magnific (2); Komposition: Der Status.

Seit Ende Januar 2026 stocken die Abschiebungen syrischer Krimineller und Gefährder aus Deutschland komplett. Obwohl über 11.000 Syrer ausreisepflichtig sind – viele davon mit Vorstrafen wegen Gewalt, Drogen oder anderer Delikte – kommen keine Charter- oder Linienflüge mehr zustande. Das neue Syrien nach dem Assad-Sturz sollte laut öffentlichem Narrativ eigentlich bessere Kooperation ermöglichen, doch ein scheinbar banales Detail verhindert Fortschritte: die Beschaffung und Anerkennung von Reisedokumenten.

Artikel aus unserer Kooperation mit JouWatch

Syrer-Abschiebung stockt vollends

Nach dem Machtwechsel in Damaskus hatten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und die schwarz-rote Koalition eine „Abschiebeoffensive“ angekündigt. Im Januar 2026 gelang noch die Rückführung einzelner verurteilter Straftäter per Linienflug nach Damaskus – darunter Mehrfachstraftäter wegen Drogenhandels und Körperverletzung. Diese Erfolge basierten auf direkten Absprachen mit syrischen Behörden. Seitdem herrscht Stillstand.

Die Spuren führen laut “Welt am Sonntag” direkt ins Herkunftsland: Die syrischen Stellen stellen offenbar keine oder nur zögerlich Passersatzpapiere aus, oder die neuen Übergangsbehörden erkennen vorhandene Dokumente nicht zuverlässig an. Üblicherweise beantragen Landesbehörden solche Papiere über Botschaften oder Konsulate – doch die Zusammenarbeit klappt nicht mehr reibungslos.

Das Resultat Deutschland verzeichnete 2025/2026 insgesamt sinkende Abschiebezahlen – erstmals seit Jahren, und von einem ohnehin äußerst niedrigen Niveau ausgehend. Im ersten Quartal 2026 wurden nur wenige Syrer zurückgeführt (bundesweit drei Fälle gemeldet).

Passfrage als brisanter politischer Kontext

Insgesamt scheitern rund 60 Prozent aller geplanten Abschiebungen, oft weil Betroffene nicht auffindbar sind oder Dokumente fehlen. Bei Syrern kommt nun die Unsicherheit in der Passfrage hinzu. Kritiker aus Union und Teilen der SPD fordern mehr Druck auf die neue syrische Führung unter Ahmad al-Sharaa. Bundeskanzler Friedrich Merz sprach sich dafür aus, dass etwa 80 Prozent der in Deutschland lebenden Syrer perspektivisch zurückkehren sollten.

Gleichzeitig warnen Flüchtlingsräte und "Pro Asyl" vor Abschiebungen: Die Lage in Syrien bleibe „volatil“, mit Berichten über Gewalt gegen Minderheiten und Unsicherheit. Gerichte wie in Düsseldorf haben kürzlich Abschiebungsverbote für einzelne Straftäter aufgehoben, da der Bürgerkrieg offiziell vorbei sei.

Warum das Detail so entscheidend ist: Ohne gültige Reisedokumente oder syrische Zustimmung können keine Abschiebungen vollzogen werden – selbst bei ausgewiesenen Straftätern. Viele Betroffene verweigern die Mitwirkung bei der Passbeschaffung oder haben keine Papiere. Die syrische Botschaft in Berlin und andere Vertretungen spielen eine zentrale Rolle, doch nach dem Regimewechsel fehlen offenbar klare Strukturen oder der politische Wille zur engen Kooperation.

Kein Abkommen, keine Abschiebung

Experten sehen hier ein strukturelles Problem: Ohne bilaterale Abkommen oder funktionierende Konsularbeziehungen bleiben Rückführungen hängen. Die Bundesregierung beobachtet die Lage „täglich neu“ und führt Gespräche mit Damaskus. Innenpolitiker fordern schärfere Maßnahmen wie Handyortung oder vereinfachte Passersatzregelungen.

Für viele Bürger ist die anhaltende Präsenz straffälliger Ausreisepflichtiger ein Symbol gescheiterter Migrationspolitik. Ob das „Detail“ bald gelöst wird, entscheidet sich an den Verhandlungen mit der neuen syrischen Führung – und am politischen Druck aus Berlin, der vermutlich ausbleiben wird. (TG)

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