Chirurgen aus der Wüste: Deutschland wirbt um 'Fachkräfte' aus Marokko
Symbolbilder: Magnific (2); Komposition: Der Status.
Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet aus Marokko sollen die neuen Impulse für den deutschen Arbeitsmarkt kommen, um den angeblichen Fachkräftemangel bei uns zu beheben. Wenn es jedoch nach Bundesaußenminister Johann Wadephul geht, dann sollen die Marokkaner bald in der Pflege- und Gesundheitsbranche klaffende Lücken füllen.
Redaktionell bearbeiteter Artikel aus unserer Kooperation mit JouWatch
Arabische Arbeitslose für deutsche Spitäler?
Offenbar erwartet man sich ein großes Potenzial billiger & williger Arbeitskräfte: Die Arbeitslosenquote von Jugendlichen in Marokko liegt bei erschreckenden 37% - und sogar 19% aller studierten im nordafrikanischen Staat haben keinen Job. Wer sich allerdings die bereits bestehende Situation in deutschen Krankenhäusern anschaut, kann nur den Kopf schütteln: Pflegepersonal, dass kein Deutsch kann und keinen Schulabschluss hat; Mediziner aus dem arabischen Raum, die fachbezogene Antworten googeln müssen, Hospitäler, die immer mehr zu sozialen Hotspots werden und Pflegepersonal, das Sicherheitstraining absolvieren muss.
Hoffnung als Energiewende-"Schlüsselland"
Im heutigen Deutschland krank zu werden wünscht man also vermutlich nicht einmal denen, die solche Zustände forcieren und die Altparteien weiter wählen. Aber ohnehin geht's hier längst nicht um rein soziale Gedanken. So gilt Marokko als wichtiges Bindeglied zwischen Nordafrika und Europa und ist Deutschlands zweitwichtigster Handelspartner auf dem schwarzen Kontinent, so Wadephul. Über 300 heimische Unternehmen investieren derzeit in Marokko. Wadephul bezeichnete den nordafrikanischen Staat (Islamanteil: 98,7%) als "wirtschaftliches Powerhouse" und "Schlüsselland", was vor allem die Kooperation in Bereich der erneuerbaren Energien betrifft.
Immer mehr Marokkaner in Deutschland
Im Zuge dessen soll auch die Migration von dort intensiviert werden. Operation "gelungen": Seit 2020 hat sich die Anzahl der Arbeitsvisa für Marokkaner mehr als verzehnfacht. Rund 13.500 Eingereiste seien es alleine in den letzen beiden Jahren gewesen. Im Pflegebereich wurden 2025 etwa 3.000 Nordafrikaner eingestellt. Deutschkurse in Marokko gibt es aber kaum, der Michel wird sich auch dem noch anpassen müssen.
Die sozialromantische Vorstellung, die Marokkaner könnten eines Tages in ihre alte Heimat zurückkehren, um das Land mit Fachwissen und Wirtschaftkraft zu fördern, herrscht in den Köpfen vor. Realisten stellen hingegen die berechtigte Frage: Warum tun sie das nicht gleich?
Sorge um sozialen Frieden
Zudem wird Marokko immer noch von vielen in Verbindung mit Bootsflüchtlingen gebracht, welche die gefährliche Überfahrt über die Straße von Gibraltar wagen. Alternativ versuchen sie, scharenweise über die beiden spanischen Exklaven Ceuta & Melilla illegal in die EU einzureisen, selbst hohe Grenzzäune halten sie kaum ab. Kritische Stimmen sorgen sich auch um den sozialen Frieden, sind Marokkaner doch in Kriminalstatistiken überrepräsentiert. In der "Kölner Silvesternacht" waren 13 von 19 Tatverdächtige marokkansicher Herkunft. Weil das Land nicht als sicheres Herkunftsland gilt, können sie zudem auch bei rechtskräftige Ausreisepflicht oftmals nicht abgeschoben werden.
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