Das Sterben muss beendet werden

Ukraine-Krieg: Menschenleben sind wichtiger als Vorbehalte gegen Putin

Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie gefährlich politische Starrheit ist. Statt weiterer Eskalation braucht es endlich realistische Diplomatie, auch wenn sie weh tut. Nur wer Hintergründe versteht, kann Wege zu einem tragfähigen Frieden öffnen.

Auch wenn es schwerfällt: Diplomatie ist der Weg

Man muss sich einmal vorstellen, an welchem Punkt die Welt heute wäre, hätten sich Politiker in der Geschichte genauso dickköpfig gezeigt wie beispielsweise ein Friedrich Merz im Jahr 2025, wenn er unser Land in Wehrtüchtigkeit versetzt, statt endlich darauf zu drängen, dass Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Gang kommen. Doch mit dem beständigen Beharren, Moskau sei auch unser Feind, verbauen wir nicht nur Kiew durch das Suggerieren, Selenskis Truppen hätten ernsthaft noch eine Chance auf einen militärischen Sieg, die Chance auf ein baldiges Ende von Leiden und Sterben. Man kann sich auf die Hinterfüße stellen, der Kreml habe diesen Konflikt eskaliert, nun müsse auch er ihn stoppen. Aber die Realität ist eben kein Wunschkonzert, sondern Pragmatismus war schon immer der einzige Weg zum Brückenbau. Es gibt enttäuschende und ernüchternde Wahrheiten, die wir aus moralischer wie ethischer Hinsicht nicht eingestehen wollen, weil wir sie als zutiefst ungerecht empfinden. Doch der Preis für Idealismus ist der weitere Verlust von "Humankapital" und Material, von Territorium und Sicherheit, von Integrität und Zukunft einer ganzen Nation.

Nicht alle Deutschen lassen sich mit einem einseitigen Pro-Ukraine-Narrativ abspeisen

SPD-Mann Mützenich hat unlängst darauf hingewiesen, dass auch in unserer Öffentlichkeit ein gewisses Bedürfnis bestehe, Ursprung und Dynamik dessen zu begreifen, was sich momentan auf internationaler Bühne abspielt. Wer sich aus der Abhängigkeit vom transatlantischen Bündnis löst und unvoreingenommen versucht, für einen Moment die Perspektive Putins einzunehmen, wird möglicherweise zu der Erkenntnis kommen, dass es ohne Expansion der NATO gen Osten nie zur jetzigen Situation gekommen wäre. Und das, ohne dabei zu vergessen, dass der Überfall auf den Nachbarn brachial und nicht alternativlos gewesen ist, um die Interessen der Einheimischen im Donbass nach dem Sturz des Präsidenten der Regionen, Wiktor Janukowitsch, im Zuge der vom Westen unterstützten Maidan-Revolution zu schützen. Es ist ein geopolitisches, strategisches und stellvertretendes Schlachtfeld, was sich uns bietet. Und wie auch der designierte BSW-Vorsitzende Fabio De Masi richtig sagt, kommt man um dessen Deutung kaum umhin, bleibt jegliche Friedensinitiative ohne Verstand, gesteht man sich weder ehrlich noch historisch ein, dass auch ein Gespräch mit dem Gegner für Kompromisse unerlässlich ist.

Hintergründe zu verstehen kann Türen für Diplomatie öffnen

Es muss ein Morgen geben, es braucht einen Ausweg aus der Spirale, der bittere Zugeständnisse abverlangt. Dass offenbar frühzeitig Möglichkeiten bestanden, sich auf eine Pufferzone zu einigen, Luhansk und Donezk unter die neutrale Verwaltung Dritter zu stellen, scheint mittlerweile kein Geheimnis mehr. Ob man nun die Erzählung von der Befreiung dieser beiden Gebiete glauben will, spielt im bloßen Attest, dass sich der Status quo zugunsten ukrainischer Souveränität nicht mehr wird verschieben lassen, eine untergeordnete Rolle. Das Zerreiben eines Volkes zwischen der Rivalität zweier Großmächte kommt wohl nur dann zum Stillstand, zieht man eine Demarkationslinie entlang des kleinsten gemeinsamen Nenners, den der russische Staatschef einzugehen bereit scheint. Irgendwann muss die Abnutzung unterbunden werden, jahrelange Gefechte der Vergangenheit angehören. Denn die Sinnlosigkeit schreit längst zum Himmel, wird man sich rational bewusst, dass Grenzen offenbar wichtiger sind als Menschenleben. Bertolt Brecht sagte bereits, dass kein Vormarsch so schwer ist wie der zurück zur Vernunft. Mögen Schmerz, Marter und Qual ihn trotzdem in Gang setzen.

 

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