Albtraum des Altparteien-Kartells

Politisches Erdbeben: Freie Sachsen könnten erstmals einen Bürgermeister stellen

Meinung
Bild: Freie Sachsen, Sachsen-Flagge, Freie Sachsen

Politik und Presse reagieren zunehmend nervös, weil ausgerechnet die Freien Sachsen im Erzgebirge zur stärksten Kraft werden könnten. Der Protest gegen Migration, Zentralismus und politische Bevormundung erreicht nun die sächsischen Rathäuser.

Freie Sachsen im allzeit Hoch

Wie rechtsextrem sind die Freien Sachsen wirklich? Momentan steht eine Kleinstpartei im Fokus der Berichterstattung, weil sie in der ersten Runde der Oberbürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema im Erzgebirgskreis mit 29 Prozent der Stimmen klar vor dem CDU-Kandidaten und der AfD lag. Noch 2024 hatte sie landesweit nur etwa 2,7 Prozent erreicht, konnte allerdings schon damals etwa 100 Mandate auf Gemeinde- und Kreisebene gewinnen. Dass man heutzutage vom Verfassungsschutz beobachtet wird, gilt fast schon als ein Prädikat. Denn der Inlandsgeheimdienst schlägt wild um sich, drückt allerdings in Richtung Linksradikalismus oder Islamismus die Augen zu. Wenn es jedoch um Patrioten geht, tritt der Staatsschutz auf den Plan.

Die Unruhe im etablierten System wächst, ganze Erdrutsche werden befürchtet. Und tatsächlich scheint vor allem die Sorge, dass der Zugang zu den Fleischtöpfen gekappt wird, die treibende Motivation all jener zu sein, die nunmehr mit Pauken und Trompeten vor einer Unterwanderung „unserer Demokratie“ warnen. Doch das Schreckgespenst von einer Wiederkehr der Nazis und Faschisten zieht kaum noch, es wird des Wahns entlarvt.

AfD und Freie Sachsen gegen Altparteien

Weil sich der Verstand vieler Menschen derart emanzipiert hat, dass sie nur noch müde lächeln können, kommt man mit der Moralkeule oder Wortgewalt um die Ecke, will an die dunklen Kapitel der Geschichte erinnern, bleibt das Bemühen um reflexhafte Empörung meist im Sande stecken. Die Gescholtenen gehen als eindeutiger Favorit in den entscheidenden Urnengang am 7. Juni. Ihr Herausforderer ist Marcus Hoffmann von der Union. Alle anderen Wettbewerber haben dem erneuten Antreten eine Absage erteilt, die Alternative für Deutschland wollte keine direkte Empfehlung aussprechen, räumte durch ihren Schachzug des Verzichts allerdings die größten Hürden für einen Mann aus, der in der Bevölkerung riesiges Ansehen besitzt.

Die einfache Mehrheit entscheidet darüber, ob Stefan Hartung ins Rathaus wechselt. Mit einem offensiven Auftreten auf seiner Webseite, in den sozialen Medien und bei Veranstaltungen positioniert er sich als starke Stimme gegen den Filz, für die Heimat, gegen Migration und für Mitbestimmung. Es könnte zu einem historischen Erfolg kommen, welcher insbesondere Brandmauer, Scheuklappen und Kontaktschuld den letzten Rest geben würde.

Für Autonomie und Mitbestimmung

Programmatisch positioniert man sich im Geiste von konsequenter Autonomie, wachsender Souveränität der Regionen. Man möchte Aufmüpfigkeit gegenüber dem Zentralismus der EU, manch einer Gesetzgebung aus Berlin nicht mehr Folge leisten. Kritiker sprechen gar vom Separatistischen, weil die Bewegung auch an eine neue Verfassung denkt. Bei Schulpflicht und der Sozialversicherung wehrt man sich gegen staatliche Vorgaben, Windrädern und Solaranlagen sagt man den Kampf an. Man ist vernetzt mit Querdenkern und Montagsdemonstranten, hat Personal aus der einstigen NPD in den Reihen. Doch wird man deshalb zu einer Randerscheinung, die Ängste und Sorgen vor einem Umsturz reifen lässt?

Natürlich sollen bestehende Verhältnisse überwunden werden, doch die Ablehnung von weiterer Zuwanderung, der energetischen Transformation und einstiger Corona-Maßnahmen sind kein Grund, schlichte Etiketten zu verteilen. Wer Kontinuität zum Nationalismus unterstellt, hat offenbar selbst ein Problem mit Identität und Bekenntnis zu Ursprung oder Herkunft. Auch mit dem Anhängsel, eine Kaderschmiede zu sein, kann man gelassen verfahren.

Mehrheitswillen durchsetzen

Nicht nur die Lokalpresse bekommt Schnappatmung, weil sich ein Protest in Widerstand ummünzt. In einer repräsentativen Herrschaftsform gibt es nur alle paar Jahre die Gelegenheit, Wunsch und Wille kundzutun. Der Respekt vor dem Bürger macht es notwendig, endlich auf ihre Nöte zu hören. Viel zu lange hat man ein Grummeln ignoriert, jetzt kommt der Aufschrei. Eine massive Steuerung von Flüchtlingsbewegungen, strikte Grenzkontrollen und vehemente Abschiebungen stehen auf der Agenda der Freien Sachsen. Keine Toleranz zeigen will man gegenüber Transferleistungsempfängern aus der Ferne, die nicht arbeiten wollen, Eingliederung verweigern oder straffällig werden.

Die Innenstädte möchte man beleben, Mittelstand und Handwerk entlasten. Private Investoren sollen in die Kommunen gelockt werden, denn das staatliche Anwerben hat ebenso wenig funktioniert wie die subventionslastige Sanierung der Fußgängerzonen. Statt in teure Prestige-Projekte will man Geld in eine gute Infrastruktur, flächendeckenden Glasfaserausbau und marode Bildungseinrichtungen fließen lassen. Und wer soll schon etwas gegen altersgerechtes Wohnen, Arztpraxen vor Ort oder Kitas um die Ecke haben?

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